Braucht Ihr vielleicht noch eine schöne Lampe oder dringend ein paar Glühbirnen? Dann solltet Ihr Euch sputen: Das Lichthaus Lerch in der Flachsmarktstraße schließt Ende Juni sein Tore und knipst die Lampen aus, die dann noch da sind. Nach sage und schreibe 138 Jahren gibt die Eigentümerfamilie Lerch ihr Geschäft auf. Die Nachfolge ist auch schon geregelt: Ein Frankfurter Leuchtenhändler übernimmt das Geschäft, wer, wurde noch nicht verraten

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Vom Closet über Bierdruck-Armaturen bis zu Laternen, gab’s alles bei J. Lerch & Co. – Foto: gik

Letzte Vertreterin der Licht-Dynastie ist Margarethe Krämmer, und die betont: Nein, es liegt nicht am Fachgeschäfte-Sterben, das sie nun aufhört. Margarethe Krämmer leitete das Lichthaus seit 1977, auch keine schlechte Zeitspanne. Doch die Patronin ist nunmehr 72 Jahre alt und gibt das Geschäft aus Alters- und aus Gesundheitsgründen auf. Damit endet eine 138 Jahre währende Familiengeschichte, die aufs Engste mit Mainz verbunden war.

Familientradition Lichthaus Lerch 1876 - Foto: gik
Familientradition Lichthaus Lerch 1876 – Foto: gik

1876 gründete Krämmers Urgroßvater Karl Lerch  eine Lampenfabrik und Metallgießerei in der Hinteren Bleiche, gleich mit mehr als 20 Angestellten. Nur zwei Jahre später, 1878, gründete sein Bruder Michael Lerch am Flachsmarkt ein Installationsgeschäft für komplette Badeeinrichtungen, für Gas-, Wasser- und Dampfleitungen – und vertrieb eben auch „Gas-Glühlicht“, damals eine hochmoderne Angelegenheit.

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Karl Lerch installierte die hochmoderne Gasbeleuchtung für den Mannheimer Hauptbahnhof, sein Bruder fertigte festliche Kronleuchter, die später dann auch mit Gasbeleuchtung entworfen und hergestellt wurden.

Lichthaus Lerch Fassade - Foto: gik
Das Lichthaus Lerch am Flachsmarkt – Foto: gik

Der Flachsmarkt aber war fortan ein fester Bestandteil der Firmengeschichte. Das erste Geschäft stand noch dort, wo heute das Kaufhof-Parkhaus steht. Drei Geschäfte hatte die Firma Lerche, als der Zweite Weltkrieg hereinbrach. Dreimal wurde die Familie zwischen 1942 und 1944 bei der Zerstörung von Mainz völlig ausgebombt.

Doch aufgeben galt nicht: Bereits im Januar 1945 erhielt die Familie, die damals Busch-Lerch hieß, die Erlaubnis des Oberbürgermeisters von Mainz, ihr Geschäft wiederaufbauen zu dürfen. 1954 errichtete die Familie das Haus an der Flachsmarktstraße, das bis heute die Heimat des Lichthauses Lerch ist. Damals war die Firma Lerch allerdings vor allem für eines bekannt: Als Klassikspezialist mit einer großen Schallplattenabteilung.

Tür Räumungsverkauf Lichthaus Lerch
Alles muss raus – Foto: gik

1977 dann übernahm Margarethe Krämmer vom 70 Jahre alten Vater Josef Lerch das Geschäft. Sie gab dem Haus den neuen Namen Lichthaus Lerch und baute um: die Sparten Radio und Fernsehen wurden aufgegeben, das Angebot für Lampen und Leuchten hingegen wuchs ständig. 1985 wurde der dritte Laden – eine alte Bank – hinzugenommen, 1992 der hintere Teil des ersten Stocks ausgebaut und ein Wintergarten für die Außenleuchten angebaut.

Das Lichthaus Lerch bot inzwischen Lampen von Barock bis Jugendstil,von Tiffanyleuchten bis zur Gründerzeit und Bauhaus-Stil. Gut 150 Lieferanten zählte das Lichthaus am Schluss, gegen Baumärkte und Online-Handel suchte man sich mit Fachwissen, Service und vielseitigem Angebot zu behaupten – auch, weil das Lichthaus ganze Beleuchtungskonzepte anbot. Und wenn man nach dem Aus der Glühbirne dennoch eine solche für seine Wohnung suchte, beim Lichthaus Lerch fand man sie bestimmt.

Räumungsverkauf Lichthaus Lerch - Foto: gik
Räumungsverkauf Lichthaus Lerch – Foto: gik

Ende Juni ist nun Schluss, ab dem 1. Juli wird das Geschäft von einem Frankfurter Leuchtenhändler übernommen – wir sind gespannt. Vorher aber brennt das Lichthaus Lerche aber ein wahres Feuerwerk ab: aus Sonderangeboten und Räumungs-Rabatten. Bis zu 50 Prozent sind die Leuchten reduziert, also, wenn Ihr noch was braucht… Und nein, wir verkneifen uns jetzt das platte Bonmots vom Letzten, der …! Geht einfach hin 😉

 

 

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