Heute geht es im Mainzer Stadtpark wieder los: Der Mainzer Weinmarkt startet in sein zweites Wochenende. 75 Stände bieten Essen satt und Trinken pur, im Mittelpunkt stehen natürlich die Weingüter mit ihren Ständen unter den alten Bäumen. Romantisch, gemütlich, fröhlich, es gibt viele Attribute, die einem zum Mainzer Weinmarkt einfallen. Fest steht: Es ist ein einmaliges Weinfest, das nun mehr 82 Jahre auf dem Buckel hat, und dennoch so jung wirkt, wie kaum ein anderes Fest.

Mainzer Weinmarkt - das zweite Wochenende
Plakat Mainzer Weinmarkt 2014

Es muss an den uralten, wunderschönen Bäumen des Stadtparks liegen, dass die Weintrinker darunter so jung wirken… Tatsache ist. das Fest scheint  jedes Jahr jünger zu werden. War früher das Gesellige beim Wein der älteren Generation vorbehalten, pilgern heute Heerscharen junger Gäste am letzten August- und ersten Septemberwochenende in den Stadtpark zum Klönen, Treffen und Fun haben beim Wein.

Auch die Weinmacher hinter den Theken werden ja derzeit immer jünger – der Generationswechsel hat viele Nachwuchswinzer in den Weingütern in Rheinhessen ans Ruder gebracht, und das macht sich bemerkbar: Junge, frische Weine, moderne Weinstile, elegante Tropfen und gewagte Experimente. Wir wollen die etablierten Weinmacher weiß Gott nicht schlecht machen – aber begebt Euch doch mal beim Weinmarkt auf die Suche nach den Jungen. Wir garantieren: Ihr werdet Überraschungen erleben. Positive natürlich 😉

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Der Trend zur Jugend zeigt sich auch beim Outfit des Festes: Vor einigen Jahren tauchten ja die tollen Weinkisten mit Kissen auf, die sich seither jedes Jahr vermehren wie die sprichwörtlichen Kanickel 😉 Kein Wunder, sind die praktischen Sitzgelegenheiten doch äußerst mobil, lassen sich gruppieren, unter Bäume tragen – irgendwie begann damit die Eroberung des Stadtparks für das Fest erst so richtig. 2013 haben wir dann auch wahre Weinlaunches unter Bäumen gefunden – einfach toll!

2013 übrigens suchte die Welt am Sonntag ja Deutschlands schönstes Weinfest per Abstimmung im Internet, und da kam der Mainzer Weinmarkt auf den 17. Platz und darf sich nun mit Fug und Recht eines der schönsten Weinfeste Deutschlands nennen. Dumm nur, dass auf Platz 16 die Rheingauer Weinwoche in Wiesbaden landete 😉

Dafür sind die Mainzer bei Weitem älter: In Wiesbaden fand in diesem Jahr die 39. Weinwoche statt, in Mainz schaut man auf satte 82 Jahre Geschichte zurück. Da weiß man doch, was die wahre Weinstadt ist 😉

Mainzer Weinmarkt - das zweite Wochenende
Prost! – Foto: DWI

Am 3. September 1932 (!) fand in der Mainzer Stadthalle der 1. Mainzer Weinmarkt statt. 1939 musste der Markt schon wieder abgesagt werden – der Zweite Weltkrieg setzte dem Markt vorerst ein Ende. Doch schon 1946 floss tatsächlich der Wein wieder: Die französische Militärregierung ließ sich dazu bereit schlagen, 100 000 Liter Wein frei zu geben, die am Hotel Stadt Coblenz in der Rheinstraße gegen Lebensmittelkarten abgegeben wurden.

60 000 Reichsmark an Überschuss wurden bereits in diesem ersten Jahr erwirtschaftet, ein irrsinnig hoher Betrag in diesem ersten Jahr nach dem Krieg. Im Oktober 1947 wurde der Stadt Mainz aus dem Weinmarkt ein Erlös in Höhe von 190.000 Reichsmark  für den Wiederaufbau der Stadthalle übergeben. Als 1965 die Rheingoldhalle gebaut wurde, musste der Weinmarkt umziehen – in den Volkspark.

Trotz großer Bedenken: Der Schoppen im Park wurde sofort ein großer Erfolg, und auch für das Verkehrsproblem fanden die Mainzer eine findige Lösung: einen Pendelverkehr von den Parkplätzen der Innenstadt zum Volksparkgelände. Und der legendäre Oberbürgermeister Jockel Fuchs (SPD) tauft diese Bahnen prompt „Määnzer Promille-Bähnchen“…. Könnte man eigentlich wieder einführen 😉

Heute bieten natürlich die Mainzer Verkehrsbetriebe umfangreiche Sonderfahrten an, Zusatzfahrten der Linie 63 vom Hauptbahnhof aus sorgen dafür, dass bis in die Nachtstunden hinein ein 10-Minuten-Takt entsteht. Vergangenes Jahr hat das wirklich tadellos geklappt, also lasst bloß Eure Autos zuhause! Natürlich gilt auch wieder das Veranstaltungsticket, ein verbilligtes Hin- und Rückfahrtticket, das inzwischen allerdings auch schon 4,15 Euro kostet, für Kinder 2,60 Euro.

Mainzer Weinmarkt - das zweite Wochenende

1969 wurde auf dem Weinmarkt die 1. Mainzer Weinkönigin gewählt, heute gibt es „nur“ noch eine Rheinhessische Weinkönigin, was ja auch viel mehr Sinn macht. 1983 fiel das traditionelle Feuerwerk einer Schlechtwetterfront zum Opfer, es gab Windböen bis Stärke 9, au Backe. Nun ja, am ersten Weinmarktwochenende 2014 Ende Augustwar in der Nacht von Samstag auf Sonntag Land unter nach heftigen Regenfällen. Wir haben uns sagen lassen: Das Weinfest steht aber noch 😉

Erst 1984 wurde übrigens der Stadtpark in den Mainzer Weinmarkt integriert, und so stille Ecken für Genießer geschaffen. Das mutet heute kurios an, sind es doch genau diese „stillen“ Ecken, die die Weingenießer zu Scharen anlocken. Aber für die Neu-Mainzer sei gesagt, dass der Weinmarkt ursprünglich von einem großen Rummel begleitet wurde, wie es ja die meisten traditionellen Märkte im Herbst haben. In Mainz gab es 2007 letztmals den großen Rummel mit Fahrgeschäften, seit 2008 konzentriert sich der Weinmarkt auf den Wein ohne Rummel.

Das heißt natürlich nicht, dass es keine Musik gibt: Ein reiches Bühnenprogramm von Flower Power bis Rock oder Songs im Stil von Norah Jones gibt es auf der großen Bühne auf dem Platz vor der Favorite, beim Sektfest im Rosengarten oder auf der kleinen Bühne der Mainzer Winzer. Partnerland ist übrigens in diesem Jahr Spanien mit Bilbao und der Rioja-Region. Die spanischen Weine findet Ihr im Great Capital-Weindorf gleich unterhalb vom Künstlermarkt im Rosengarten.

Und wer mehr über die Geschichte des Stadtparks wissen möchte, sollte am Samstag, den 6. September, zum Kulturspaziergang „Vom schaurigen Schinderhannes zur schönen Favorite“ gehen: Startend vom Holzturm in der Altstadt, dem letzten Gefängnis des berüchtigten Hunsrück-Räubers Schinderhannes, geht es zum Stadtpark. Hier stand einst das Lustschloss der Kurfürsten von Mainz – die „Favorite“ – und hier fand Johannes Bückler alias Schinderhannes am 21. November 1803 sein Ende.

Die Hinrichtung des berüchtigten Räubers und seiner Gesellen lockte nämlich rund 30.000 Schaulustige an, die Guillotine konnte deshalb nicht wie üblich in der Stadt errichtet werden, sondern wanderte vor die Stadt – in den Stadtpark hinter dem Neutor. Ein alter Kreis von Bäumen soll der Legende nach noch heute die Stelle markieren, wo der Schinnerhannes am 21. November 1803 seinen Kopf verlor. Ihr könnt ja mal auf die Suche gehen 😉

Nun, im Jahr 2014 steht der Weinmarkt unter dem Motto „Die unendliche Leichtigkeit des Weins“, was natürlich viel angenehmer ist. Im Übrigen scheinen die Mainzer mal wieder einen Deal mit Petrus gemacht zu haben: Pünktlich zum Start ins zweite Weinmarktwochenende heute soll es wieder warm und sonnig werden. Viel Spaß!

Info& auf Mainz&: Mainzer Weinmarkt, 4. bis 7. September im Mainzer Stadtpark und im Rosengarten. Öffnungszeiten: Donnerstag 18.00 Uhr bis 23.00 Uhr, Freitag 17.00 Uhr bis 1.00 Uhr, Samstag 15.00 Uhr bis 1.00 Uhr und Sonntag  13.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Aber keine Sorge: Rausgeschmissen haben sie aus dem Stadtpark noch keinen 😉 Alle Infos rund um den Mainzer Weinmarkt findet Ihr hier. Alles rund um die Sonderfahrten der Mainzer Verkehrsbetriebe zum Weinmarkt findet Ihr hier.

Kulturspaziergang „Vom schaurigen Schinderhannes zur schönen Favorite“ Samstag, 6. Septberm, 16.00 Uhr, Treffpunkt am Holzturm in der Rheinstraße. Anmeldung nicht notwendig, Kosten 7,- Euro pro Person.

 

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