Hohe Politik, herrlicher Kokolores und viel Schwung – die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ kommt zu ihrem 60. Geburtstag mit ganz viel Schwung daher. Bei der Närrischen Generalprobe am Mittwoch jagte ein Highlight auf der Bühne das nächste, Redner wie Hansi Greb als „Hobbes“ oder Lars Reichow mit seinen „Fastnachtsthemen“ sind so stark wie nie. Nur einer fehlt: Jürgen Dietz, der „Bote vom Bundestag“.

Mainz bleibt Mainz 2015: bissige Politik, herrlicher Kokolores und ganz viel Schwung
Fehlt einfach: Jürgen Dietz als Bote vom Bundestag – Foto gik

Fast 30 Jahre – genau: seit 1987 – hat Dietz mit seinen spitzen Pointen die Politik bei „Mainz bleibt Mainz“ aufs Korn genommen, vergangenen Samstag war er plötzlich an einem Krebsleiden verstorben. Der SWR hatte Anfang der Woche angekündigt, man wolle des verstorbenen „Boten“ gedenken – die Frage war nun: wie?

Spätes Gedenken an den „Boten“

Die Antwort ist: spät. Erst gegen Viertel vor elf, fast schon am Schluss der Sendung, setzt der SWR zum Gedenken an Jürgen Dietz an. Die Aufgabe hat der, dem man es am Besten zutraut – Andreas Schmitt, Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“. Der tritt nach seinem Vortrag als Obermessdiener aus der Bütt heraus, und spricht: „Weil er als „Bote“ nun gezielt/ oben auf der großen Bühne spielt“, sei noch einmal an den großen Redner der Mainzer Fastnacht erinnert.

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Und dann spricht Schmitt noch einmal den Schlussvers, mit dem Dietz jeden seiner „Boten“-Gänge beendete: „Über alles wächst mal Gras, ist das Gras ein Stück gewachsen, frisst’s ein Schaf und sagt: Das war’s.“ Darauf folgt unmittelbar Thomas Neger, der sein Lied „Wir leben im Schatten des Doms“ singt, in dem es heißt: „Wir halten uns’re Fahnen schwenkend hoch in den Wind, und danken, dass wir Gast auf Erden sind.“

Kein Bild, kein Pult – „würdig gelöst?“

Mainz bleibt Mainz 2015: bissige Politik, herrlicher Kokolores und ganz viel Schwung
Obermessdiener Andreas Schmitt gedenkt Jürgen Dietz – Foto: gik

Das war’s. Kein Bild von Dietz, nicht einmal sein altes Bundestags-Rednerpult wird auf die Bühne geholt, und man darf gespannt sein, ob den Zuschauern das reicht. „Wir haben eine schwierige Situation sehr würdig gelöst“, sagte dazu am Mittwochabend Richard Wagner, Präsident des Mainzer Carnevals-Vereins (MCV), die närrische Heimat von Dietz.

Offenbar hatten der SWR sowie die vier Fastnachtsvereine, die die Sendung tragen, große Angst davor, dass mit dem Gedenken an Dietz die Stimmung im Saal kippen würde. „Wir haben wirklich sehr lange darüber diskutiert“, sagte Horst Ernerth, Präsident des Gonsenheimer Carnevals-Vereins. Das Gedenken einzubauen sei ein Spagat, das Ergebnis „hervorragend und stilvoll.“

Heininger & Schier retten die Stimmung

Dabei hätten die Verantwortlichen gar nicht so viel Angst haben müssen: Den Schlusspunkt der Sendung setzt in diesem Jahr das geniale Fastnachtsduo Martin Heininger und Christian Schier. Deren Vortrag über einen Fastnachtscoach, der einen unbedarften Zuschauer die närrische Rede lehrt, ist dermaßen komisch, dass der Saal binnen kürzester Zeit vor Lachsalven bebt. Da fallen die Hofsänger anschließend richtig gegen ab…

Mainz bleibt Mainz 2015: bissige Politik, herrlicher Kokolores und ganz viel Schwung
Christian Schier in Hochform – Foto: gik

Besonders Schier erweist sich als Glücksfall für die Sendung: Das Multitalent rockt zweimal in der Sendung als „Störenfried“ aus dem Publikum den Saal – mit urkomischen und fetzigen Liedern. Hier schickt sich einer an, zum Star der Fernsehfastnacht zu werden. Überhaupt laufen in diesem Jahr die Redner in Mainz zur Hochform auf: „Hoppes“ Greb ist als Nachbar so gut wie nie, Jürgen Wiesmann glänzt als urkomischer Fast-Schwiegervater.

Andy Ost liegt mit Grippe – Schönauer als Abräumer

Schlag auf Schlag geht es durch die Sendung, rasant und kurzweilig. Da fiel es auch nicht auf, dass noch einer fehlte: Andy Ost aus der Sparte Musik-Kokolores, legte sich am Mittwoch mit einer Grippe und 40 Grad Fieber ins Bett, sein Ausfall wurde durch Schier gut kompensiert.

Zum Abräumer des Abends bei den Rednern wurde bei der Närrischen Generalprobe Detlev Schönauer als „Lehrer“. Gekonnt vermischt der Mainzer Lokalkolorit mit einem Schuss Politik – etwa, wenn er seinen Schülern die Textaufgabe Nürburgring stellt: „Erkläre a) wo ist das Geld hin, b) wie viele Köpfe sind im Kabinett gerollt und c) wie viele Nürburgrings braucht man, bis Rheinland-Pfalz Pleite ist.“ Ganz stark.

Reichow: Lieber heile Kinder als Karikatur am Rosenmontag

Mainz bleibt Mainz 2015: bissige Politik, herrlicher Kokolores und ganz viel Schwung
Mainz bleibt Mainz 2015 – Lars Reichow und die Fastnachtsthemen – Foto: gik

Mit Schönauer holen die Fernsehmacher nun aber schon den zweiten Profi-Kabarettisten auf die Bühne. Lars Reichow heißt der andere, und der schickt sich an, mit ähnlich kurzen Sätzen wie weiland Jürgen Dietz auf Pointenjagd zu gehen. Das war fast schon „Boten“-würdig… Stark ist Reichow aber auch, weil er eine ganz klare Meinung zu Satire im Rosenmontagszug vertritt.

„Wenn die Satire alles darf, dann darf sie sich auch mal zurücknehmen“, sagt Reichow auf offener Bühne, und dass er froh sei, „dass wir an Rosenmontag niemanden provozieren.“ Denn er denke an die vielen Kinder am Zugweg, und „das Leben dieser Kinder ist mir wichtiger, als eine Karikatur.“ Starker Tobak, aber die Meinung kann man haben. Und Reichow endet stark: „Lasst uns feiern in Freiheit, Gleichheit und Heiterkeit – dafür liebe ich diese Stadt!“ Wir auch.

„Dem Abend hat nichts gefehlt“

Hans-Peter Betz setzt als „Guddi Gutenberg“ zwar in seinem Vortrag einen starken Schlusspunkt in Sachen Charlie Hebdo, kam aber bei der Generalprobe gar nicht so gut an. Das wird am Freitag beim politischen Publikum bestimmt anders sein. Friedrich Hofmann kommt als „Till“ zu Beginn der Sendung eher traditionell daher.

Mainz bleibt Mainz 2015: bissige Politik, herrlicher Kokolores und ganz viel Schwung
Finale mit den Mainzer Hofsängern – Foto: gik

Dem Abend habe denn auch trotz des Todes des „Boten“ und trotz des Ausfalls von Andy Ost „nichts gefehlt, weder politisch-literarisch, noch beim Kokolores“, fand der Präsident des Mainzer Carnevals Vereins (MCC), Richard Wagner. Wirklich nichts? Und was ist mit dem 60. Jubiläum der Fernsehsitzung?

Nur an einer Stelle geht Sitzungspräsident Schmitt darauf ein, wenn er als Gäste im Publikum Altmeister Herbert Bonewitz und die legendäre Margit Sponheimer begrüßt. Dann darf der Saal kurz zum Evergreen „Am Rosenmontag bin ich geboren“ schunkeln – das war’s. Die Fernsehmacher haben sich entschieden, lieber die aktuelle und durchaus moderne Fastnacht zu zelebrieren. Denn wie könne man, sagte SWR-Verantwortlicher Günther Dudek, „das Jubiläum besser feiern?“

Info& auf Mainz&: Die 60. Fernsehfastnacht „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ am Freitag, den 13. Februar ab 20.15 Uhr live im Ersten aus dem Kurfürstlichen Schloss in Mainz.

So, und hier die Fernsehsitzung in Bildern. Viel Spaß!

 

14 KOMMENTARE

  1. Das Ballett fällt hier leider unter den Tisch – naja, sie dürfen ja auch nur 3 Minuten von ihrer tollen Show zeigen, mit Akrobatik und schönen Kostümen, die auch noch mehrmals gewechselt werden. Wer sie in natura schon gesehen hat, weiß, was nicht gezeigt werden kann. Ballett-Augenschmaus gehört einfach auch dazuu umso besser in dieser tollen Form!

    • Liebe Frau Hammann,
      das Ballett war total toll und wird noch ausgiebig in der Bildergalerie gewürdigt. Die ich bis spätestens morgen noch reinstelle. Hoffe ich.

  2. Heut Abend ist natürlich Meenz bleibt Meenz ein MUSS.

    Aber manchmal werd ich wohl rüberklicken zu ZDF Kultur;
    da gibts nämlich mit der Sitcom LERCHENBERG einen außerordentlichen Leckerbissen:
    Nicht daß es da um den grünsten Mainzer Stadtteil ginge …
    Nein, da macht sich das ZDF über sich selbst lustig
    und präsentiert erfundene „Interna“, die aber vielleichr doch sehr realitätsnah sein könnten.
    Hab schon mal einen Ausschnitt sehen können und lag auf dem Bauch vor Lachen.
    Und hoffe ansosnten jetzt auf die Videothek.

  3. Ich gedenke an Jürgen DIETZ
    es tut mir sehr leid da ich ihn persönlich kannte er ist ein großer Verlust für alle
    mein Beileid

  4. Entschudligung,
    scheint als wäre der Kommentar nun doch nicht zensiert worden,

    Ich – kein PEGIDA-Teilnehmer und keiner PEGIDA-Fan werde aber morgen nochmal reinschauen, ob der Kommentar auch wirklich nicht zensiert wird.

    Ich habe den Koran gelesen und mit Leuchtstift durchgearbeitet,
    ich habe mit säkularen Muslimen diskutiert,
    ich habe mir angesehen, wie viele Verbrechen im Namen der „Religion des Friedens“ begangen wurden und noch immer begangen werden,
    ich habe mir auch angeschaut, wie wenigen Radikaler es bedarf, um den Islam in seiner Urform, sprich mit Gewalt, umzusetzen.

    Es wäre die Pflicht der Narren vor dieser Religion zu warnen und die Muslime aufzuklären, so wie einst die Narren mithalfen Protestanten und Katholiken aus dem Mittelalter in die offene, freie, liberale Gesellschaft zu führen.

    Aber was will man von Narren erwarten,
    die ihr Gehalt beim Staat verdienen,
    bei einem Staat, für den das eigene Volk, die einheimische Bevölkerung nur noch als Melkkuh dient?

    Wenn der Islam in Deutschland und anderen Teilen Westeuropas weiter in diesem Tempo an Macht gewinnt, dann werden die Enkelkinder der heutigen Büttenredner, die gegen PEGIDA gehetzt haben, den Karnevall nicht mehr feiern dürfen und die Mädchen werden Schleier tragen. Bier und Wein? Wer soll das noch herstellen, wenn alle Brau- und Kellermeister an den Laternen erhängt wurden?

    Büttenreden, die nicht die Freiheit verteidigen, sondern jene zu Narren machen, die eben gerade für die westliche Freiheit demonstrieren, das ist eine Schande, das ist der Anfang vom Ende des Karnevalls.

    Amen.

    • Hallo Peter Pegida, Ihren zweiten Kommentar gebe ich gerne frei – fein, dass Sie Ihre Meinung so sachlich und fundiert vertreten! Ich erlaube mir aber einen Hinweis: Es steht nun wirklich nicht zur Debatte, dass Braumeister an Laternen erhängt werden. Und wir in Rheinhessen lieben unsere Winzer ganz besonders. Die Ehren und lieben wir – und würden uns schwer wehren, wenn das einer versuchen wollte. Hier am Rhein haben wir noch jeden „Fremden“ integriert gekriegt. Kommen Sie mal vorbei und feiern Sie mit – hier wird keiner erschossen oder erhängt. nur intolerante Leute, die mögen wir gar nicht 😉 und übrigens: Hans-Peter Betz hat gerade sehr klare Worte zu „den Idioten“ vom IS gesagt, klarer geht’s nicht. Schade, dass Sie da offenbar schon weg waren.
      Mit freundlichem Gruß,
      Gisela Kirschstein
      –Chefredakteurin Mainz&–

  5. Also, der Sitzungspräsident dürfte mehr Charme entwickeln. Der Mann im Fliegenkostüm erscheint zu häufig. Die Hofsänger sollten auf 6 Minuten begrenzt werden, dann passt es.

  6. Sitzung war sehr flott, Sitzungspraesident ist sehr gut, kann und konnte man empfehlen. Das Politikern das lachen nicht vergeht kann ich nicht verstehen, die muessten doch im Erdboden versinken.

  7. Tolle Sendung – aber was war denn mit den Mainzer Hofsängern los ?! Was war`n denn das für Texte ?! Oder hab ich wa snicht verstanden ?!
    Chrissi

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