Am 11.11. lupfen die Narren ja mal kurz den Vorhang und geben einen Vorgeschmack auf die kommende Kampagne, und wenn die so gut wird wie das, was jetzt der Gonsenheimer Carnevals-Verein (GCV) auf die Bühne brachte, dann könnt Ihr beruhigt sein: Es war grandios. Die Narren vom Gonsbach nahmen am Samstag nämlich das Wort vom Narrenschiff wörtlich – und gingen mit der „Queen Lisbeth“ auf große Kreuzfahrt. Klar, dass dabei weder Gigolo noch Schiffsarzt fehlen durften, aber wenn der Filmvorführer seine Filme tanzt und die Handtücher den Aufstand proben… dann ist Fassenacht in Gunsenum!

Närrische Kreuzfahrt mit der Queen Lisbeth
Kapitän mit Bauch und Schiffsoffizier auf der Brück‘ – die närrische Kreuzfahrt kann losgehen! – Foto: gik

Das wirklich Närrische beim GCV ist ja, dass die Narren hier auch die Breitseiten gegen sich selbst nicht vergessen, und so spazierte Verbandspräsident Horst Ernerth zu Beginn des Kammerspiels auf die Bühne und glossierte gleich genau dies: Er werde ja immer gefragt, warum er nicht auf die Bühne komme, sagte Horst Ernerth, und stimmte mit Reimen auf das Spiel ein: „Wenn die Frauen sind verhutzelt, wenn die Gans im Bräter brutzelt…“ – dann  sei wieder Zeit fürs närrische Kammerspiel im November.

Natürlich nahmen die Frauen im proppevollen Saal das nicht kommentarlos hin 😉 Aber dann schifften sich ja die ersten Passagiere ein – ein Frankfurt-Fan und ein Hofsänger, der den ganzen Abend seine Gruppe suchte – und die Schiffsoffizierin kommentierte angesichts des Präsidenten: „Jetzt kommen die schon zum Sterben uff das Schiff!“- „Das ist der Präsident dieses Vereins, die immer pleite sind“, ergänzte der Kapitän.

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Schiffsarzt, Gigolo und süße Ratten

Ja, in Gonsenheim wird herrlich respektlos über einander gelästert, und unter kundiger Führung des Kapitäns alias Sitzungspräsident Sebastian Grom legte das Narrenschiff ab, ließ die Leinen los und machte sich auf große Fahrt den kleinen Gonsbach hinunter. Und wie die Gonsenheimer so sind, nahmen sie natürlich nicht nur die Lokalpolitik aufs Korn, sondern gleich auch noch die Elemente einer Kreuzfahrt.

Närrische Kreuzfahrt mit der Queen Lisbeth
Pirat Erhard Grom entert die Queen Lisbeth – Foto: gik

Da glossierte Schiffsarzt Johannes Emrich Medikamentwut und Senioren an Bord, sangen die Schnorreswackler von der „Liebe der Matrosen“, und Peter Beckhaus gab einen herrlich schmierig-unterwürfigen Gigolo, der den Damen an die Wäsche geht – wenn’s denn geht. Ratten sind übrigens auch auf dem Schiff, aber wenn die so süß und fit sind wie die vom Gardeballett, dann mag man sie gar nicht verscheuchen;-)

Pirat Grom von der Mautstelle

Und dann enterte ein Pirat die Queen Lisbeth: Erhard Grom, alias das schwimmende Bankhaus Hasso Inkasso, nahm sich die Finanzen und die Steuern vor, führte mal schnell die Maut auf den Weltmeeren ein und schickte dafür die CSU-Herren Horst Seehofer und Alexander Dobrindt auf die einsamste aller Inseln, „wo die keiner mehr findt‘.“ Und zu dumm, dass die Meere jetzt schon von Plastikmüll so verdreckt sind, dass sogar der Fisch in der Tiefkühlschachtel verreckt..

Natürlich landete Pirat Grom auch beim Thema Uli Hoeness. Wenn der Bayern-Präsident für seine 27 Millionen Steuerhinterziehung 3,5 Jahre hinter Gittern müsse – na, dann brauche er ja für 5.000 Euro Steuerhinterziehung nur sechs Stunden in den Bau. „Bei sehr guter Führung, da wär ich im Haus/ nach 20 Minuten schon wieder raus“, reimte Grom – großes Narrenkino.

Närrische Kreuzfahrt mit der Queen Lisbeth
Globetrotter und Reiseführer, beide namens Hube.. – Foto: gik

Filmriss: Filme gucken ohne Film

Apropos Kino: Der Filmvorführer auf dem Schiff hatte einen Filmriss, und deshalb führte Christoph Seib seine Filme dem Publikum als Theater vor. „Für Sie ändert sich nichts, sie gucken Film, nur ohne Film“, versicherte der Tausendsassa, und imitierte dann in schneller Folge  Kinohits von Indiana Jones mit der Peitsche über Spiel mir das Lied vom Tod  zu Bei Anruf Mord, Highlander, Forrest Gump, Der weiße Hai – so schnell kamen wir mit dem Erraten gar nicht nach… Grandios!

Lachgang mit Familie Hube

Zum „Lachgang“ traf sich dann die Familie Hube, und Ihr wisst: dann wird es besonders närrisch. Vater Rudi Hube kalauerte sich als herrlich närrischer Landgänger quer durch eheliche Beziehungen – „Was reizt Sie denn noch an Ihrer Frau? Jedes Wort!“ – und Landgänge – „In Griechenland ist ja alles kaputt, alles in Ruinen da!“ – während Sohn Achim Hube den überraschten Stichwortgeber alias Reiseführer mimte.

Närrische Kreuzfahrt mit der Queen Lisbeth
Tanzende Handtücher an Deck – wunderschön! Foto: gik

Apropos Stichwortgeber: Zwischendurch lieferten die drei von der Brücke – Kapitän Grom, Schiffsoffizier David Krawietz und Offizierin Lea Heymann – als toll lockeres Trio die Überleitungen zum nächsten Akt, und vergaßen dabei auch den Seitenhieb auf den Kapitän der Costa Concordia, der als erstes sein sinkendes Schiff verließ, nicht…

Der Tanz der Handtücher

Beim GCV sank weder das Schiff, noch desertierte jemand, im Gegenteil: Der Handtuch-Auslege-Streit um die besten Plätze an Deck eskalierte in seiner schönsten Form – die Handtücher tanzten an Deck Ballett, eine großartige Idee!

Zwischendurch belebten immer wieder drei Herren als Running Gag das Leben an Deck: Michael Emrich und Benno Hellmold mimten als kongeniales Duo Nörgler und begeisterter Passagier, das sich die Bretter der Brücke bogen. Und wie Markus Heininger den Witz vom Hai und vom Kuckuck zu erhaschen versuchte – echte Narretei geht genau so! Die beiden Alten verteilten wie immer noch gekonnte Seitenhiebe auf Mainz über die ewigen Baustellen und die Matrosen, die gegen den Weihnachtsmarkt klagen… „Das hätt’s in Mainz nicht gegeben“, betonte Emrich, „das sind doch kee Sitte…“

Närrische Kreuzfahrt mit der Queen Lisbeth
Grantler Emrich und glücklicher Hellmold auf der Brücke – Foto: gik

Närrisches Bingo mit Frau Antje

GCV-Haussänger Eracan Demirel erhaschte zwischendurch „e Meenzer Mädsche“ mit einer wunderschönen neuen Hymne, bevor Bingo mit „Frau Antje“ das Deck eroberte. Thomas Becker, Chef der Schnorreswackler, glänzte mit holländischem Akzent und holländischen Witzen wie diesem: „Mich erinnert der Rosenmontagszug immer an Holländer auf der Autobahn – alle fahren Schritttempo und haben einen Anhänger hintendran.“

Mittlerweile war das Publikum in der Holzklasse so weich gekocht, dass die Lachmuskeln eigentlich dringend eine Pause gebraucht hätten, aber nix da: Die Herren vom Running Gag waren inzwischen in der Schiffsküche gewechselt und häckselten – verstärkt durch Christian Schier – mit ihrem Gemüse auch gleich die Lachmuskeln im Saal mit.

„Terrormoppel“ Betz und eine abstürzende Brille

Auf der Brücke gaben sich derweil  ein grantelnder Ehemann Hans-Peter Betz samt blonder Ehefrau (Anne Vogd) die Ehre. Die Ehefrau zog ihren „Terrormoppel“, „Kampfkater“ und „Latex-Lobster“ so richtig schön durch den Kakau, während Ehemann  „Bärchen“ schimpfte, „das ganze Schiff ist eine schwimmende Fossiliensammlung.“ Der Weihnachtsmarkt zu Schiff wurde übrigens von Weihnachtsmann Sitte auf Wasserski eröffnet… Also wir kämen da gucken!

Närrische Kreuzfahrt mit der Queen Lisbeth
Achtungt, Mr. Bond, die Schnorreswackler kommen! – Foto: gik

Das närrische Highlight aber setzten die Herren vom Running Gag, die sich als zwei Ehepaare nicht nur in die unterschiedlichsten Kostüme von Kittelschürze bis Pelzjacke stürzten – „Mach nich‘ so e Hektik, der Emrich muss sich umziehen!“ – sondern so ausgelassen blödelten, dass sogar eine abstürzende Brille sie nicht weiter aufhielt… Also ehrlich: die Vier könnte man auch ohne Text auf eine Bühne stellen, heraus käme in jedem Fall eine närrische Glanzleistung!

Und was machten die Schnorreswackler? Klarer Fall, sie gaben die A-Cappella-Schiffskappelle mit wunderbaren Solo-Einlagen und leiteten zum großen Finale mit „Fassenacht in Meenz“ über. Und der verlorene Hofsänger? Der durfte am Ende noch die „Pampa , Olé“ schmettern, und an den Witz von Frau Antje erinnern: „Was heißt Hofsänger auf holländisch? Van Bommel…“

„Heben Sie sich die gute Laune auf für die kommende Kampagne“, empfahl Kapitän Grom. Aber herzlich gerne!

 

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