Der Mann ist die Ruhe selbst, alle andere wäre wohl auch ziemlich gefährlich. Seit genau 30 Jahren hat Horst Lenz einen der gefährlichsten Berufe der Republik: Lenz ist Sprengmeister und der Leiter des Kampfmittelräumdienstes in Rheinland-Pfalz. Am Sonntag hatte Lenz mal wieder einen Job zu erledigen: eine 500-Kilo-Bombe aus dem zweiten Weltkrieg, gefunden im Mainzer Stadtteil Weisenau.

Sprengmeister Horst Lenz nach der Entschärfung der Bombe in Mainz-Weisenau - Foto: gik
Sprengmeister Horst Lenz nach der Entschärfung der Bombe in Mainz-Weisenau – Foto: gik

„Man ist immer mit der gesamten Person gefordert“, sagt Lenz, „und man muss im Kopf hellwach sein.“ Vor 70 Jahren fiel das Geschoss aus einem britischen Bomber auf Mainz-Weisenau, doch es explodierte nicht wie geplant.

„Die Bombe ist nicht optimal gefallen und nicht im 90-Grad-Winkel aufgeschlagen“, erklärte Lenz. Es habe starke „Querkräfte“ gegeben, wohl deshalb sei die Bombe nicht explodiert, trotz beinahe Schallgeschwindigkeit beim Aufprall. Dazu hatte sich das Geschoss drei Meter in die Tiefe gegraben, dass sie ein Baggerfahrer bei Bauarbeiten fand, war eher Zufall.

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Es war eine übliche britische Bombe, ihre Sprengkapsel mit Kupfer umhüllt, in Inneren eine Bleiacetat–Füllung, ein Bleisalz der Essigsäure, wenn wir das richtig verstanden haben. „Kupfer, Blei und Wasser, das verträgt sich nicht besonders gut“, sagt Lenz trocken, „mit Salatöl kommen sie da nicht weit.“ Der Blindgänger sei „in bescheidenem Zustand“ gewesen, besonders schwierig machte es die Arbeit, dass vom äußeren Teil der Zündung nichts mehr vorhanden war. Lenz und sein Team mussten erst einmal Angriffsflächen für ihre Werkzeuge schaffen.

Zufriedene Miene vom Chef - Horst Lenz (ganz rechts) und seine Team beim Verladen der Bombe - Foto: gik
Zufriedene Miene vom Chef – Horst Lenz (ganz rechts) und seine Team beim Verladen der Bombe – Foto: gik

Dann wurden Spezialwerkzeuge angesetzt, „es gab einiges zum Anreichen“, sagte der Sprengmeister. Sobald die Werkzeuge griffen, sei der Rest nur noch „handwerkliche Arbeit“ gewesen. Im Prinzip wurde dann der Zünder aus der Bombe gedreht, unendlich langsam und vorsichtig. Denn die Bombe lang scharf im Boden, bereit, jederzeit zu explodieren.

Warum macht man einen solchen Job? „Es ist immer eine Herausforderung“, sagt Lenz schulterzuckend, „mir liegt das.“ Muss es wohl: Seit 1984 entschärft Lenze Bomben, immer erfolgreich. Das sei ein bisschen wie Archäologie, sagt Lenz. Geschichte brauche man dafür, Physikkenntnisse und Geografie. „Man muss sich ständig auf dem neuesten Stand halten“, sagte der Meister aller Bomben.

Warum setzt er nicht Roboter ein, fragt ein Journalist. „Die Roboter taugen zum Teufel nichts“, sagt Lenz vehement. Auf ebenem Boden, mit „einer Bombe aus dem Museum“ seien die gut, aber sonst…. „Ich hätte beinahe mal das Zeitliche gesegnet wegen einem“, sagt Lenz.

 

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