Noch fünf Wochen – dann soll die Mainzelbahn in Mainz tatsächlich fertig sein, die Baustellen Geschichte und die ersten Straßenbahnen auf der Strecke zum Lerchenberg rollen. Das zumindest versprach am Mittwoch MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof. 90 Prozent der Arbeiten für die neue Trasse seien geschafft, die Arbeiten befänden sich „auf der Zielgeraden“. Allerdings: Geschafft ist noch nicht alles, dicke Baustellen gibt es noch immer an der Saarstraße und am Binger Schlag, auch die Marienborner Straße in Bretzenheim sei noch „eine Lücke“ räumte Erlhof ein. Bis zum Ende der Herbstferien werde es deshalb noch Behinderungen geben. Ziel ist weiter: Die Mainzelbahn soll am 11. Dezember 2016 zum Fahrplanwechsel in Betrieb gehen.

Mainzelbahn: In fünf Wochen fertig, sagte MVG - Problemkind noch Saarstraße/Binger Schlag
Da soll sie in wenigen Wochen rollen: die neue Mainzelbahn in der Hindemithstraße auf dem Lerchenberg – Foto: MVG

Gerade in den vergangenen Tagen und Wochen hatten die Baustellen der Mainzelbahn gefühlt wieder viele Mainzer genervt. Mainzer Verkehrsbetriebe (MVG) fühlten sich deshalb wohl genötigt, noch einmal ausführlicher zu informieren. „Viele Bauabschnitte der Mainzelbahn sind kurz vor der Vollendung“, betonte Erlhof laut Pressemitteilung der MVG, etliche Bereiche entlang der 9,2 Kilometer langen Strecke seien „auch bereits deutlich zu erkennen.“

Ostergraben, Unirampen, Marienborner Bahnhof fertig

So lägen etwa die Gleise am Ostergraben, früheren Eierhof Stauder, in Bretzenheim bereits vollständig, obwohl das Gebäude dort erst Ende Januar abgerissen worden sei. Auch auf dem Lerchenberg lägen die Gleise bereits, weitgehend fertig auch der Bereich Marienborner Bahnhof mit der Bahnunterführung. Damit sei auch eine neue Öffnung für Marienborn durch den Bahndamm nach Westen geschaffen worden, betonte Erlhof. In der Kardinal-von-Galen-Straße in Marienborn sei übrigens schon die erste neue Mainzelbahn-Haltestelle mit Stele und Wartehalle zu sehen.

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Mainzelbahn: In fünf Wochen fertig, sagte MVG - Problemkind noch Saarstraße/Binger Schlag
Kreuzung am Vordereingang der Uni mit Rampen endlich fertig – Foto: MVG

Lücken gebe es aktuelle allerdings in Marienborn auch noch, räumte Erlhof ein – und in der Marienborner Straße in Bretzenheim. Da hatte Mainz& ja gerade berichtet, dass sich hier die Baustelle einfach nicht schließen will. Wann hier genau ein Ende zu erwarten ist, teilte die MVG leider nicht mit. Dafür ist der Knotenpunkt an der Uni mit den Rampen seit Montag endlich, endlich wieder benutzbar – das hatten wir bei unserem letzten Artikel noch gar nicht bemerkt. Die Kreuzung an der Uni ist fertig, auch die Rampe von der Saarstraße hinauf zum Univordereingang ist wieder benutzbar und glänzt neu – eine große Erleichterung für viele Bretzenheimer. Auch die Querung der Koblenzer Straße und der Neubau der Brücke seien weitgehend abgeschlossen, hieß es weiter.

„Wir wissen, dass die vergangenen Monate entlang der Strecke für viele Anwohner und Verkehrsteilnehmer im öffentlichen Nahverkehr und mit dem Auto teils erheblichen Beeinträchtigungen verbunden waren und möchten uns noch einmal ausdrücklich für die Geduld bedanken“, sagte Erlhof, und versprach: „Die verkehrlichen Beeinträchtigungen liegen jedoch zu 90 Prozent hinter uns.“

Saarstraße und Binger Schlag für 5 Wochen Engpass

Die restlichen 10 Prozent haben es dafür in sich: Die Saarstraße und der Binger Schlag werden in den kommenden fünf Wochen noch einmal so richtig zum Problem. Ab heute ist die Saarstraße in Richtung Innenstadt zwischen Koblenzer Straße und Albert-Schweitzer-Straße nur noch einspurig – und das bleibt bis Freitag, 23. September so. Auch die gerade erst geöffnete Rampe wird für den Zeitraum gleich wieder gesperrt… Der Grund: Der Rückbau der Schutzwand sowie abschließende Asphaltarbeiten im Bereich Wittigweg. Für den Rückbau der Baustellensicherung müsse die rechte Fahrspur stadteinwärts ab Donnerstagvormittag in Anspruch genommen werden und könne dann aus Sicherheitsgründen erst nach den Asphaltarbeiten wieder freigegeben werde, hieß es.

Mainzelbahn: In fünf Wochen fertig, sagte MVG - Problemkind noch Saarstraße/Binger Schlag
Der Binger Schlag wird noch einmal zur Großbaustelle wegen der Mainzelbahn – Foto: gik

Am Binger Schlag wird derweil die Fahrbahndecke auf Höhe der katholischen Fachhochschule stadteinwärts saniert. Eigentlich sei das eine Maßnahme der Stadt, die man aber im Zuge der Mainzelbahnarbeiten gleich miterledige, sagte Erlhof. Außerdem erfolge hier der Grundausbau der Fahrbahn stadtauswärts vor dem Studentenwohnheim und ein kleines Stück stadteinwärts. Und schließlich müssen noch Oberleitungsmasten und Ampeln aufgebaut, eine fehlerhafte Weiche ersetzt werden und ein Teil der Straßendecke stadtauswärts saniert werden. Alles zusammen sei das „ein baulich umfassendes Projekt“, trotzdem war der MVG-Geschäftsführer optimistisch, das alles „zeitlich optimiert in fünf Wochen über die Bühne gehen“ zu lassen.

Zwischen dem 26. September und dem 7. Oktober steht dann wegen der Arbeiten stadtauswärts nur eine Fahrspur zur Verfügung, die über die Busspur umgeleitet wird. In den Herbstferien vom 10. bis 21. Oktober gibt es dann wieder stadteinwärts nur eine Fahrspur – wenn Ihr könnt, meidet den Bereich in den kommenden Wochen bloß. Nach Ende der Herbstferien solle der Verkehr am Binger Schlag dann aber wieder komplett – „kleinere Restarbeiten im Baufeld ohne größere Beeinträchtigungen“ des Autoverkehrs seien aber ausgenommen.

MVG entschuldigt sich für nächtliche Gleisarbeiten auf dem Lerchenberg

Mainzelbahn: In fünf Wochen fertig, sagte MVG - Problemkind noch Saarstraße/Binger Schlag
Auch die Marienborner Straße ist weiter Baustelle – Foto: gik

Zu den nächtlichen Bauarbeiten auf dem Lerchenberg äußerte sich die MVG auch – allerdings in einer separaten Pressemitteilung. Darin heißt es, man habe in der Nacht von Montag auf Dienstag Schweißarbeiten an den Gleisen durchführen müssen, weil man für die Schweißarbeiten bestimmte niedrigere Temperaturen brauche – und zudem die Fachleute für die Arbeiten nicht länger zur Verfügung gestanden hätten. Dabei handele es sich um Schlussschweißungen, mit denen offenen Stellen zwischen den Gleisen geschlossen würden.

Diese Arbeiten könnten „nur innerhalb eines engen Temperaturfensters und ohne Sonneneinstrahlung“ erfolgen, wegen der ungewöhnlich lang andauernden sommerlichen Temperaturen habe man das einfach nicht tagsüber machen können. Die Baufirmen an der Strecke hätten „so lang wie möglich auf geeignetere Temperaturen gewartet“, nun aber habe man nicht länger warten können – weil die speziellen Schweißfachleute nicht mehr länger zur Verfügung standen.

Die enorm lauten Schleifgeräusche seien dabei durch das Abschleifen überschüssigen Materials an den Schweißungen entstanden, diese Arbeiten müssten aber zwingend im Anschluss an die Schweißung erfolgen. „Die bedauerlicherweise unvermeidbare Geräuschbelästigung ist Ergebnis mehrerer ungünstig aufeinandertreffenden Faktoren, wir bitten um Entschuldigung“, schreibt die MVG weiter. Leider aber sei „nach Fassen des Entschlusses, nun zu beginnen, keine Zeit mehr für Informationen im Vorfeld der Tätigkeiten“ geblieben. Man versuche nun, die Arbeiten möglichst nicht nachts auszuführen, könne das aber leider nicht garantieren – abgeschlossen seien die Arbeiten „trotz Hochdrucks“ nämlich noch nicht.

Mainzelbahn: In fünf Wochen fertig, sagte MVG - Problemkind noch Saarstraße/Binger Schlag
Neue Mainzelbahn-Haltestelle Am Borner Grund in Marienborn – Foto: MVG

Start am 11. Dezember wäre sechs Monate schneller als geplant

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember soll es dann endlich so weit sein: Die Mainzelbahn soll auf ihrer neuen Trasse vom Hauptbahnhof bis auf den Lerchenberg rollen. Es wäre der Abschluss eines Mega-Jahrhundert-Projektes für die MVG – und ein Abschluss mit verkürzter Bauzeit: Nach dem Baustart im Mai 2014 sollte die Bauzeit drei Jahre betragen, rollt die Bahn im Dezember wirklich, hätte die MVG das um ein knappes halbes Jahr unterboten.

Dafür wird die Bahn teurer – um rund 4,2 Millionen Euro. Das insgesamt nun wohl mehr als 88 Millionen Euro teure Projekt wird allerdings massiv von Bund und Land unterstützt: Der Bund gibt 44 Millionen Euro hinzu – deshalb wurde die Strecke ja überhaupt nur bis auf den Lerchenberg gebaut -, vom Land kommen 9 Millionen Euro. Den Rest müssen die Stadtwerke allerdings selbst stemmen, aus dem städtischen Haushalt fließe dafür kein Geld, wurde immer wieder versichert. Auch Fahrpreiserhöhungen soll es angeblich wegen der Mainzelbahn nicht geben – da sei man an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gebunden. Nun ja, der erhöht ja ohnehin die Fahrpreise in schöner Regelmäßigkeit…

Info& auf Mainz&: Mehr zur Mainzelbahn findet Ihr natürlich auf Mainz& – unter anderem in diesem Artikel über die Baustellen 2015. Der Start der Mainzelbahn am 11. Dezember geht natürlich auch mit einer grundlegenden Neuordnung des MVG-Netzes in Mainz einher, mehr zum neuen Fahrplan und den Änderungen findet Ihr in diesem Mainz&-Artikel. Zur offiziellen Mainzelbahn-Seite der MVG geht es hier entlang.

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