Am Sonntag ist ja Tag des Offenen Denkmals, also der Tag, an dem man hinter sonst geschlossene Türen schauen kann, eine Lieblingsbeschäftigung von uns 😉 Zwei Tage vorher aber, also am heutigen Freitag, öffnen in Mainz schon einmal 17 Kirchen und Kapellen ihre Tore für die Besucher. Es ist die 5. Nacht der Offenen Kirchen in Mainz, eine gute Gelegenheit, die Gotteshäuser von Mainz neu zu entdecken. Lichtinstallationen, Meditationen, Vorträge und viel Musik erwarten Euch – und einen Blick auf die älteste Kirche von Mainz.

Nacht der Offenen Kirchen öffnet Tür zu ältester Mainzer Kirche
St. Johannis mit Ausgrabung – Foto EKHN

St. Johannis heißt der unscheinbare weiße Kirchenbau, der direkt neben dem Dom am Eingang zur Augustinerstraße steht. Habt Ihr noch gar nicht richtig wahrgenommen, gell? Das solltet Ihr schleunigst ändern, zumindest sofern Ihr ein wenig Geschichts interessiert seid. Denn in der evangelischen Kirche wurde vor einem Jahr eine sensationelle Entdeckung gemacht: Die Johanniskirche sollte „einfach nur“ renoviert werden – und dann fand man Mauerreste aus dem Mittelalter, also dem richtig frühen Mittelalter…

Mauerreste aus der Zeit der Merowinger

Seither wird die geschlossene Kirche untersucht, werden Mauern freigelegt und sogar Löcher in den Boden gegraben – die Archäologen haben die Kirche besetzt. Und das ist gut so, denn offenbar machen sie immer neue, wahrlich sensationelle Entdeckungen: Zunächst kamen Überreste uralter Fußböden im Keller zum Vorschein, dann wurden auf der Empore Mauerpartien aus merowingischer, karolingischer und gotischer Zeit freigelegt. Im Keller wurden mehrere Grabstätten mit Skeletten und weitere uralte Mauerreste gefunden.

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Was sich so leicht dahin schreibt, ist wirklich fantastisch: Die Linie der Karolinger wurde bekanntlich von Karl dem Großen begründet, der im Jahr 800 gekrönt wurde, und der in Ingelheim die berühmte Kaiserpfalz errichtete. Doch auch in Mainz muss eine Kaiserpfalz gestanden haben, denn  Karl hielt hier Hoftage ab. Mauerreste aus der Karolingerzeit würden also aus der Zeit um 800 stammen – der Bau des Mainzer Doms wurde 975 von Erzbischof Willigis begonnen.

Christliche Gemeinde im 4. Jahrhundert

Nacht der Offenen Kirchen öffnet Tür zu ältester Mainzer Kirche
Loch im Boden, Geschichte drin: Kellereingang in St. Johannis mit Grabungsleiter Ronald Knöchlein – Foto: EKHN

Aber damit noch nicht genug: Es waren die Franken unter ihrem König Chlodwig, die um das Jahr 500 herum die Gegend um Mainz und mit Mainz eroberten, und Chlodwig I. war König aus dem Hause der Merowinger. Wenn nun also in der Johanniskirche Mauern aus der Merowingerzeit gefunden wurden, dann wisst Ihr jetzt: die sind richtig alt und stammen aus der Gründerzeit des Christentums sozusagen.

Denn in Mainz soll es schon Mitte des 4. Jahrhunderts eine organisierte und unter Leitung eines Bischofs stehende christliche Gemeinde gegeben haben, der erste gesicherte Hinweis auf diese Gemeinde stammt aus dem Jahr 368. Zu der Zeit hieß Mainz noch Mogontiacum und war eine Stadt samt Heerlager der Römer… Mainz aber hatte schon eine Bischofskirche, die man gemeinhin Kathedrale nennt – und genau diese könnte unter der Johanniskirche gestanden haben.

St. Johannis hieß früher Alter Dom oder Hatto-Dom

Dazu passt, dass St. Johannis in der Überlieferung gerne „Alter Dom“ oder Hatto-Dom bezeichnet wird, letzteres nach dem Mainzer Bischof Hatto, der im 9. Jahrhundert eine Bischofskirche errichtete, auf den Fundamenten einer viel älteren Kirche… Genau 😉 Fest steht schon jetzt: die Johanniskirche ist die älteste Kirche von Mainz und – so sagt es jedenfalls Wikipedia – die zweitälteste Kathedrale Deutschlands. Zumindest ist das die Hypothese, und überprüfen könnt Ihr sie selbst: Die Johanniskirche präsentiert nämlich heute Abend in der Nacht der Offenen Kirche erstmals die seit einem Jahr gewonnenen Erkenntnisse und gefundenen Reste – also nichts wie hin!

Nacht der Offenen Kirchen öffnet Tür zu ältester Mainzer Kirche
Meditation oder Diskussion – beides geht in der Nacht der Offenen Kirchen – Foto: EKHN

Aber auch die anderen Kirchen verdienen durchaus einen Besuch: Lichtinstallationen setzen die Räume der Gotteshäuser in Szene, Musik verführt zur Meditation, es gibt Andächtiges, Anregendes und Außergewöhnliches. Ziel ist eine Mischung zwischen Sinnlichem, aber auch sozialpolitischen Themen, sagen die Macher, deshalb gibt es auch Vorträge, Diskussionen und Theaterstücke.

Gospelmusik, Tango und die Frage: Wofür brennst Du?

In der evangelischen Altmünsterkirche gibt es „Eine Nacht rund ums Feuer“, dort wird über Begeisterung gesprochen und darüber, wofür man „Feuer und Flamme“ ist. Auch in der katholischen Augustinerkirche, die wunderbar barocke Kirche des Mainzer Priesterseminars, wird mit Musik und Licht die Frage gestellt: „Wofür brennt Dein Herz?“ In St. Peter an der Großen Bleiche wiederum geht es um die Leidenschaft im Tanz mit argentinischem Tango und Tanz um den Altar.

Nacht der Offenen Kirchen öffnet Tür zu ältester Mainzer Kirche
Auch von außen leuchten die Kirchen bei der Nacht der Offenen Kirchen – Foto: EKHN

Überhaupt gibt es viel Musik aller Stilrichtungen: In der Christuskirche gibt’s Gospelmusik, in St. Quintin – die steht gegenüber vom Kaufhof – werden Lieder und Gesänge aus der anglikanischen Abendgebetstradition erklingen und St. Bonifaz in der Boppstraße lädt zum Psalmen-Projekt und präsentiert Psalmengesang und -lesungen in verschiedenen Sprachen.

Sinn-Puzzle und Sternenstaub

Auch inhaltlich ist die Bandbreite groß: Im Dom St. Martin setzt man sich mit Musik, Text und Licht mit dem Thema Tod und Leben auseinander, in St. Emmeran wird über „sinnvoll leben“ nachgedacht, nach Orientierung und Gemeinschaft gefragt. Und man kann selbst bei der Gestaltung des großen Ganzen Hand anlegen, beim größten „Sinn-Puzzle“ der Welt, mit dem ein Weltrekord erzielt werden soll.

Die Kirchen wollen damit Menschen (wieder) zu sich locken, die sonst nicht kommen. Und glaubt bloß nicht, dass die Kirche unbedingt weltfremd sein muss:  In der Dreikönigskappelle der Maria-Ward-Schwestern am Ballplatz geht es um Sternenstaub und das Universum, der Planetenforscher Johannes Brückner erläutert Bilder aus dem Weltall.

Alle Kirchen sind natürlich kostenlos geöffnet, alle könnt Ihr fußläufig in der Innenstadt erreichen. Ein Fahrrad schadet aber sicher auch nichts 😉 Zentraler Auftakt um 19.30 Uhr in der Evangelischen Altmünsterkirche (Eingang Walpodenstraße), von wo die Besucher mit einem gemeinsamen Glockengeläut aller (!) Kirchen in die Nacht entsendet werden. Also, jetzt wisst Ihr Bescheid, wenn morgen Abend alle Glocken läuten 😉 Viel Spaß!

Info& auf Mainz&: 5. Nacht der Offenen Kirchen am Freitag, den 12. September, ab 19.30 Uhr und bis Mitternacht. Gemeinsamer Abschluss der Nacht um 24.00 Uhr in St. Quintin in der Quintinsstraße. Mehr Informationen und das vollständige Programm findet Ihr unter www.kirchennacht-mainz.de.

Wenn Ihr heute Abend nicht könnt: Die Ausgrabungen in der Johanniskirche könnt Ihr auch noch am Sonntag, den 14. September, also beim Tag des Offenen Denkmals, zwischen 12.00 Uhr und 17.00 Uhr besuchen.

 

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