Das Aus für die Riesenmall des Investors ECE haben wir bei Mainz& ja als eine gute Entwicklung für Mainz begrüßt – und wir schulden Euch noch die Erklärung dafür. Der Grund: Die Zeit der großen Einkaufszentren ist vorbei, Mainz hätte ein Mega-Klotz an seinem Prachtboulevard LU gedroht, der nach kurzer Zeit leer gestanden hätte. Jetzt eröffnet sich die Chance zu einer neuen Gestaltung dieses brach liegenden Einkaufs-Hotspots von Mainz, eine Gestaltung, die die LU voran bringt, aber nicht ihren Charakter zerstört. Alternativen gibt es – man muss sie nur wollen und aktiv voran bringen.

Was ECE da an der Ludwigsstraße geplant hatte – es hätte die Innenstadt von Mainz und vor allem die LU für immer verändert, und nicht zum Positiven. Schaut man sich die Pläne von ECE genau an sieht man: Das 26.000 Quadratmeter Mega-Zentrum, es wäre direkt bis vorne an die LU gebaut worden. Und zwar hoch. Damit wäre die LU zur engen Schlucht geworden – vorbei die Zeit des großzügigen Boulevards, über den der Rosenmontagszug mit Reihen von Zuschauern rechts und links rollt.

Mainz&-Kommentar: Warum das Aus für die ECE-Riesenmall gut für Mainz ist
Domblick adé: der geplante Klotz an der LU – Foto: gik

BI Ludwigsstraße gebührt ein Orden für weitsichtiges Denken

Man muss die Pavillions entlang der LU nicht mögen, aber sie geben der LU ein Gesicht, einen unverwechselbaren Charakter. Schon gar nicht muss man nicht das uralte, vergammelte Karstadt-Haus lieben. Und es steht absolut außer Frage, dass dieser Bereich von Mainz dringend einer Aufwertung bedarf. Das übrigens hat die Bürgerinitiative Ludwigsstraße stets betont – was Ihr in diesem Mainz&-Interview nachlesen könnt. Die BI ist möglicherweise der Verhinderer der Mega-Mall – aus unserer Sicht gebührt ihr dafür ein Orden. Wir glauben: die BI hat Mainz eine Einkaufsruine erspart.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Denn wohin man schaut: neue Shopping-Malls in der in Mainz geplanten Größe gehen gerade den Bach herunter. Das Lilien-Karré in Wiesbaden: pleite. Das Loop 5 am Autobahnkreuz Weiterstadt: meistens leer. Die Frankfurter Skyline-Plaza: ein Flopp. In Frankfurt suchen die Mieter der Plaza bereits verzweifelt nach Wegen, aus ihren Verträgen wieder heraus zu kommen – während die Zeil vor Besuchern und Käufern wimmelt.

Menschen wollen Urbanität, städtisches Lebensgefühl

Mainz&-Kommentar: Warum das Aus für die ECE-Riesenmall gut für Mainz ist
Boulevard LU an Fastnacht mit Blick auf den Dom – der ECE-Bau wäre bis zur 2. Platanenreihe von rechts gegangen – Foto: gik

Die Menschen wollen inzwischen bummeln und die Szenerei genießen, Stadtleben spüren und eben nicht in gesichtslosen Glitzerwelten shoppen. Und in der Immobilien-Szene wird deshalb nicht umsonst gemunkelt, ob sich ECE nicht gerade von den großen Shopping-Malls verabschiedet – wie dieser Artikel in der Immobilien-Zeitung zeigt, der unter dem bezeichnenden Titel steht: ECE wechselt den Kurs.

Wir sind überzeugt: der Trend geht zum urbanen Shopping-Erlebnis – und genau hier hat Mainz die allerbesten Chancen. Gerade die LU bietet Urbanität, ein kleinteiliges Quartier mit nach außen offenen Läden, mit neuer Gastronomie und mit Wohnungen in den oberen Stockwerken würde auch für das Umland hoch attraktiv sein. Nicht umsonst ist das Main-Taunus-Zentrum das beliebteste Shopping-Ziel: dort flaniert (!) man durch Ladenstraßen (!).

Investor ECE ist noch da, Mainz könnte Keimzelle der neuen Strategie werden

Und es ist ja nicht so, als wäre der Geldgeber weg: ECE ist noch da und will – angeblich – immer noch investieren. Darum gilt es jetzt, sofort – und schnell! – die Chance zu nutzen, und mit ECE ein neues Konzept zu entwerfen. Wir glauben: ECE braucht Input, ein Zeichen, dass Mainz tatsächlich hier ein neues Quartier will – der Konzern ist auf der Suche nach einer neuen Strategie, und warum sollte nicht Mainz dafür das Vorzeigeprojekt werden?

Das geht allerdings nur mit einer Stadtspitze, die auch eine aktive Rolle einnimmt, Ideen und Konzepte entwickelt und aktiv auf den Investor zugeht. Nicht Jammern und nicht Aussitzen helfen jetzt – sondern kluge Verhandlungsführung und klare Haltungen. Und selbst wenn sich ECE verabschieden sollte – Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) brachte gerade als neuen Investor die Macher der „Neuen Mitte“ in Ingelheim ins Gespräch – und das war wenige Tage vor dem Aus für die Mainzer Riesenmall. Wir halten jede Wette, dass Ebling das nicht einfach aus dem luftleeren Raum heraus getan hat.

Mainz& meint: Dies ist das Aus für eine Mainz-unverträgliche Mega-Mall – nicht für ein attraktives Einkaufszentrum an der LU. Es gibt Alternativen, jetzt ist die Chance da für ein neues, luftiges, modernes und urbanes Shopping-Quartier auf der LU! Eines, das den Charakter des Boulevards enthält, aber Mainz die dringend notwendige Aufwertung als Einkaufsmagnet gibt. Deshalb: Ran an die Pläne, Ideen, Kopnzepte! Wertet die Pavillons auf, bebaut oder belebt die Plätze zwischen ihnen, schafft einen neuen Anziehungspunkt für Mainz! Und, liebe Stadt, Ihr müsst es gar nicht allein machen: Fragt Eure Bürger – die haben nämlich jede Menge gute Ideen. Nutzt das Potenzial von Mainz! Für Mainz.

7 KOMMENTARE

  1. Gut so. Ich kann den Artikel in weiten Passagen voll unterstützen. Aber der Oberbürgermeister Michael Ebling muß jetzt nicht nur wach werden, sondern er endlich einmal sichtbar aktiv werden.
    Der von ihm ins Spiel brachte „neue“ Investor hat in Mainz zufälligerweise sehr gute Karten. Die rundum gelungene “Neue Mitte” in Ingelheim ist ob der Größe natürlich nicht vergleichbar. Aber wichtige Grundgedanken sollte man auch hier endlich berücksichtigen: Parkplätze nicht nur im Parkhaus, nein auch dezentral Verkaufsstellennah.
    Das ist das große Plus in Ingelheim. Allerdings muß Herr Ebling dann auch einmal sagen wie eigentlich die Richtung der Verkehrspolitik in Mainz eingeschlagen werden soll. Ein „weiter so“ mit Frau Eder darf es da eigentlich nicht geben. Die Dame hat die fatale Angewohnheit immer mehr Parkplätze in mehr oder weniger unbenutzte Fahrradparkplätze umzuwidmen.
    Und da im Artikel auch das Flanieren angesprochen wurde: Ich möchte nicht im Fußgängerbereich von Fahrradrasern und Montan Bike Rambos bedroht werden.

  2. Frau Kirschstein, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Aber wenn ich das richtig gelesen habe, ist auch bei den neuen Planungen leider immer davon die Rede, das Karstadt-Gebäude bis an den Straßenrand vorzuziehen, was ich wie Sie dem Straßencharakter der Lu abträglich finde. Auch eine ebenerdige Anbindung der Pavillons wäre keine besonders gute Lösung. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

  3. Alles goldrichtig was Sie schreiben, liebe gik.
    Aber auch wenn das Riesenmonstrum jetzt besiegt scheint
    kann noch viel Murks und Stückwerk an dessen Stelle treten.

    Um Ihre Vorstellungen wirklich zu realisieren braucht es einen kompetenten und kreativen Kopf und Experten an der richtigen Stelle. Den gibt es auch mit Sicherheit in einer Hochschulstadt wie Manz.
    Man muß ihn nur finden. Und ich hätt da auch einen Tipp:
    Unsere Baudezernentin brauch nur ihren damaligen von ihr sehr geschätzten Gegenkandidaten für diese hochanspruchvolle Aufgabe zu gewinnen.

  4. Die Stadt Mainz hatte mit dem LU-Forum, das 8 mal öffentlich getagt hat, eine breite Bürgerbeteiligung ermöglicht. Warum wird das unterschlagen? Die „Bürgerinitiative“ war und ist eine Lobby-Gruppe aus Einzelhandel, Oppositionsparteien, einigen SPD-Gutmenschen aus der Altstadt und wem auch sonst noch. Deren Ziel war von Anfang an die Verhinderung des ECE-Centers aus persönlichen Interessen und ideologischen Gründen. Viel mehr war da nicht. Ich habe fast alle LU-Foren besucht und dieser Eindruck hat sich aus vielen Beiträgen und Aktionen der BI verfestigt. Konstruktive Kritik habe ich da selten gehört. Parallel liefen die politischen Beratungen und Entscheidungen in den dafür gebildeten und gewählten Gremien der Stadt. Allesamt Versager, wenn man die abschließende Stellungnahme der BI liest. Die BI wollte allein entscheiden, die Stadt sollte dazu nicken und der Investor zahlen. Diese Ansinnen ist weder demokratisch noch legitim. Dafür soll es dann einen Orden geben?

    • Lieber Günther, Teile Deine Einschätzung der BI-Arbeit nicht. Habe bei denen sehr fundierte Analysen und Expertenmeinungen gelesen. Und Nein, die BI will nicht, dass jemand ihre Vorschläge „abnickt“ – aber sie HAT Ideen und Vorschläge, und wer hat die denn sonst bitte gehabt? Und ich habe die LU-Foren nicht unterschlagen – ihre Ideen sind in die Leitlinien eingeflossen, und DIE sind für mich die Grundlage, die wieder gelten und auf deren Grundlage entschieden werden muss. WEIL sie mit den Bürgern gemeinsam erarbeitet wurde. Nix anderes will übrigens auch die BI. Hätte ich vielleicht deutlicher machen sollen, das mit den Leitlinien. Aber Du lies doch bitte mal das Mainz&-Interview mit der BI 😉

Schreibe einen Kommentar zu Günther Anderer Antwort abbrechen

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein