Kein Till, kein Thomas Neger, dafür Erhard Grom als Protokoller, Andy Ost mit modernen Hits und die Premiere für Thorsten Ranzenberger und die „Trumps aus der Pfalz“ – der Südwestrundfunk wirbelt in diesem Jahr das gewohnte Programm von „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ gehörig durcheinander.  „Wir wollten einen traditionellen Rahmen mit modernen Inhalten versehen“, sagte Redakteur Günter Dudek am Samstag Mainz& – „so muss es sein!“ Dabei setzt der SWR auch auf viel Politik: Guddi Gutenberg und Lars Reichow mit seinen Fastnachtsthemen sind inzwischen die Stars der Politik-Sparte, Christian Schier und Martin Heininger mit ihrer Fastnachtsposse die neuen Schlussredner. Dazu ein bisschen Musik und das grandiose Fantasy-Ballett des TSV Schott sowie die Hofsänger zum Finale – fertig ist das Sendungsrezept.

Mainz bleibt Mainz 2017: Grom statt Till, Premiere für Trumps aus der Pfalz und Rückkehr von Andy Ost
Erhard Grom läuft mit seinem schwungvollen, großartig-gereimten Protokoll dem Till auf der Reichstagskuppel den Rang ab – Foto: gik

Die große Überraschung aber in diesem Jahr: Friedrich Hofmann als traditioneller Till auf der Reichstagskuppel ist nicht dabei. Die Symbolfigur war sonst immer der Opener der Fernsehsitzung, doch ihm hat ein anderer den Platz abgeluchst. Beim Gonsenheimer Carneval-Verein stieg mit Erhard Grom ein Altmeister des gereimten politischen Protokolls in die Bütt, eigentlich vor allem deshalb, weil Protokoller Martin Krawietz zum Vereinspräsidenten aufgestiegen ist. Grom sprang als Protokoller in die Bresche – und legte einen furiosen, spritzigen, genial-gereimten und höchst unterhaltsamen Vortrag in die Bütt. Standing Ovations für den Altmeister des Protokolls – und prompt schaffte Grom damit zurück den Sprung auf die große Fernsehbühne.

Grom sei „politisch stark“ und setze „Themen, die den Menschen im Gedächtnis sind, und die die Menschen bewegen“, schwärmte Dudek im Gespräch mit Mainz&. Dabei sei Grom sprachlich brilliant und dazu „sehr schwungvoll“, strotze geradezu vor Kraft in der Bütt und schaffe zu all dem auch noch einen positiven Ausblick in die Zukunft. Das komme im Saal hervorragend an. „Das hat uns zur Entscheidung gebracht, Grom als Sendungs-Opener einzusetzen“, sagte Dudek. Der Till sei hingegen in diesem Jahr „nicht gewohnt gut angekommen“, sein Vortrag „kam uns in diesem Jahr sehr zurückgenommen und bedächtig vor“, sagte Dudek. Womöglich habe es daran gelegen, dass Hofmann durch Krankheit gehandicapt gewesen sei, fügte Dudek hinzu: „Es ist eine Bestenauswahl, an der Stelle muss dann eben der Till pausieren.“

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Mainz bleibt Mainz 2017: Grom statt Till, Premiere für Trumps aus der Pfalz und Rückkehr von Andy Ost
Starke Fastnachtsthemen: Lars Reichow ist auch mit dabei – Foto: gik

Das ist hohes Lob für den Gonsenheimer – und auch sonst kommen in diesem Jahr alle (!) politischen Redner vom GCV: Gesetzt ist natürlich Hans-Peter Betz, der in seiner letzten Kampagne als „Guddi Gutenberg“ noch einmal einen hochkarätigen Vortrag hinlegt und von Rechts bis Links niemanden schont. Politischer Redner Nummer drei ist Lars Reichow, der Profi-Kabarettist hat sich mit seinen „Fastnachtsthemen“ einen festen Platz erspielt und teilt so scharfzüngig und pointiert aus, dass es fast schon an den seligen Jürgen Dietz erinnert…

Immer politischer wird zudem Andreas Schmitt als „Obermessdiener“, der in diesem Jahr gewaltig gegen rechtspopulistische und antidemokratische Tendenzen austeilt. Das Schwergewicht der Mainzer Fastnacht ist ausnahmsweise mal nicht der Schlussredner, sondern wird weiter vorne in der Sendung platziert, so könnten mehr Zuschauer seinen Auftritt genießen, sagte Dudek. Zudem führt Schmitt natürlich wieder als Sitzungspräsident gewohnt schwungvoll durch die Sendung.

Mainz bleibt Mainz 2017: Grom statt Till, Premiere für Trumps aus der Pfalz und Rückkehr von Andy Ost
Zum letzten Mal: Hans-Peter Betz als „Guddi Gutenberg“ – Foto: gik

Dazu setzt der SWR mit gleich fünf weiteren Rednern aus dem Fach Kokolores auf viel Schwung: Alexander Leber darf als „Polizist“ zurück auf die Fernsehbühne, Jürgen Wiesmann bringt die Säle mit seiner unnachahmlichen Art zum Beben und Detlev Schönauer – auch ein Comedy-Profi – darf wieder als Bio-Lehrer vom Leder ziehen. Schönauer beende seinen Vortrag am Klavier, sagte Dudek, das sei eine Ergänzung zu den Musiknummern. Ansonsten plant der SWR nämlich nur drei musikalische Beiträge ein, relativ wenig: Die Sitzung eröffnen wird erstmals Thorsten Ranzenberger, er soll (und wird) mit seinem Schwellkoppträger-Lied Schwung in den Saal bringen.

Eine Rückkehr auf die Fernsehbühne feiert Andy Ost. Dessen Musiknummer sei eine „sehr, sehr schöne Idee“ und verbinde aktuelle Charttitel mit fastnachtlichen Texten und dem Anspielen des Publikums, sagte Dudek. Thomas Neger hingegen ist ebensowenig dabei wie „Nachtwächter“ Adi Guckelsberger oder die fetzigen Bockius-Brothers vom GCV. Ihre Premiere feiern hingegen Thomas Becker und Frank Brunswig vom GCV auf der großen Fernsehbühne: Das Duo bringt mit höchster Komik den amerikanischen Präsidenten Donald Trump samt „Bruder“ aus der Pfalz auf die Bühne und ist damit hochaktuell.

Vor allem aber lassen Becker und Brunswig am Ende ihres Vortrags eine alte „Mainz bleibt Mainz-Legende“ wieder aufleben: Ihre „Trumps aus der Pfalz“ sind eine Hommage und Persiflage zugleich an die legendären „Tramps von der Pfalz“, die in den 1970er Jahren die großen Stars der Fernsehsitzung waren. Hier könnt Ihr Sie noch einmal nachhören. „Wir sind felsenfest überzeugt, dass Becker und Brunswig super gut angekommen werden“, sagte Dudek. Wir auch 😉

Mainz bleibt Mainz 2017: Grom statt Till, Premiere für Trumps aus der Pfalz und Rückkehr von Andy Ost
Grandiose getanzte Geschichte: TSV-Schott-Ballett „Fantasy“, auch in der Fernsehsitzung dabei – Foto: gik

Und die Schnorreswackler? Trotz grandiose Ultra-Kurz-Sitzung taucht die Gonsenheimer Gesangstruppe offiziell im Programm nicht auf, aber Dudek beruhigt: „Keine SWR-Sitzung ohne spezielle Einlage“, sagte er schmunzelnd, man habe noch eine Überraschungs-Nummer in der Hinterhand, „da haben dann auch die Schnorreswackler ihren Anteil.“ Ansonsten dürfen natürlich die Hofsänger mit einem Stimmungs-Medley am Ende nicht fehlen. Schlussredner aber sind in diesem Jahr Martin Heininger und Christian Schier: Die Gonsenheimer entwickeln sich langsam zu den Comedy-Megastars der Fernsehsendung, ihre „Fastnachtsposse“ toppt in diesem Jahr tatsächlich noch einmal so ziemlich alles. Sensationell: Ernst Negers „Heile Gänsje“ als „In the Ghetto“-Version… Das ist Gänsehaut pur und gleichzeitig urkomisch.

Mainz bleibt Mainz 2017: Grom statt Till, Premiere für Trumps aus der Pfalz und Rückkehr von Andy Ost
Werden zu den großen Stars von „Mainz bleibt Mainz“ und zu neuen Schlussrednern: Christian Schier und Martin Heininger mit ihrer „Fastnachtsposse“ – Foto: gik

Und warum ist wieder keine einzige Frau auf der Fernsehbühne bei „Mainz bleibt Mainz“ dabei? Man habe intensiv mit Sabine Pelz gesprochen, verriet Dudek Mainz&. Die MCV-Frau Aktive hat mit ihrer Mainzelbahn-Nummer eigentlich einen schwungvollen, hochaktuellen Vortrag auf die Bühne gebracht, der auch in den Sälen sehr gut ankommt und wunderbar mit dem Publikum spielt. Doch inhaltlich konnte der Vortrag offenbar das von den Fernsehmachern gewünschte Niveau nicht bieten: „Uns wäre es wichtig gewesen, das Ganze nationaler auszurichten, tauglicher für Zuschauer in der ganze Republik“, sagte Dudek, auch hätte der Vortrag deutlich gekürzt werden müssen. Man habe gemeinsam mit Pelz abgewogen und diskutiert und sei „gemeinsam und sehr freundschaftlich zu dem Ergebnis gekommen, wir lassen es bleiben.“ Was ein toller Vortrag für die Region sei, müsse eben nicht unbedingt für die Fernsehsitzung geeignet sein, fügte Dudek hinzu.

Einziges Ballett der Sendung wird das Fantasy-Ballett des TSV Schott sein. Die preisgekrönte Truppe zaubert in diesem Jahr wieder wunderschöne Bilder auf die Bühne, ein echter Augenschmaus! Ansonsten seien Balletts für die Fernsehmacher aber ausgesprochen heikel, erklärt Dudek: „Wir wissen, dass die Balletts zur Tendenz bei den Zuschauern führen, aufzustehen, wegzugehen und umzuschalten“, bedauert er. Was im Saal verzaubere, „verliert am Fernsehapparat deutlich an Attraktivität.“ Und so setzt der SWR in diesem Jahr auf viel Wortbeiträge in moderner Form – und setzt sich damit erneut deutlich von der sehr traditionellen Sitzungsform des ZDF ab: Man halte am traditionellen Rahmen mit Schloss, Livesendung, vier Genres, Komitee und dem Sitzungspräsidenten fest, sagte Dudek: „Die Füllung, das Inhaltliche, das probieren wir eben sehr modern zu interpretieren.“

Info& auf Mainz&: „Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht“ wird traditionell am fastnachtsfreitag aus dem Mainzer Schloss gesendet – übrigens als einzige Fastnachtssitzung live. In diesem Jahr also Freitag, der 24. Februar 2017, ab 201.5 Uhr in der ARD. Wie die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ 2016 unter der Ägide des ZDF verlief, könnt Ihr hier noch einmal bei Mainz& nachlesen. Und Ihr wollt noch ein bisschen mehr in Fastnacht schwelgen? Bitteschön: Freut Euch über tolle Videos mit Heininger & Schier, Margit Sponheimer und Stars wie Oli Mager und Tobias Mann – im neuen Youtube-Kanal von Mainz&!

2 KOMMENTARE

  1. Hallo, 1952 haben wir einen Fernseher bekommen und seit 1955 sehe ich diese Sendung. Als Kind noch schlafend unter dem Wohnzimmertisch und zu den Hofsängern wurde ich geweckt. Ich bin zwar aus Düsseldorf, aber an die Mainzer Sendung kommt nichts heran. Mir laufen heute noch die Tränen, wenn die Hofsänger – so ein Tag und Sassa singen, denn da läuft mein ganzes, langes Leben vor mir ab. Danke dafür und die letzte Sendung war wieder spitzenmäßig.

  2. Sehr geehrte Damen und Herren,
    von den Vorträgen in dieser Campagne bin ich sehr enttäuscht.
    Für mich stellte es sich wie eine Wahlpropaganda für die Linken, vor allem die SPD dar.
    Nur Kritik gegen AfD und Trump .Kein Wort von illegalen Zuwanderern, denTaten der guten Linken, die jetzt wieder
    hoffähig sind, auch nicht die doppelte Staatsbürgerschaft, welche den urdeutschen Bürger zum Bürger zweiter Klasse im eigenen Land macht. Man denkt sich hier, es ist alles Vorgegben, von den Darbietungen aus den 80er und späteren Jahren keine Spur mehr. Anscheinend ist die Meinungsfreiheit auf der Strecke geblieben, nach guter sozialister Art, willst due nicht mein Bruder sein, schlag ich dir den Schädel ein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Willi Müller, Ketscher Ring 7, 68219 Mannheim

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