Der Einzelhandel leidet ja bekanntlich unter dem Internet-Shopping, die Zahl der Pakete vor dem Fest geht in die Millionen – gerade wurde wieder ein neuer Rekord aufgestellt. Also, dachte sich Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein, gehen wir analog und altmodisch shoppen: in Geschäften in Mainz. Doch was sie dann erlebte, ließ sie ernüchtert nach Hause eilen: haben wir nicht, kennen wir nicht, verkaufen wir nicht mehr. Ein Diskussionsbeitrag in der ersten Mainz&-Kolumne.

Am Samstag hatte ich einen vollen Einkaufszettel, darauf standen ein Kinderbuch über Indianer, ein City-Rucksack und eine Ipad-Hülle. Sollte nicht so schwer sein, in den Mainzer Geschäften etwas Passendes zu finden. Also ging’s zuerst frohgemut in die Buchhandlung. Eine Kinderbuch über Indianer in einer dieser Erklär-Reihen wie Was ist Was, oder so. Wie alt denn das Kind sei, fragte die Verkäuferin. Sieben Jahre, sagt ich, aber er ist sehr fit und liest auch schon Bücher für Ältere.

Online shoppen für die Geschenke unterm Weihnachtsbaum - Foto: gik
Online shoppen für die Geschenke unterm Weihnachtsbaum – Foto: gik

Erklärbuch über Indianer? Nicht zu haben.

Daraufhin wurde mir ein Mini-Pixie-Buch über Indianer angeboten und ein Werk, das gleich die vertiefte Geschichte der nordamerikanischen Indianer erzählte. Nein, sagte ich, ich hätte doch gerne eines, das erst einmal erklärt, was ein Wigwam ist und ein Tomahawk und so. Daraufhin wurde mir ein Buch für Kleinkinder angeboten. Nein, sagte ich, das sei nun zu einfach. Ja wie alt das Kind denn sei? Sieben Jahre, wiederholte ich, und sehr fit.

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Ja, da wäre dann doch das Kleinkinderbuch das Richtige, sei ja auch für Siebenjährige, sagte die Verkäuferin. Nein, sagte ich, das ist zu einfach – und ich hätte da bei Amazon im Internet so ein Buch gesehen. Also ging’s an den Computer. Aus der Liste im PC wurden wir nicht recht schlau. Ob es dieses ist oder jenes? Können wir mal einen Blick ins Buch werfen, fragte ich. Nein, das gehe nicht, sagte die Verkäuferin. Ich zog unverrichteter Dinge wieder ab. Kein Buch, kein Geschenk. Toll.

Kundin mit dem Staubsauger begrüßt

Um das gleich zu betonten: Nein, ich kritisiere hier nicht die Verkäuferin! Die war sichtlich platt von einem anstrengenden Adventssamstag und versuchte nach Kräften, mir zu helfen. Leider aber verfügten sie und ihr Computer gerade nicht über das Wissen über Kinderbücher, das mir weiter geholfen hätte. Also doch Amazon, dachte ich mir.

Zweite Mission: der Rucksack, Marke Deuter, nicht so groß, für die Stadt. Frohgemut ging ich in den Kaufhof und sah schnell: hier werde ich nicht fündig. Deuter gab’s hier nicht, dazu nur große Schulrucksäcke. Also hoch in die Sportabteilung. Nein, so etwas hätten sie nicht, versuchen Sie es mal im Sportgeschäft.

Gesagt, getan: Sportgeschäft angelaufen. Dort wurde ich erst mal im Eingang von einem Staubsauger begrüßt. Ob Sie denn schon zu hätten? Nein, sagte die Verkäuferin, aber irgendwann müsse sie ja saugen und sie habe keine Lust, das nach Feierabend zu tun. Ah ja. Meine Lust, in diesem Geschäft einzukaufen, sank beträchtlich. Aber weil es ja ein Geschenk war…

Rucksack? Gibt’s. Aber nicht bei uns.

In der Rucksackabteilung kein Verkäufer. Wieder hoch zur Kasse, da hatte ich beim Reingehen schon gesagt, dass ich einen Rucksack suche. Jetzt standen an der Kasse gemütlich plauschend zwei Leute. Einer kam dann mit zu den Rucksäcken – eine ganze Wand voll. Doch auf meine Beschreibung schüttelte der Verkäufer nur den Kopf. Kleinere Rucksäcke, ja. Größere Rucksäcke: jede Menge. Sie suchen eine Zwischengröße, sagte der Verkäufer, die gibt’s, aber wir haben die nicht. Ah ja.

Wieder draußen beschloss ich spontan, schnell noch Hausschuhe zu kaufen, das sind bei mir immer Birkenstock-Sandalen. Frohgemut steuerte ich das Spezialgeschäft an, bei dem ich in den vergangenen 20 Jahren alle meine Birkenstocks gekauft habe. Ich suche Sandalen in bunt, sagte ich. Tja, sagte die Verkäuferin, die hatten wir früher, aber jetzt haben wir nur noch die weißen, für die Ärzte, wissen Sie. Mist, dachte ich, denn ich muss die Dinger eigentlich anprobieren. Wer denn so etwas hätte? Tja, das werde schwierig, sagte die sehr nette Verkäuferin. Ah ja.

Ipad-Hülle? Nur fürs neueste Modell

Schließlich blieb noch Mission Nummer 4, die Ipad-Hülle. Voller Zuversicht fuhr ich zum Media Markt. Hier hatte mich ein Verkäufer die letzten Male exzellent und sehr fachkundig beraten, nun wollte ich unbedingt bei ihm meine Hülle kaufen. Der nette Verkäufer war leider nicht da, ein anderer Herr führte mit zum Regal mit dem Ipad-Zubehör. Ja, sagt ich, ich brauche die Hülle für ein Ipad 4.

Ipad 4? fragte der Verkäufer und sucht minutenlang in allen Regalen ‚rum – was ich auch schon gemacht hatte. Ich dachte eigentlich, er wisse, wo die Hülle zu finden sei, suchen kann ich schließlich selbst. Zu finden waren allerdings nur Hüllen für das Ipad Air – und das hat eine andere Größe. Tja, sagt der Verkäufer schließlich, die haben wir nicht mehr. Und dass ich das verstehen müsse, schließlich könne man nicht alles Zubehör da haben.

Nein, sagte ich zur völligen Verwirrung des Verkäufers, nein, das verstehe ich nicht. Der Markt verkaufe noch das Ipad 4 als Neuware – und ich als Kundin erwarte dann auch, dass er das Zubehör dazu auch verkauft. Den Verkäufer ließ ich offenen Mundes stehen.

Fazit: Ab ins Internet…

Fazit: Ein Kinderbuch, ein Rucksack, ein paar Sandalen und eine Ipad-Hülle – nicht ein einziges dieser Teile konnte ich in den Mainzer Geschäften erstehen! Nun hätte ich natürlich weiter suchen können, noch mehr Geschäfte ansteuern können, aber wisst Ihr was, liebe Einzelhändler? Ich hatte keine Lust.

Weil ich nicht die Hoffnung habe, dass es in anderen Läden besser ist – schließlich hatte ich für alle vier Sachen Spezialgeschäfte angesteuert. Wie groß war denn die Chance, dass ich in anderen Geschäften fündig werde? Genau 😉

Zu Hause, am Computer erledigte ich alle vier Einkäufe binnen einer Stunde. Mit breiter Auswahl. Leider ohne Beratung. Und nicht in Mainzer Geschäften. Wahrscheinlich werde ich viele meiner Einkäufe in Zukunft im Internet erledigen. Schade.

 

2 KOMMENTARE

  1. OK, sehr sehr misslich !!!

    Die wichtige Frage wäre aber:
    WARUM IST DAS SO ???

    Mögliche Antwort:
    Der normale – oft mit Schwierigkeiten kämpfende – Einzelhandel
    kann das sich auch noch rasch verändernde Angebot eines globalisierten Marktes nicht mehr darstellen.

    Und die Konsequenzen ???
    Ihn dahinkümmern lassen …

    Was passiert aber, wenn er mehr und mehr verschwindet ???

    Keine Ahnung.

    Oder ist meine Antwort falsch ???

    • Ich denke, der Einzelhandel muss sich tatsächlich mehr anstrengen: besseren Service bieten, den Kunden freundlich empfangen, sich um ihn kümmern. Das Sortiment kennen, wäre auch eine hilfreiche Einstellung – und den Staubsauger erst nach Geschäftsschluss auspacken 😉 Wer nicht zu einem Dienstleister werden will oder kann, wird verschwinden. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass ein Laden mit gutem Service und kompetenter Beratung dem Internethandel weit voraus ist!

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