Vergangenes Wochenende, Frankfurt. Wir kommen auf deutsche Rotweine zu sprechen, ich schwärme – wie immer – von meinem absoluten Rotwein-Gott: Bernhard Huber. Rotwein-Papst, Burgunder-Magier, stiller, bescheidener Topwinzer, Besessener. Von Rotweinen, Terroir und dem Ehrgeiz, es immer noch besser zu machen, mehr herauszukitzeln. Die besten Rotweine Deutschlands. Mindestens.

Nachruf auf Bernhard Huber, den Burgunder-Magier
Bernhard Huber in seinem Weinberg in Malterdingen – Foto: gik

Sonntagabend, Rückkehr an den Schreibtisch, und der Schock: Bernhard Huber ist tot. Gestorben nach schwerer Krankheit im Alter von nur 55 Jahren. Viel zu früh, das sagt sich so leicht, aber in diesem Fall verliert Deutschland einen, den es noch gebraucht hätte. Um der Welt zu beweisen, dass deutsche Rotweine – genau wie deutscher Riesling – Weltklasse sind. Um noch viele Nachwuchs-Winzer zu inspirieren. Zum Wein-Machen, zum Rotwein-Zaubern.

Deshalb findet Ihr hier heute ausnahmsweise einmal einen Nachruf, der nichts mit Mainz zu tun hat, aber alles mit herausragenden deutschen Weinen – und irgendwie auch mit mir.

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Ich lerne Bernhard Huber irgendwann Anfang der 2000er-Jahre kennen, das heißt: nicht ihn, seine Weine. Wir sind mit einer Reise von Weinjournalisten auf seinem Weingut in Malterdingen zu Gast. Bernhard Huber selbst ist nicht da, er lässt seine Weine von einem Freund erklären. Die Weine selbst: eine Offenbarung. Vielschichtige, kräftige, rubinrote Burgunder, Rotweine vom Feinsten.

Es ist ein Schlüsselerlebnis, der Beginn einer Entdeckungsreise in Sachen deutsche Rotweine, die ihr Ende noch lange nicht gefunden hat, die aber immer wieder am Ausgangspunkt ankam: bei Bernhard Huber. „Man träumt als badischer Winzer davon, dass auch bei uns die Leute beginnen zu philosophieren“, sagte mir Bernhard Huber einmal. Das war im April 2012, damals gab mir Huber einen tiefen Einblick in seine Weinwelt.

Nachruf auf Bernhard Huber, den Burgunder-Magier
Dort unten, wo einst die Mönche siedelten, liegt das Weingut, zeigt Bernhard Huber – Foto: gik

Wie viele Winzer seiner Generation, baute auch Huber sein Weingut von null auf. Sein Vater arbeitete für die Winzergenossenschaft, der Sohn nahm zehn Hektar, um sein eigenes Ding zu machen. 25.000 Liter Wein produzierte er im ersten Jahr, im August war Huber ausverkauft. Es war der Beginn einer großen Karriere, die ihn 2008 zum Winzer des Jahres machte, unter anderem.

1987 kelterte Huber seine ersten Weine, es folgte Expansion nach Expansion: Huber kaufte Weinberge, den Bienenberg, den Schlossberg, den Wildenstein. Dort pflanzten 700 Jahre zuvor Zisterzienser-Mönche den ersten Spätburgunder, damals auch Malterdinger genannt. „Wenn man so eine tolle Tradition hat, hängt das Herz daran“, sagte Huber, und zeigte mir den Wein, den er „Malterer“ nannte, ein Cuvee aus Weißem Burgunder und der Weißweinsorte Freisamer.

1966 baute Huber dort, wo einst der Gutshof der Mönche stand, seinen neuen Hof, und aus den Reben, die auf Muschelkalk-Verwitterungsböden wuchsen, machte er große Burgunder. Burgund – das Vorbild. Im Keller: Barriques. „Ich habe immer davon geträumt, so viel Gärraum zu haben, wie Weine im Weinberg“, sagte er zu mir.

Nachruf auf Bernhard Huber, den Burgunder-Magier
Bernhard Huber zwischen seinen Barriques – Foto: gik

Den Raum hat er gebraucht, weil er seinen Weinen Zeit ließ, Zeit zu reifen, Zeit sich zu entwickeln. Wenn ein Wein nichts wurde, dann gab es ihn nicht, Wirtschaftlichkeit hin oder her. Unter dem neuen Barrique-Keller fließt Grundwasser entlang, und hält den Keller kühl. Bernhard Huber, das war auch einer, der mit der Natur arbeitete, nicht gegen sie.

Fünf Jahre lang war Huber Biowinzer, die optimalen Weine fand er dabei nicht, also wandelte er auf eigenen Pfaden weiter. Seine Rotweine aber füllte er nach dem Wetter ab, am liebsten bei Hochdrucklage, weil die Tropfen „dann einfach brillianter schmecken“, wie er mir verriet. Die Anziehungskraft des Mondes spiele da eine Rolle, sagte er noch. Das Experimentieren, die Suche nach dem Optimum, das war sein steter Ansporn. Und er spornte andere an, ihm zu folgen, zog seine Kollegen mit auf der Reise zur höchsten Qualität.

Die Preise, sie kamen von alleine. Mit seinem ersten Barrique-Jahrgang 1988 holte Huber aus dem Stand den deutschen Rotweinpreis. 1995 zeichnete ihn der Gault Millau für den besten Spätburgunder aus, 1997 stellte er seine Weine bei einer Verkostung europäischer Journalisten zwischen die anderen Flaschen – und genoss die Verblüffung der Experten. „Das war einfach schön“, sagte er 2012 dazu, leise schmunzelnd. Bernhard Huber, das war auch Understatement.

Nachruf auf Bernhard Huber, den Burgunder-Magier
„Ich bin lieber im Weinberg, als beim Golfspielen.“ Bernhard Huber – Foto: gik

Und er ehrte die alten Weine: 54 Jahre alt seien die ältesten Spätburgunder-Reben, erzählte Huber 2012. Fast 65 Prozent der inzwischen 25 Hektar Rebflächen machten bei ihm die Rotweine aus, hochgradig ungewöhnlich in Deutschland. Auf 35 Prozent aber wachsen Weißweine, natürlich Burgundersorten: Weißburgunder, Grauburgunder, ein Auxerrois vom Feinsten. Der zarteste, eleganteste der weißen Burgunder sei der Auxerrois, sagte Huber, und wenn man ihn probiert hatte, wusste man, wie wahr das ist.

Leichte, verspielte Weißweine, das war die Philosophie des Bernhard Huber. „Die Eleganz suche ich überall“, sagte er zu mir, und er hat sie gesucht, bis er sie gefunden hat. Seine Spätburgunder aber gehören zu den besten dieses Planeten, vielschichtig, strukturreich, voller Beerenaromen, mit reicher Mineralik. „Ich hab’s gern, wenn man ein Mundvoll Wein hat“, sagte Huber, doch das dürfte beleibe nicht breit und schwer, sondern müsse immer verspielt sein: „Spätburgunder soll in der Nase und auf der Zunge tanzen.“

Ich werde ihn unendlich vermissen.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Weingut Huber findet Ihr auf der Homepage des Weinguts.

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