Na, am Wochenende auch bei Möbel Martin gewesen? Oder lieber in der schönen Mainzer Innenstadt flaniert und eingekauft? Ungefähr auf diesen Nenner lässt sich der Teil 3 der Untersuchung der Mainzer Geografen im Mai 2013 zur Attraktivität der Mainzer Innenstadt bringen. Die Interviewer fragten nämlich rund 2.100 Passanten im Rahmen ihrer Langzeitstudie auch nach dem neuen Möbelgiganten im Hechtsheimer Gewerbegebiet. Und die Ergebnisse waren durchaus spannend: 39 Prozent der Befragten gaben an, binnen der ersten neun Monate tatsächlich bei Möbel Martin gewesen zu sein – und 34 Prozent von ihnen hatten nur im sogenannten Randsortiment eingekauft, also Gläser, Tischdecken oder Küchenutensilien. Schadet der Möbelmarkt also den Geschäften in der Mainzer Innenstadt?

–Serie Mainzer Innenstadt – wie entwickelt sich die City? Teil 5–

Möbel Martin, die Innenstadt und die grüne Wiese - Serie, Teil 5
Neue Möbel fällig? Und wo kauft man? in der Innenstadt oder auf der grünen Wiese? – Foto_ gik

Im Vorfeld der Möbel Martin-Ansiedlung hatte es nämlich massive Bedenken gegeben, der Großmarkt auf der grünen Wiese würden den alteingesessenen Geschäften in der Innenstadt Kunden wegnehmen. 45.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon allein 4.500 Quadratmeter für eben jenes „Randsortiment“, dazu ein fast direkter Autobahnanschluss und schier unbegrenzte Parkplätze direkt vor der Haustür – die Bedenken waren durchaus begründet.

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Mainzer Käufer aus Hessen zurückholen

Dagegen stand aber das Argument der städtischen Verantwortlichen, dass in Mainz einfach ein Möbelmarkt fehlte. Tatsächlich dürfte ein Großteil der Möbel in Mainzer Haushalten aus Märkten wie IKEA, Mann Mobilia oder Segmüller stammen – mithin aus dem feindlichen hessischen Ausland 😉 Die Stadt Mainz wollte diese Kaufkraft lieber in Mainz halten, und die Gewerbesteuereinnahmen des Möbelmarktes gleich dazu, was man ihr ja auch nicht verdenken kann.

Im Umkehrschluss argumentierten die Verantwortlichen, der Möbelmarkt würde auch Kunden aus der Umgebung (also aus Hessen ;-)) nach Mainz locken, die dann vielleicht ja auch weiter in die Innenstadt zum Einkaufen fahren würden. Man muss nun kein Hellseher sein um zu prophezeien, dass das allenfalls frommes Wunschdenken war – wer fährt denn noch nach einem oft anstrengenden Besuch im Großmarkt zum Shoppen woanders hin? Eben.

Kaum einer kombinierte Innenstadt & grüne Wiese

Möbel Martin, die Innenstadt und die grüne Wiese - Serie, Teil 5
Neue Gläser gefällig? – Foto: gik

Das stellten auch die Geografen fest: Von den befragten Passanten gaben 89 Prozent an, nur bei Möbel Martin eingekauft zu haben und wieder gefahren zu sein. Nur 5 Prozent gaben an, ihren Einkauf im Möbelhaus mit Geschäftsbesuchen in der Mainzer Innenstadt kombiniert zu haben. Und das betraf sowohl Mainzer als auch Auswärtige. Die Erwartung, durch Möbel Martin würden neue Kunden nach Mainz gezogen „lässt sich durch dieses Ergebnis nicht bestätigen“, heißt es deshalb in der Studie.

Schlimmer noch: Fast jeder Vierte (23 Prozent) erklärte, bei Möbel Martin Waren erworben zu haben, die er sonst in der Mainzer Innenstadt gekauft hätte – das ist ein „deutlicher Kaufkraftabfluss aus der Innenstadt an den Stadtrand“, heißt es warnend. Der Möbelmarkt war übrigens im August 2012 eröffnet worden, die Umfrage der Geografen fand nur neun Monate später statt. So waren denn auch viele Besucher erst einmal neugierig zum Gucken hingefahren. 38 Prozent kauften auch tatsächlich nur Möbel in Hechtsheim, 28 Prozent aber schon Möbel und Randsortiment, und 34 Prozent sogar nur die Beiware.

Schadet Möbel Martin der City? Bedingt!

Schadet also Möbel Martin der Mainzer City als attraktives Einkaufszentrum? Die erstaunliche Antwort lautet: Ja – aber nur bedingt. Tatsächlich zieht der Möbelmarkt Kaufkraft aus der City ab, weil sonst Gläser, Heimtextilien oder Geschenkartikel in der Innenstadt gekauft worden wären. Im Vorfeld waren 67 Geschäfte in den Branchen Einrichtung, Wohnen, Heimtextilien und Geschenkartikel identifiziert worden, die möglicherweise unter dem Möbelmarkt leiden könnten.

Als die Geografen aber 280 Betriebsleiter im Mai 2013 nach den Auswirkungen fragten, gaben nur 6 Prozent an, durch Möbel Martin überhaupt Auswirkungen auf den Umsatz ihres Geschäfts festgestellt zu haben. In sieben Fällen ging es um einen leichten, in weiteren sieben Fällen um einen erheblichen Umsatzrückgang. Die negativen Auswirkungen für den innerstädtischen Einzelhandel seien also „geringer als befürchtet“, bilanzierten die Geografen.

Mainz& ist sich da nicht so sicher: Der Zeitraum von neun Monaten scheint sehr kurz, um zu einem solchen Fazit zu kommen. Spannender wäre die Frage nach zwei Jahren – also im August 2014. Denn ein großes Angebot gerade auch im Randsortiment plus einfaches Parken vor der Tür – das hat schon seinen Reiz. Mainz& bleibt dran!

Info auf Mainz&: Die komplette Studie des Geografischen Instituts der Uni Mainz findet Ihr hier.

In unserer Serie Mainzer Innenstadt – wie entwickelt sich die City? sind bisher folgende Teile erschienen:

 

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