Der Mainzer Stadtschreiber für 2015 heißt Feridun Zaimoglu. Das teilten das ZDF, der Sender 3sat und die Stadt Mainz am Mittwochabend mit, diese drei sind die Ausrichter des Preises. Der Mainzer Stadtschreiber soll ein Jahr lang in der Gutenbergstadt leben und arbeiten, zumindest ist das die Theorie 😉 Der gebürtige Türke Zaimoglu ist sozusagen der Kreateur der „Kanak Sprak“, die Wahl fällt damit auf jemanden, der genau hinschaut und Strömungen in der Gesellschaft aufspießt – das könnte spannend werden!

Der Stadtschreiberpreis wurde zum ersten Mal 1985 an die Schriftstellerin Gabriele Wohmann verliehen, er ist mit 12.500 Euro dotiert, dazu darf der Preisträger in der eigens eingerichteten Stadtschreiberwohnung über dem Gutenbergmuseum wohnen und darf zusammen mit dem ZDF ein Medienprojekt umsetzen. Nicht alle Stadtschreiber machten von der Wohnung Gebrauch, der eine oder die andere waren sich wohl zu fein dazu….

Hanns-Josef Ortheil blieb gleich zwei Jahre

Unvergessen ist hingegen der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil, der im Jahr 2000 ausgesprochen gerne in Mainz wohnte und arbeitete, hier richtig gute Texte verfasste und bei der Johannisnacht eine Lesung veranstaltete. Ortheil hatte sich so sehr in Mainz verliebt, dass er sogar zu einer zweiten Amtszeit 2001 wieder kam, nachdem die Schriftstellerin Brigitte Kronauer die Stadt fluchtartig wieder verlassen hatte.

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Nun kommt also Zaimoglu, der sich – so jedenfalls die Jury – „in den Ghettos der Großstädte ebenso gut auskennt wie in der Märchenwelt der deutschen Romantik.“ Mit „Kanak Sprak“ habe Zaimoglu „der deutschen Literatur eine kraftvolle Kunstsprache geschenkt, die den Sound von türkischstämmigen Jugendlichen authentisch einfängt und zugleich einen ganz eigenen, beispielgebenden Sprachstil geprägt hat.“

Feridun Zaimoglu - Foto Koeln Buchhandlung Klaus Bittner
Feridun Zaimoglu – Foto Koeln Buchhandlung Klaus Bittner

Zaimoglu: Themen um Integration und Ausgrenzung

Zaimoglu ist in der Tat, wie die Jury es ausdrückt, „ein großer Erzähler von Liebesdramen, die er in seinem mal hitzigen, mal frostigen musikalischen Sprachstil zwischen den Kulturen des Okzidents und des Orients spielen lässt.“

Zaimoglu wurde 1964 in Bolu in der Türkei geboren und ist seit 1984 in Kiel zuhause. Seit seiner Kindheit lebt er in Deutschland und studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel. Zaimoglu arbeitet als Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor und Journalist, seinen Durchbruch hatte er 1995 mit dem Buch „Kanak Sprak“. Mit „Abschaum“ (1997) veröffentlichte er „das Lebensprotokoll eines drogenabhängigen Kleinkriminellen, das später unter dem Titel „Kanak Attack“ verfilmt wurde.“

Mit dem Erzählband „Zwölf Gramm Glück“ sei Zaimoglu 2004 der Schritt vom Kultautor zum anerkannten deutschen Schriftsteller gelungen, sagt die Jury. Immer geht es ihm um die Suche nach dem Glück am Rande der Gesellschaft, um das Suchen und Finden von Heimat zwischen Deutschland und der Türkei. Islamkonferenz, Integrationsdebatte, Ausgrenzung, das sind die Themen Zaimoglus. Könnte ein spannender Stadtschreiber werden!

 

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