Nun bekommt auch Mainz seine Montagabend-Demo, aber natürlich keine Magida-ähnliche Variante der Anti-Islam-Proteste von Dresden: Unter dem Motto „Break the Circle“ ruft eine Gruppe junger Mainzer für Montag, 18.30 Uhr zu einer Demonstration gegen Rassismus, Islamophobie und Pegida auf. Und natürlich wird damit auch ein Statement gegen den Terrorakt auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo gesetzt. Unterdessen hat Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) seine Neujahrserklärung gestrichen – und durch ein Je suis Charlie-Bekenntnis ersetzt.

Mainz setzt Zeichen gegen Pegida und für Charlie Hebdo - Demo am Montag
Nous sommes Charlie: Gedenken vor dem Institut Francais – Foto David

„Die Morde in Paris sind ein feiger und verbrecherischer Anschlag auf all das, was unsere Wertegemeinschaft in Europa ausmacht“, schreibt Ebling in seinem Brief an seine Bürger. Die Freiheit der Meinung, der Presse und der Kunst einschließlich der Satire, von Toleranz und Menschenwürde bildeten nichts weniger als den Kern unseres Grundgesetzes.

Setzt Zeichen gegen Fanatismus und Ausgrenzung

„Wir alle spüren, dass von dieser furchtbaren und kaltblütigen Bluttat eine große Gefahr für das friedliche Zusammenleben in ganz Europa ausgeht“, schreibt Ebling weiter. Gleichzeitig zeigten die Bilder und Berichte aber auch, „dass eine große Mehrheit hellwach und mit Herz und Verstand umso fester zusammen steht, die Ideale der Demokratie und der Freiheit des Geistes verteidigt und sich gegen jede Form von Extremismus wehrt.“

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Genau das wollen auch die Initiatoren der Montagsdemo am 12. Januar unterstreichen. „Der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Herbdo“ schüttet leider Wasser auf die Mühlen des Islamhasses von PEGDIA, AfD und Co.“, heißt es auf der Facebook-Seite mit dem Demo-Aufrufs. „Deshalb kommt mit uns auf die Straße und setzt Zeichen gegen jeglichen Fanatismus, Fremdenhass und Ausgrenzung innerhalb der Gesellschaft“, lautet der Aufruf. Mainz setzt Zeichen gegen Pegida und für Charlie Hebdo - Demo am Montag

Die „sogenannten Retter des Abendlandes“ schürten seit Wochen Rassismus und Ressentiments gegen Muslime, Flüchtlinge und Ausländer, schreiben die Initiatoren weiter. Doch die Muslime würden nur als Sündenböcke vorgschoben, wo es um „den andauernden Sozialabau, Hartz 4 und eine wachsende Reich-Arm-Schere“ gehe. „Wer gegen die Missstände der Sozialpolitik demonstrieren will soll dies tun, aber nicht in dem er die Religion oder die Herkunft von Menschen angreift“, betonten die Autoren.

Lange Geschichte von Mainz mit Frankreich

Mainz setzt Zeichen gegen Pegida und für Charlie Hebdo - Demo am MontagDie Initiatoren sind dieselbe Gruppe, die am Mittwochabend spontan eine Kundgebung vom Mainzer Hauptbahnhof zum Institut Francais am Schillerplatz organisierten. Darunter sind auch Franzosen, die in Mainz leben und die gemeinsam mit Mitarbeitern des Institut Francais der Opfer gedachten. Auch Ebling betonte, die Gedanken seien bei den Ermordeten, ihren Angehörigen „und natürlich auch bei den Freunden in unserer Partnerstadt Dijon und den vielen in Mainz lebenden Franzosen, die unter anderem im Haus Burgund und im Institut Francais arbeiten.“

Mainz hat schließlich eine lange gemeinsame Geschichte mit den französischen Nachbarn, die nicht zuletzt 1792 in Mainz die erste demokratische Republik auf deutschem Boden ausriefen. Die Franzosen waren mehrfach hier und hinterließen ihre Spuren in Dialekt („Trottoir“), Essen (gutes!) und nicht zuletzt auch in der besonderen Kabarettgeschichte von Mainz – siehe Unterhaus und Kabarettarchiv.

„Wir stellen uns auf die Seite derer, die ein friedliches, faires und auf gegenseitiges Verständnis aufbauendes Miteinander wollen“, betonen die Demo-Organisatoren: „Wir dulden keinen Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus, Islamophobie, Nationalismus oder anderes Arschlochverhalten.“ Nein, wir auch nicht, vor allem nicht Letzteres 😉

Und wie heißt es so treffend auf der Facebook-Seite mit dem Demo-Aufruf: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“

Kommt – und bringt viele Je suis Charlie-Schilder mit!

Info& auf Mainz&: Break the Circle – Demonstration gegen Rassismus, Islamophobie und Pegida, Montag, 12. Januar, 18.30 Uhr, Treffpunkt Hauptbahnhof Mainz. Mehr zu dem unsäglichen Terroranschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris mit zwölf Toten könnt Ihr hier auf Mainz& lesen. Mehr zum Umgang der Fastnacht mit dem Terror lest Ihr hier.

5 KOMMENTARE

  1. Mir wäre es wichtig,
    schlicht konservativ denkende Bürger,
    die den Verlockungen der Pegidadenke erliegen könnten, aufzuklären
    und davon abzuhalten, diesen Rattenfängern hinterher zu laufen.

    Der hier geschilderte Demoaufruf ist zwar richtig und wichtig,
    aber diese Menschen erreich er leider nicht. Schade !

    Und warum um Himmels willen diese englischen Spachbrocken …

  2. Hallo, ich suche vergeblich im Netz, ob Morgen Sonntag 11. Januar auch einen Trauermarsch in Mainz zum gleichen Zeitpunkt wie den republikanischen Trauermarsch in Paris stattfindet (15h). Auch leider bei Frankfurt finde ich nichts. Weiß jemand etwas ?

    • Hallo, das ist eine extrem gute Frage! Gestern kam nämlich mal eine Meldung vorbei, dass um 16.00 Uhr am Sonntag eine Veranstaltung wäre – aber ich weiß leider auch nicht, wo genau, wie genau, wielange genau… 😉 Und ich finde den Facebook-Link nicht mehr… Wenn jemand etwas weiß – bitte unbedingt rüber schicken! An: info@mainzund.de

  3. Ich bin sehr bedrückt, weil einige der Cartoonisten und Redakteure, die jetzt zu Opfern geworden sind, Freund und Bekannte meiner Freunde und Bekannten in Frankreich waren. Sie waren Mitglieder der Union de pacifsite de france, wie auch ich Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen bin. Wir operieren gemeinsam unter dem weltweiten Dachverband der WRI, der war resisters international, also der Internationale der Kriegsgegner.
    Die Toten waren antireligiös und eben auch anti-nationalistisch. Wer jetzt meint neue Lager spalten zu müssen, (Anti-Pegida kontra „gute“ Konservative), die dann wieder nichts mit wem auch immer zu tun haben wollen, sollen am Montag einfach weg bleiben. Sie haben mit den realen Opfern dieser unbegreifbaren Tat nichts zu tun.
    Meine Befürchtung ist eher, dass ich am Montag Nationalflaggen sehen muss. Das wäre ein Tritt in die Gesichter der Toten.
    Tina

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