Das tut wirklich Not: Die Macher der Fernsehfastnacht „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“, wollen in der Sendung am Freitag des gerade verstorbenen „Boten vom Bundestag“, Jürgen Dietz, gedenken. Man habe „Überlegungen zu einer Würdigung der Fastnachtsikone“ angestellt, hieß es am Dienstag vom SWR, der in diesem Jahr die Sendung stemmt. Und die Macher betonen, es gebe keinen Mangel an politischen Rednern. Auch zur Reihenfolge gibt es Neues.

"Mainz bleibt Mainz" will des verstorbenen "Boten vom Bundestag" gedenken
Jürgen Dietz als Bote vom Bundestag 2014 – Foto: gik

Am Tod eines der Großen der Fernsehfastnacht kommen die Fernsehmacher nicht vorbei, Jürgen Dietz ist ja gerade erst vergangenen Samstag gestorben. Der „Bote“ war so sehr das Gesicht der Mainzer Fernsehfastnacht wie sonst höchstens nur noch die Mainzer Hofsänger. Viele Fernsehzuschauer werden Jürgen Dietz und seine messerscharfen Pointen in Kurzsätzen schmerzlich vermissen – wir auch.

Dreyer: Er schaute den Mächtigen aufs Maul

Wie sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) so schön: „Er plauderte aus dem Hohen Haus und schaute den Mächtigen aufs Maul. Er legte die Finger in die Wunden, ohne zu verletzten. Die Fernsehfastnacht ohne den Boten aus dem Bundestag ist kaum vorstellbar.“

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Beim SWR heißt es nun, es werde „mit Hilfe von bekannten Aktiven“ einen zusätzlichen Programmpunkt geben, „mit dem die Fastnachtsgemeinde innerhalb der Sendung des Verstorbenen gedenkt“, wie der leitende Redakteur Günther Dudek am Dienstag erklärte. Das könnte ja vielleicht so aussehen, wie am Sonntag bei den Eiskalten Brüdern: Dort wurde das Pult des „Boten“ auf die Bühne geholt, und die Auftretenden standen schweigend Spalier.

SWR: Politiksparte trotzdem „hervorragend aufgestellt“

Wie auch immer, der SWR betont, die Politiksparte sei trotz allem „hervorragend aufgestellt“: Mit Friedrich Hofmann als Till verfüge die Sendung über eine der Symbolfiguren der politischen Fastnacht,  Lars Reichow halte einen „am modernen Kabarett orientierten Vortrag.“ Und schließlich habe Hans-Peter Betz mit dem „Guddi Gutenberg“ längst „ein neues Markenzeichen für Mainz geschaffen.“ Wie wahr.

"Mainz bleibt Mainz" will des verstorbenen "Boten vom Bundestag" gedenken
Längst ein Markenzeichen der Fernsehfastnacht: Hans-Peter Betz als Guddi Gutenberg – Foto: gik

Die Politik werde „brandaktuell, satirisch, pointiert und modern“, verspricht Dudek, und wie das angekommen ist, könnt Ihr auf Mainz& schon am Donnerstag lesen: Wir sind natürlich am Mittwochabend in der Generalprobe und halten für Euch Augen, Ohren und Kamera offen. 😉

Till – Reichow – Guddi Gutenberg

Die Reihenfolge der Redner lautet Till vor Reichow und Guddi Gutenberg, außerdem soll Andreas Schmitt als Ober-Messdiener das letzte Drittel der Sendung einläuten – und kommt somit schon gegen 22.45 Uhr. Da wird der Saal noch mal richtig wachgerüttelt. 😉

Den Schlusspunkt sollen nun zwei Gonsenheimer setzen: Martin Heininger und Christian Schier, das kongeniale Vortragsduo. Die haben in diesem Jahr eine irre komische und sehr klamaukige Nummer, in der ein unbedarfter Zuschauer in die Geheimnisse des Fastnachtsvortrags eingeweiht wird. Urkomisch!

Heininger und Schier als neues Aushängeschild der Fernsehfastnacht

Der SWR sieht in den beiden Gonsenheimern sogar ein „Ass im Ärmel“ und ein neues „Aushängeschild“ von „Mainz bleibt Mainz“ und verspricht: „Jung, modern, frech – sie sind Stars in der Mainzer Fastnacht und bieten eine absolut mitreißende Darstellung. Dass ist Kokolores, Kalauer und Unsinn pur.“ Das sind hohe Ehren für die zwei.

"Mainz bleibt Mainz" will des verstorbenen "Boten vom Bundestag" gedenken
Urkomischer Klamauk: Martin Heininger und Christian Schier in Hochform – Foto: gik

Und natürlich setzen die Fernsehmacher auf den herausragenden Sitzungspräsidenten Andreas Schmitt, der ja 2014 einen furiosen Einstand hatte. Schmitt sei der beste Sitzungspräsident in der gesamten Fernsehfastnacht, sagt Dudek, und lobt: „Er ist ein Typ, authentisch, emotional, spontan und ein Teamplayer – eben ein echter ‚Meenzer‘.“ Und so soll Schmitt in diesem Jahr mehr Zeit für seine Moderationen bekommen.

Mainz& meint: In diesem Jahr muss das Gedenken an Jürgen Dietz im Vordergrund stehen, keine Frage. Doch die Fernsehmacher sollten danach schnell reagieren, und mit Nachwuchs die politische Fastnacht in Mainz stärken. Der Tod des „Boten“ zeigt: Es kann immer passieren, dass ein Redner wegbricht, aus welchen Gründen auch immer – auch Betz hat schon mal angekündigt, nicht ewig weiter machen zu wollen. Und was dann?

Das Fernsehen muss Nachwuchs, ob jung, ob alt, früher die Chance geben, sich in der Sendung zu erproben – und so auch Format zu entwickeln. Denn „Mainz bleibt Mainz“ steht für die politisch-literarische Fastnacht, das ist ihr Markenzeichen, das muss es bleiben. Und da gäbe es in Mainz ja noch einen anderen Kabarettisten, der immer politischer wird, und der einst der Fastnacht entsprang… Ob Tobias Mann eine Rückkehr erwägen würde?

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