Wow, das sind mal richtig bissige Karikaturen, die der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) da an Rosenmontag auf die Gasse schickt. Mainzer Baustellen-Chaos, ratloser Maut-Dobrindt, Lame Duck Obama und die Invasion der Chlorhühnchen aus den USA – die Mainzer schlagen dieses Jahr so richtig zu. Besonders gelungen: Ein Wagen mit dem Namen „Fluch der Kari-Beck“, „Flinten-Uschi“, die Papierflieger bastelt – und ein Wohnklo für 1.200 Euro.

Wohnklo, Flinten-Uschi und Fluch des Kari-Beck: Bissige Motivwagen für Rosenmontag
Der Fluch des Kari-Beck holt Malu Dreyer ein – Foto: gik

13 Motivwagen hat der MCV in diesem Jahr bauen lassen, das sind zwei weniger als gewöhnlich. Dafür sind die Motive ausgefeilt wie selten. Die Macher nehmen etwa das Wort „Wohnklo“ wörtlich – und haben ein wunderbar bis ins letzte Detail ausgefeilte Klo auf den Wagen gestellt – sogar die Zahnpastatube fehlt nicht.

Invasion der Chlorhühnchen, Lame Duck Obama

Auch sonst sind die Motive von Zeichner Klaus Wilinksi besonders bissig und besonders treffend: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sitzt da als „Flinten-Uschi“ frustiert auf dem Boden und bastelt Papier-Flieger, weil die eigentlich Flieger nur Staffage sind.

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Auch die Invasion der Chlorhühnchen aus den USA Dank FreihandelsabkommenTTIP – echt beeindruckend, wie die nackten Hühner da samt Besteck einmarschiert kommen! „Sin‘ keimfrei, essbar unbedingt,/ Selbst wenndes Chlor zum Himmel stinkt“, reimen die Mainzer Narren dazu. US-Präsident Barrack Obama schwimmt übrigens als kleine gelbe Ente auf stürmischer See und direkt vor dem Maul eines riesigen Hais: Lame Duck Obama, „der ruhmlose Präsident“, so sehen es die Narren.

Wohnklo, Flinten-Uschi und Fluch des Kari-Beck: Bissige Motivwagen für Rosenmontag
Die Invasion der Chlorhühnchen aus den USA – Foto: gik

„Mautblume“, „Crystal Palace“ und Problem-Bär Putin

So geht es munter weiter: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sitzt in einem Haufen Blütenblätter, weil er ständig an der „Mautblume“ zupft: Sie kommt, sie kommt nicht… Herrlich. Vor dem „Crystal Palace“ alias Bundestag bezieht inzwischen ein Drogenhändler mit seinem Wagen Station: „Speed, Koks, Ecstasy, Crystal unn Suff,/ die Volksvertreter sinn immer gut druff“, heißt es im dazu gehörenden Vers, der natürlich auch an die Adresse des Mainzer Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann (SPD) geht.

Der russische Präsident Wladimir Putin ist unterdessen zum „Problem-Bär“ geworden und dreht den Gas-Hahn nicht zu sondern auf – der Rubel muss rollen. Und der „Jäger aus Kurpfalz“ namens Helmut Kohl (CDU) hat eine ganze Wand voller Politiker-Trophäen, die er in seinen Erinnerungen abkanzelte…

„Walter UL-Wazir“ baut das 3. Terminal…

Wohnklo, Flinten-Uschi und Fluch des Kari-Beck: Bissige Motivwagen für Rosenmontag
Zugnummer 86: „Walter UL-Wazir“ baut ein 3. Terminal, das er nie bauen wollte – Foto: gik

Mit dabei ist natürlich auch der Wagen mit dem Grundgesetz, das Pressefreiheit und Meinungsfreiheit hütet – die Mainzer Antwort auf die Bedrohung durch Islamisten und andere Fanatiker. Mainz& hatten den Wagen  ja schon in diesem Artikel vorgestellt.

Knallhart sind die Mainzer auch beim Thema Frankfurter Flughafen: Da steht ein „Walter UL_Wazir“ im Blaumann auf dem Wagen und baut eine Mauer, auf der steht: „Niemand hat die Absicht, ein 3. Terminal zu bauen.“ Das erinnert natürlich an die einstige Aussage des SED-Chefs Walter Ulbricht: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Die Berliner Mauer wurde bekanntlich trotzdem gebaut, eine ähnliche Täuschung werfen die Mainzer Narren nun dem grünen Verkehrsminister in Hessen vor – harter Tobak.

Großartiger „Fluch des Kari-Beck“

Wohnklo, Flinten-Uschi und Fluch des Kari-Beck: Bissige Motivwagen für Rosenmontag
Die Geister des Kurt Beck sitzen Malu Dreyer im Nacken – Foto: gik

Unglaublich großartig ist aber besonders ein Wagen: „Der Fluch der Kari-Beck“. Auf dem Wagen wird die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) von den Geisterns ihres Vorgängers Kurt Beck (SPD) gejagt – und die heißen Nürburgring, Flughafen Zweibrücken und Flughafen Hahn. Der Tsunami droht die neue Regentin zu verschlingen – und aus der Welle greifen die Beckschen Geister nach der Malu.

„Malu paddelt um ihre Leben“, sagt dazu MCV-Wagenbauer Dieter Wenger. Die Neue im Amt müsse nun „einiges ausbaden“, sagte Wenger, und zitierte den dazu gehörigen Vers: „Von seinen Geistern heimgesucht, Dank König Kurt ist sie verflucht.“ Fluch der Karibik auf rheinland-pfälzisch, einfach großartig.

9.000 Stunden Arbeit, 700 Blöcke Styropor

9.000 Stunden Arbeit stecken in den Motivwagen, 700 Blöcke Styropor wurden schon verbaut – allein 120 Blöcke für die Kurt-Beck-Welle. Die Zahl der Farbeimer zählt der Herr der Motivwagen vom Mainzer Carnevals-Verein schon lange nicht mehr: Dieter Wenger baut seit Jahren die Wagen, gerade ist der verschmitzte Wagenbauer mit Nerven wie Drahtseilen 75 Jahre alt geworden – Gratulation!

Die Konstruktion in Mainz ist übrigens Wengers ureigene Erfindung: Die Styroporblöcke sind mit Eisenstangen verstärkt, die Motive mit wetterfester Farbe lackiert. Das unterscheidet die Mainzer Motive von denen in Köln und Düsseldorf. Dort, erzählt Wenger gerne und mit Stolz, seien die Motive bei einem heftigen Sturm völlig zerlegt worden. „Unsere kamen hingegen genauso wieder rein in die Halle, wie sie rausgerollt waren“, erzählt Wenger.

Wo ist der kleine Hund?

„Wenn ich keine Nerven wie Drahtseile hätte, würde ich das hier nicht durchhalten“, sagt Wenger, denn an den Wagen wird bis zur allerletzten Sekunde gearbeitet. „Wir malen hinten noch die Konfetti-Tupfer drauf, wenn die ersten vorne schon rausrollen“, sagt der Meister der Wagenbauer.

Nur zu einem ist Wenger bisher nicht gekommen: Der kleine Hund, der jedes Jahr irgendwo anders sein Beinchen hebt, steht noch im Regal. „Leider“, sagt Wenger, „aber ich bin einfach noch nicht dazu gekommen, ihn umzumalen.“ Vielleicht schafft er es ja noch, der niedliche Köter mit Narrenkappe ist in den letzten Jahren zu einem richtigen zum Running Gag geworden.

Wird denn auch rechtzeitig zu Rosenmontag alles fertig? „Nein, es wird nicht fertig“, sagt Wenger, und fügt dann verschmitzt hinzu: „Aber außer mir weiß keiner, was nicht fertig geworden ist.“

Viel Spaß mit den Fotos!

Info& auf Mainz&: Ganz in Ruhe könnt Ihr die Motivwagen am kommenden Sonntag, den 15. Februar beim Tanz auf der LU bestaunen. Ab 13.11 Uhr präsentieren sich die dreidimensionalen Karikaturen auf der Ludwigsstraße bis zum Einbruch der Dunkelheit. Also geht mal so von 16.00 Uhr Schluss aus, bei schlechtem Wetter auch schon früher.

 

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