Der Sommer ist heiß, Ihr sucht Abkühlung, und so werden nun auch Geheimtipps überrannt – in diesem Fall das Mombacher Unterfeld. Das Rheinufer nördlich von Mombach ist idyllisch und bietet einen kleinen Strand am Rhein. Dumm nur: Der liegt in einem Naturschutzgebiet. Und deshalb schlägt die Stadt nun Alarm: Müll, zu viele Menschen und vor allem zu viele Autos – so darf das am Mombacher Rheinufer nicht weiter gehen. Achtung: Dieser Artikel ist aus dem Jahr 2015 – aber die Infos stimmen auch heute noch 😉

Mombacher Rheinstrand: Überrannt und zugemüllt – Schilder sollen helfen
Wunderschöner Mombacher Rheinstrand – Foto: gik

Gerade in diesem Sommer leide das Mombacher Rheinufer unter einem regelrechten Besucheransturm, sagt Burkard Hofmann, Leiter des Mainzer Ordnungsamtes: „Wo sollen die Leute denn auch hin?“ Sich an den Strand legen – das sei ja nicht verboten, sagt Hofmann. Das Dumme nur: Vieles andere ist im Naturschutzgebiete durchaus verboten. Das fängt schon mit der Zufahrt an: Die Feldwege, die durch die Schrebergärtensiedlung in Richtung Rheinufer führen – verboten. Hunde ohne Leine laufen lassen – verboten. Müll zurücklassen – absolut verboten!

Nicht reinfahren, nicht parken: 105 Bußgelder an drei Tagen

Doch diese Regeln kennt kaum einer, das Ergebnis: zugeparkte Feldwege und viel zu viele Autos im Schutzgebiet. 105 Bußgelder stellte die Stadt nun kürzlich an drei Tagen aus – alle für Autos, die widerrechtlich die Wege befuhren und beparkten. Denn Nein, liebe Leute, die Zufahrt ist leider nur erlaubt für Leute mit Ausnahmegenehmigung – und die kriegen nur die Besitzer der Schrebergärten.

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Mombacher Rheinstrand: Überrannt und zugemüllt – Schilder sollen helfen
Zugeparkte Feldwege am Mombacher Rheinufer – kostet 30,- Euro… – Foto: Stadt Mainz

Das Mombacher Unterfeld ist nämllich ein Auengebiet, in dem viele Vögel und seltene Pflanzen ihre Heimat haben. Im flachen Ufergewässer des Rheins laichen Fische, wachsen seltene Arten und findet der Storch seine Nahrung, sagt Jan Jahns, Leiter des Umweltamtes der Stadt Mainz. Deshalb ist das Mombacher Rheinufer mit seiner Weichholz- und Hartholzaue ein Naturschutzgebiet, etwa zwei Kilometer lang, vom Baumarkt am Mombacher Kreisel bis zum Kreutzerhof, dem alten Bauernhof am Rheinufer Richtung Heidenfahrt.

Am Zugang zum Naturschutzgebiet stehen natürlich Schilder, das sind die dreieckigen mit grünem Rand. Es könne also „niemand sagen“, er wisse nicht, dass er in einem Naturschutzgebiet sei, sagte Jahns. Aber mal ehrlich: Wisst Ihr, was mit den Schildern an Regeln verbunden ist? Und wie schnell hat man so ein kleines Schild übersehen, wenn auf dem Weg viel Betrieb herrscht… Und die Schilder, die aufs Naturschutzgebiet hinweisen, sind alt und sehr verblasst – auch nicht gerade ein Hingucker.

Grillen und Feuer machen verboten – Müll wieder mitnehmen!

Für Euch deshalb der Tipp zum Merken: Das Naturschutzgebiet beginnt hinter dem Damm, das Gebiet davor ist aber auch schon Landschaftsschutzgebiet. Im Naturschutzgebiet aber „sollte möglichst wenig Störung sein“, mahnt Jahns. Laute Parties sind der Stadt deshalb ein Dorn im Auge, aber auch Grillen und Feuer machen sind nicht erlaubt!

Mombacher Rheinstrand: Überrannt und zugemüllt – Schilder sollen helfen
Müllberge am Mombacher Rheinstrand – igitt! – Foto: Stadt Mainz

Gar nicht zu tolerieren sind natürlich Müll und Abfälle, die die Besucher einfach liegen lassen. Das muss ja nun wirklich nicht sein, also nehmt doch bitte Eure Abfälle wieder mit!! Fotos des Ordnungsamtes zeigen, zu welchen Auswüchsen es hier kommt: stapelweise Müll und Flaschen, igitt. Gäbe es den Naturschutzbund Nabu nicht, der hier nach jedem Wochenende aufräumt, das Zeug läge einfach in den Büschen und am Strand. „Das gilt es in den Griff zu kriegen“, betont Jahns, und appelliert an die Besucher, sich „vernünftig zu verhalten.“

Absurde Regeln: Sitzen ja, Liegen nein – Achtung Kläranlage!

Ziemlich absurd wird es dann aber bei anderen Regeln: Streng genommen darf man in einem Naturschutzgebiet nämlich auch kein Picknick machen. Und man darf laut Jahns „keine Decke ausbreiten und sich hinlegen“ – hinsetzen darf man sich hingegen schon. Feldschützer der Stadt sollen hier kontrollieren, sie dürfen die Leute auch verwarnen und übrigens auch Personalien aufnehmen. „Unsere Mitarbeiter gehen mit sehr viel Fingerspitzengefühl vor“, versicherte Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) – also wegen Liegens werdet Ihr wohl eher nicht verwarnt 😉

Mombacher Rheinstrand: Überrannt und zugemüllt – Schilder sollen helfen
Da drüben auf der Rettbergsaue könnt Ihr ungestört liegen und baden, geht aber nur über Biebrich per Fähre – Foto: gik

Das Einfahren und Parken kann Euch aber 30,- Euro kosten, viel Geld für ein Bad im Rhein… Zumal das nicht so ungetrübt ist, wie Ihr vielleicht glaubt: Direkt am Anfang des Gebietes leitet die Mainzer Kläranlage ihre Abwässer in den Rhein. Die sind zwar natürlich geklärt, aber so richtig sauber… nun ja. „Ich würde hier nicht baden wollen“, sagt Jahns.

Alter Campingplatz in Laubenheim als Rheinwiese im Gespräch

Zumal es „Alternativen gebe“, sagt Jahns, und verweist auf die beiden Strände in Mainz hüben und drüben der Theodor-Heuss-Brücke. Da mussten wir dann aber mal Einspruch erheben! Denn an beiden Stränden kann man weder picknicken noch grillen und schon gar nicht baden.

Mombacher Rheinstrand: Überrannt und zugemüllt – Schilder sollen helfen
Solche Piktogramme sollen aufklären – Foto: gik

Jahns verwies aber auch auf die beiden Schwimmbäder in Rhein: das Eine nördlich in Heidenfahrt bei Ingelheim, das andere südlich bei Oppenheim. Und wenn man nicht so weit fahren will oder kann? Tja… Doch Jahns verriet auf Mainz&-Nachfrage noch etwas: Es werde derzeit überlegt, den früheren Laubenheimer Campingplatz zurück zu bauen – und dort stattdessen eine öffentlliche Liegewiese am Rhein einzurichten. Dort gibt es auch einen Zugang zum Rhein…

Mit Piktogrammen gegen den Wildwuchs in Mombach

Das fänden wir natürlich super, in Mainz gibt es einfach viel zu wenig schöne Stellen mit Rhein-Bezug – und die Griller werden auch verscheucht wie in der Mainzer Neustadt. Leider aber wird eine Laubenheimer Liegewiese erst noch auf sich warten lassen, das Ding ist erst im Status der Überlegung… Die alte Nato-Rampe in Laubenheim ist dabei sogar als Standort einer Bewirtschaftung im Gespräch. Dieses Jahr aber wird das sicher nix mehr.

Mombacher Rheinstrand: Überrannt und zugemüllt – Schilder sollen helfen
Und da sollen die neuen Schilder hin – Foto: gik

Gegen die Auswüchse am Mombacher Rheinufer aber will die Stadt nun Schilder aufstellen: Piktogramme sollen – wie am Finther Höllenberg – erklären, was erlaubt ist und was nicht. Frühestens im September kann es aber so weit sein. „Es gilt einfach, die Balance zu halten“, sagt die Mombacher Ortsvorsteherin Eleonore Lossen-Geißler. Niemand wolle „die Leute verscheuchen, aber es ist unser Wunsch, dass das nicht ausartet“, betont sie: „Es ist so ein wunderschönes Stück Natur…“

Info& auf Mainz&: Am Wochenende findet übrigens das Mombacher Rheinuferfest auf dem Parkplatz hinten am Mombacher Kreisel Richtung Rheinufer statt. Geboten werden natürlich Essen und Trinken, aber auch ein bisschen Kerb und Karussel, Guggemusik und am Samstagabend eine Coverband. Und beim Mombacher Kanuverein könnt Ihr sicher auch mal Schnupperpaddeln.

2 KOMMENTARE

  1. Als jemand der seit vielen Jahren rund um Mainz sehr viel in der Natur unterwegs ist, bin ich immer wieder darüber verwundert, wie unglaublich das Bedürfnis in die Natur zu gehen, zugenommen hat und zu solchen Massen führen.

    Ich bin Mitte der 80’er in die Mainzer Altstadt gezogen. Und habe es schon damals geliebt, mit einer Flasche Bier, am Rhein zu sitzen. Damals waren kaum Menschen am Rhein unterwegs. Am Wochenende mal ein paar(!) Rentner oder im Sommer zwei oder drei Studentinnen am Winterhafen. Die Punker am Panther oder ein paar vereinzelte Tippelbrüder. Das war’s.

    Seit 2003 (Jahrhundertsommer) hat sich dieses Bild gewandelt und mittlerweile ist das verweilen am Rhein ein Massenvolkssport geworden. Gerade die Entwicklung am Winterhafen ist extrem. Der hat sich von einem idylischen Plätzchen, zu einer überlaufenen Patylocation gewandelt.

    Oder ein anderer typischer Ort für diese Entwicklung, ist die Rheinterrase in Heidenfahrt. Aus der beschaulichen Weinbude (die es auch erst seit ca. 2007(?) gibt) ist ein Oktoberfest ähnliches Bierzelt geworden. Die Anwohner „freut’s“.

    Das nun auch solche etwas verstecktere Plätze nicht mehr von den Massen verschont werden ist da eine zwangsläufige Entwicklung.

    Ich frage mich da immer, wo kommen die plötzlich alle her? Was haben denn diese Menschen früher gemacht?
    So eine richtige Erklärung habe ich nicht, aber was Erkennbar ist, dass es (vermutlich) viele Studenten sind die am Rhein unterwegs sind. Zumindest am genannten Strand und in Mainz. Irgendwas hat sich zu den Studenten der 80/90’er geändert. Das Bedürfnis Abends am Rhein zu sitzen, gab es damals auf jeden Fall nicht.

    Danke auf jeden Fall, für sie Information mit dem Klärwerk. Die Frage hatte ich mir auch immer gestellt und hatte vermutet, weil am Mombacher Strand soviele in’s Wasser gehen, dass die die Abwässer weiter Richtung Ingelheim einleiten. Ich würde aber auch, wenn überhaupt, eher unterhalb des Main im Rhein baden. Vielen ist nicht klar, dass es nach wie vor am Main Industrie produziert, die auch Abwässer erzeugen und in den Fluss leiten.

    Aber kein Vergleich zu dem wie der Fluss in den 70’er aussah.

    Kennt noch jemand die Oma, die bis in den 80’er immer im Rhein geschwommen ist?

  2. Da fehlen einfach die Alternativen! Ich wohne in der Neustadt und im Sommer wird es hier einfach unerträglich heiß. Da gibt es wenig Natur, wenig frische Luft, wenig Schatten, wenig Abkühlung, ohne Auto. Der Mombacher Strand ist ein wunderschönes Stück naturbelassener Urwald und mit dem Rad in 20 Minuten für mich zu erreichen, so schnell komme ich hier in kein anderes Grüngebiet. Es ist der einzige Ort, wo ich es hier im Sommer aushalte, wenn es wieder 35°C im Schatten hat bei Flaute. Auch im Frühling und Herbst ist es in dem mangrovenartigen Gehölz unschlagbar schön. Mainz hat für mich seit dieser Entdeckung gleich doppelt so viel an Lebensqualität gewonnen.
    Die kommerzialisierten Rheinzugänge im Stadtgebiet mit ihren versiegelten Böden, den Abgasen und dem stark zurückgeschnittenen Baumbestand kommen für mich im Sommer nicht in Frage. Da würde ich verbrutzeln! Was soll ich dort, hoffen, dass dieses Jahr mal die Brunnen in Betrieb sind und mich am Fontänennebel kühlen?

    Nicht jeder hat ein Haus mit Garten, lebt in einem grünen Vorort, hat Geld fürs Freibad oder kann mit dem Auto zum nächsten Badesee fahren (übrigens erst wieder in Darmstadt und Raunheim!). Die Stadt hat den mit dem Klimawandel einhergehenden Trend zu mehr Natur verschlafen, macht immer noch Grünpflege der 60er (Die Rheinpromenade ist nur besetzt mit kleinen Platänchen, deren Triebe noch im Juni abgeschnitten werden – was soll das?). Jetzt wundert man sich, dass die Leute sich halt auf eigene Faust Refugien erschließen, anstatt im Backofen Stadt zu bleiben.

    Müll und Lärm gehen natürlich gar nicht, auch nicht mit dem Auto hineinfahren oder Hunde frei laufen lassen. Darüber ärgere ich mich auch. Aber was ist denn dagegen einzuwenden, wenn ich auf dem Sand mein Deckchen ausbreite, in friedlicher Koexistez mit den Riesenameisen den Schatten genieße und ’nen Apfel esse? Ist doch eigentlich okay, wenn ich leise bin und keine Spuren hinterlasse.

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