Mainz& hatte ja gestern über die Proteste gegen das Fällen der Kastanienallee auf der Maaraue in Mainz-Kostheim berichtet. Dabei erfuhren wir auch: Das Geländer der Lesselallee gehört gar nicht der Stadt Wiesbaden, sondern befindet sich im Besitz – der Stadt Mainz. Und zufälligerweise tagte heute in Mainz der Stadtrat – und dabei trifft man ja so einige Personen des öffentlichen Lebens 😉 Zur Lesselallee mochte sich zwar niemand äußern, aber Mainz& konnte mit der Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) sprechen.

Mainz rüttelt regelmäßig an seinen Bäumen
Lesselallee: Vorbeugung gegen Astbruch? Rüttelt doch mal! – Foto: gik

Mainz& war nämlich neugierig geworden: wie geht man eigentlich in Mainz mit maroden Bäumen und alten Alleen um? Nun, die Antwort lautet: Mainz rüttelt an seinen Bäumen, und das zweimal im Jahr. Die städtischen Bäume in Mainz sind nämlich alle in einem Baumkataster erfasst und haben auch alle eine Nummer – vielleicht habt Ihr die kleinen Plaketten ja schon mal entdeckt.

40.000 Bäume werden mit dem Hämmerchen überprüft

„Wir haben 40.000 nummerierte Straßenbäume in der Stadt, die werden zweimal im Jahr überprüft“, sagte Eder gegenüber Mainz&. Zweimal im Jahr deshalb, weil der Baum einmal im unbelaubten und einmal im belaubten Zustand überprüft werden solle – das Laub macht logischweise einen Unterschied bei der Belastung der Äste.

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Mit einem Hämmerchen werde an jedem Baum überprüft, ob er hohl sei, erklärte Eder weiter. Dazu werde mit einem Steiger – also so ein Krank mit Plattform am Ende – in die Baumkronen gefahren, um die Äste auf Totholzanteil zu überprüfen. Und ja, an den Bäumen werde auch gerüttelt, sagte Eder. Mit dieser Überprüfung erfülle die Stadt dann auch ihre Auflagen zur Verkehrssicherheit, bestätigte Eder explizit auf die Frage von Mainz&. Das habe auch gegolten, als vergangenen November bei einem Sturm in der Mainzer Hindenburgstraße ein Ast auf ein Auto gekracht sei – der Stadt war kein Versäumnis nachzuweisen.

Mainz äußert sich zur Lesselallee nicht

Mainz rüttelt regelmäßig an seinen Bäumen
Bäume hinter Gittern, das muss doch nicht sein! – Foto: gik

Damit stellen sich mit Blick auf die Maaraue immer neue Fragen: Warum geht die Stadt Wiesbaden nicht auf ähnliche Weise vor? Warum wird nicht jeder Baum auf Schäden überprüft, um die Schäden dann zu beseitigen? Muss man wirklich eine komplette Allee absperren? Mainz& hilft auch gerne beim Bäume-Rütteln 😉

Eder wollte sich auf Anfrage von Mainz& nicht zur Lesselallee äußern, aus dem Rathaus war nur zu erfahren, dass die Pflege der Bäume eindeutig in den Zuständigkeitsbereich von Wiesbaden falle. Die Pflege der städtischen Bäume, sagte Eder noch, sei nicht nur sehr aufwändig, sondern auch teuer: rund 900.000 Euro kostet das die Stadt pro Jahr. Nicht gerade ein Pappenstil. Probleme mit Alleen gebe es in Mainz übrigens keine.

Wiesbaden führt gerade wieder eine Baumsatzung ein

Nachtrag aus dem Stadtrat: Die FDP hatte nebenbei noch beantragt, die Rechtsverordnung zum Schutz des Baumbestandes zu überprüfen, und durch eine Satzung zu ersetzen. „Sie wollen die Baumfällordnung schlicht abschaffen, nennen wir das Kind doch beim Namen“, hielt der FDP daraufhin der Vorsitzende der ÖDP im Mainzer Stadtrat, Claudius Moseler vor – was ebenso unwidersprochen blieb wie sein Vorwurf einer „Politik mit der Säge!“

Umweltdezernentin Eder sagte dazu im Stadtrat nur lapidar, derselbe Antrag tauche immer vor Kommunalwahlen auf. Im Übrigen sei die Verordnung nicht so einfach aufzuheben, das bedürfe eines formalen Verfahrens, in dem auch naturschutzfachliche Gründe geklärt werden müssten – sonst könne ein Naturschutzverband klagen. Da es aber derzeit keine naturschutzfachlichen Gründe für die Aufhebung der Verordnung gebe, komme das auch nicht infrage. Wiesbaden, sagte Eder dann noch, habe seine Baumsatzung aufgehoben – um sie jetzt gerade wieder einzuführen. Vielleicht hilft das ja dann den Kastanien in der Lesselallee…

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