Ganz langsam kommt Bewegung in die Geschichte der 70 Kastanien in der Lesselallee. Die Mainzer Grünen sprachen sich am Dienstag gegen die Fällung der 100 Jahre alten Bäume aus. Die Bäume seien vielen Mainzern auf beiden Seiten des Rheins „ans Herz gewachsen“, sagte die Grünen-Fraktionssprecherin im Mainzer Stadtrat, Sylvia Köbler-Gross. Und sie fügte hinzu: die Verkehrssicherheit sei natürlich enorm wichtig, aber die könne doch „durch entsprechende Pflege und Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet werden. Merkt Ihr was?

Mainzer Grüne für Erhalt der Lesselallee
Bäume hinter Gittern: die Lesselallee auf der Maaraue – Foto: gik

Wir sind natürlich mitten im Kommunalwahlkampf in Mainz, das sollte man nicht vergessen. Aber es ist natürlich höchst erfreulich, dass sich hier jetzt wenigstens mal eine Partei offen für den Erhalt der Allee ausspricht. Mainz& hatte ja vergangenen Woche über den Protest berichtet, der in Mainz-Kostheim brodelt. Zur Erinnerung: Die Stadt Wiesbaden hatte am 27. März die komplette, 500 Meter lange Kastanienallee einfach abgesperrt.

Der Grund: Die Kastanien seien von einem Wurzel-Pilz befallen, dieser Phytophtora-Pilz habe sich so stark im Boden ausgebreitet, dass die Kastanien inzwischen mangelhaft mit Närhstoffen in ihrem Baumkronen versorgt würden – und nicht mehr „verkehrssicher“ seien. Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) hatte deshalb die Allee sperren lassen. Die Stadt Wiesbaden will die Kastanien ab dem Herbst 2014 fällen und durch Flatter-Ulmen ersetzen. Dagegen hatten Kostheimer um die Lokalpolitikerin Marion Mück-Raab rund 3.000 Unterschriften gesammelt.

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Unterdessen schreiben die Gegner einer Fällung auf ihrer Facebook-Seite, dass bei dem Sturm Anfang der Woche nicht auch nur ein kleines Ästchen aus der Allee herunter geweht worden sei. Natürlich hat das nun wieder gar nichts mit der Verkehrssicherungspflicht zu tun – aber warum man Bäume fällen soll, die offenbar alles bei sich behalten, dürfte den Bürgern schwer zu vermitteln sein.

So langsam scheint aber Bewegung in die Sache zu kommen: Die Bäume seien nicht nur landschaftsprägend, sondern erfüllten auch wichtige ökologische Funktionen, sagte Köbler-Gross. Und das „umstrittene Baumgutachten der Stadt Wiesbaden“ habe festgestellt, dass 21 der Bäume keinerlei Schäden aufwiesen. „Auch viele weitere Bäume habe kaum Beeinträchtigungen und könnten noch lange erhalten werden“, kritisierte die Grüne.

Mainzer Grüne für Erhalt der Lesselallee
Kein Eintritt zur Lesselallee, dafür Protest am Zaun – Foto: gik

Dazu komme: Um die Sauerstoffproduktion eines 100 Jahre alten Baumes direkt zu ersetzen wäre die Pflanzung von bis zu 1000 Jungbäumen nötig, rechnete Köbler-Gross vor. Na, da kann die Stadt Wiesbaden aber gleich schon mal massig Gelände suchen 😉

Im Übrigen erinnerte die Fraktionschefin daran, dass die Bäume „auf Grundstücken stehen, die sich im Besitz der Stadt Mainz befinden.“ Ob das vielleicht etwas damit zu tun hat, dass Mainz& vergangene Woche am Rande des Stadtrats genau diesen Punkt mit der Grünen-Umweltdezernentin Katrin Eder erörtert hat…? Die Mainzer Grünen haben sich jetzt jedenfalls mit einen Brief an den AKK-Beauftragten der Stadt Wiesbaden gewandt. „Es sollen alle Möglichkeiten geprüft werden, wie ein Kahlschlag an der Lesselallee doch noch verhindert werden kann“, betonte Köbler-Gross.

Mainzer Grüne für Erhalt der Lesselallee
Jaja, wo der Ast überm Zaune… Foto: gik

Die Stadt Wiesbaden hält sich derweil weiter bedeckt und kündigte am Montag sehr schmallippig lediglich an, in dieser Woche „am südlichen Eingang der Lesselallee an zwei Bäumen Schnittmaßnahmen“ durchzuführen. Die Arbeit seien „notwendig, da die Absperrung der Lesselallee Teile der Baumkronen nicht einschließt und diese über den Fahr- und Fußweg ragen.“

Worum es da geht, ist klar: Die Stadt hat zwar meterweiße Zäune gestellt, aber ausgerechnet am Eingang zur Allee Bäume über die Zäune ragen lassen – und genau hier steht ein Baum, der als besonders geschädigt eingestuft wurde. So viel zur Verkehrssicherungspflicht…

Wir zitieren dann mal aus dem Lesselallee-Song, den Erfinderin Britta Niklaus am Dienstag auf die Facebook-Seite gesetzt und zur Melodie von „Downtown“ auch gleich gesungen hat: „Ich geh‘ über die Maarau‘, was stört meinen Blick: Bauzaun!“ Und der Refrain lautet: „Die Bäume jetzt sind wunderschön – warum sollte das einfach vergeh’n? Bauzaun – keiner hat Dich gebraucht! Bist trotzdem aufgetaucht…“

Info& auf Mainz&: Was Mainz& bereits über die Lesellallee und den Protest der Kostheimer geschrieben hat, findet Ihr hier, die Position der Stadt Wiesbaden hier. Wir bleiben dran“

 

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