Es ist ein kleines Paradies, verwunschen fast, das da versteckt zwischen Mainz und Wiesbaden liegt: Hinter der Autobahn 671, hinter dem Gewerbegebiet Petersweg, liegt in einer Senke der Cyperus Naturpark. 12.000 Quadratmeter Natur, mit fast zehn Teichen, uralten Bäumen, seltenen Pflanzen und essbaren Gärten. Am Sonntag feiert der 115 Jahre alte Verein für Aquaristik, Terraristik und Naturschutz mit einem großen Fest Geburtstag – mit Kochparty, einem Quartett der Rheingauer Filmsymphoniker, Erlebnisparcour und frisch geräucherten Forellen.

Naturparadies erwacht aus Dornröschenschlaf - Naturpark Cyperus feiert Sonntag 115 Jahre
Verwunschener Park mit vielen Teichen: Cyperus Naturpark mit Irmi Jungels und Claus Heinacker – Foto: gik

1901 war es, als der Freiherr von Kittlitz einen Verein für Aquaristik gründete – in Mainz, und nur für adlige Mitglieder. Vater Heinrich von Kittlitz war ein bekannter Naturforscher und Ornithologe gewesen, der Sohn folgte der um die Jahrhundertwende herrschenden Mode der Wohlhabenden zum Aquarium. Der Freiherr allerdings verlor bald das Interesse am Verein, der öffnete sich 1910 der nicht-adeligen Bevölkerung, um zu überleben.

Naturparadies im alten Dyckerhoff-Steinbruch

Der Park liegt in einer kleinen Senke am Petersberg, zu Füßen von Fort Biehler. Der Blick schweift über kleine Teiche, uralte Bäume und liebevoll angelegte Wege. „Anfang der 1950er Jahre war hier ein See“, sagt Uwe Müller und zeigt über das Gelände, „hier konnte man richtig Boot fahren.“ Das Gebiet ist der ehemalige Steinbruch des Wiesbadener Unternehmens Dyckerhoff, ein wahres Naturparadies. Über uns die Abbruchkante des alten Steinbruchs, die Autobahn 671 dröhnt in kurzer Entfernung. „Als die Autobahn gebaut wurde, sank der Wasserspiegel , der See verschwand“, berichtet Müller.

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Müller ist Landschaftsgärtner, und er liebt diesen Park, der eigentlich schon richtig alt ist. 1924 entdeckte der Briefträger Martin Petry den damals schon stillgelegten Steinbruch, im April 1924 war Spatenstich für den Aufbau eines Freigeländes – der Mainzer Verein für Aquaristik und Terraristik aus Mainz hatte ein Kleinod gefunden. Auf dem Gelände entstanden Freiluft-Aquarien, aber auch Teiche und Schauhäuser für Aquarien und andere Tiere, 1926 wurde das Vereinsheim gebaut. Damals war hier noch Mainzer Stadtgebiet, bis heute gehört das Gelände der Stadt Mainz.

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Üppige Pflanzenawelt im Cyperus Naturpark – Foto: gik

Affen, Quellen, Teiche – und essbare Pflanzen

„Ein Mitglied brachte einen Papyrus der Gattung Cyperus mit und stellte ihn auf den Tisch, so kam der Verein zu seinem Namen“, erzählt Müller. Er ist der Archivar des Vereins, hat zusammengetragen, was von der Geschichte zu erfahren war. Zu Beginn der 1970er Jahre gab es mal einen kleinen Zoo hier, mit Affen in den Schauhäusern. Dann zerstritten sich die Mitglieder des Vereins, dem ganzen Park drohte das Aus – ein Richter rettet mit einem salomonischen Spruch das Naturparadies: Das Gelände wurde geteilt, seither gehen Cyperus und Tierpark getrennte Wege.

Uwe Müller hat hier fast jeden Weg gebaut, kennt jede Wegbiegung  und jede Pflanze. „Jede zweite Pflanze hier kann man essen“, erklärt er – überall wächst etwa wilder Bärlauch. Drei Quellen sprudeln aus dem Hang, das Wasser ist das ganze Jahr 10 bis 12 Grad warm, erzählt Müller. Die Quellen speisen kleine Teiche, das Wasser fließt anschließend den Hang hinab zum Tierpark Kastel.

Bachminze und roter Holunder im warmen Mikroklima

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Das alte Insektenhotel im Cyperus Naturpark – Foto: gik

„Die Teiche frieren nie zu“, berichtet Müller, und so haben sie hier viele seltene Pflanzen wie die Bachminze, aber auch den Schachtelhalm oder die Taglilie. Ein Hain mit rotem Holunder wächst oben auf der Kante. Die kanadische Wasserpest wuchert in einem Teich, „aber nur in diesem“, zeigt Müller, „als wir mal versucht haben, sie in einen der anderen Teiche zu verpflanzen, hat das nicht geklappt.“

Winzige Mikroklimas hat der Hangabbruch geschaffen, der Naturpark ist einer der wärmsten Flecken von Mainz und Wiesbaden. Eisvögel sind seit Jahren hier heimisch, auch der Buntspecht und ein Fuchs – nur den Schnaken ist das Quellwasser zu kalt. Gerade hat Müller einen der alten Teiche aus den 1920er Jahren wieder freigelegt und gesäubert, Jahrelang verdunkelten uralte Bäume das Gelände. Nun haben Müller und seine Mitstreiter wieder Luft und Licht geschaffen – der Park erwacht zu neuem Leben. Am Eingang entsteht gerade ein neuer Staudenhügel, die Wege rund ums Fünf-Teiche-Eck, wie Müller es nennt, sind freigelegt.

In der kleinen Schlucht neben dem Bachlauf wurde eine neue Widderpumpe eingebaut, ein wassergetriebener Stoßheber, der das kostbare Nass hinauf auf die Böschung befördert – der Verein hat auch die Aufgabe, die Natur des Parks instand zu halten. Beim Anlegen eines neuen Weges vor einigen Jahren entstand eine Böschung – ideal für Kräuter. Helmut Fink, langjährige Seele des Vereins entwickelte daraus die essbare Landschaft.

Einer von drei Karlsgärten in Deutschland mit 78 nützlichen Pflanzen

Rund 300 essbare Wildpflanzen und Heilkräuter brachte Fink in den Park, 78 davon wachsen im Karlsgarten, direkt am Anfang des Geländes. „Nur drei Karlsgärten gibt es in ganz Deutschland“, sagt Müller stolz, „einen davon haben wir hier.“ Das Konzept geht zurück auf einen Erlass Karls des Großen aus dem Jahr 795, das „Capitulare de Villis“, darin regelte er die Bewirtschaftung seiner Hofgüter – und lässt im 79. Kapitel mehr als 80 Pflanzen auflisten, die auf jedem der Hofgüter angebaut werden sollten. Es sind Obstbäume und Heilpflanzen, essbare Kräuter und giftige, die zu Heilungszwecken kultiviert wurden.

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Der Karlsgarten im Cyperus Naturpark – Foto: gik

Direkt am Eingang zu  kleinen Karlsgarten in Kastel wächst ein Wacholder. „Der hält die guten Geister im Garten und die bösen fern“, sagt Müller, und lächelt. Offiziell glaube zwar niemand an diese alten Geschichten, „aber alle Gärtner, denen ich davon erzähle, wollen auch einen Wacholder am Eingang“, sagt er verschmitzt.

Naturpark soll wieder bekannter werden und Kindern Naturerlebnis verschaffen

Bei unserem ersten Besuch im Frühjahr war die Natur am Petersberg noch kahl, der Garten unscheinbar. Inzwischen ist das Grün explodiert, stehen Blumen und Kräuter in voller Blüte – ein echter Schatz an Natur. Dass der Cyperus Park aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, liegt auch an Irmi Jungels, die rührige Rentnerin bringt gerade neuen Schwung in den alten Verein. „Ich will den Park wieder bekannter machen“, sagt sie, vielen sage der Cyperus überhaupt nichts.

Doch gerade für Kinder- und Jugendliche sei der Garten ein Segen, eine tolle Möglichkeit, Natur und Pflanzen kennen zu lernen. „Die Kinder haben ja heute nur noch wenig Bezug zur Natur“, sagt Jungels, „bei uns können sie lernen, mit ihr umzugehen, essbare von giftigen Pflanzen zu unterscheiden.“ Ein altes „Insektenhotel“, ein Regal mit alten Baumstümpfen, in dem zahllose Insekten ihr zuhause haben, steht am Ende des Parks, „solche Dinge will ich wieder beleben“, sagt Jungels.

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Frisch geputzt: Die Aquarien im Schauhaus vor Ostern – Foto: gik

Staudenseminar, Aquarien und Kräuterleckereien

Und auch das alte Schauhaus mit den Aquarien ist zu neuem Leben erwacht, Guppies, Barsche und Fadenfische sind schon eingezogen. Auch die seltsamen Axolotls, Schwanzlurche, die ihre Gliedermaßen nachwachsen lassen können, sind hier zu sehen. Der Cyperus ist auch weiter ein Anlaufpunkt für Aquarienfreunde – ganz in der alten Tradition.

Am 3. Juli wird nun Geburtstag gefeiert, die stolzen 115 Jahre müssen natürlich begangen werde. Los geht es um 11.00 Uhr mit der Begrüßung, danach aber wird das 12.000 Quadratmeter große Gelände zur Erkundung frei gegeben., Der neue Hausweiher wird eingeweiht, ebenso die Widderpumpe, die frisch renovierte Veranda und der Lagerfeuerplatz.

Führungen zeigen die Natur und Historie des Geländes, ein Quartett der Rheingauer Filmsymphoniker spielt Salon- und Kaffeehausmusik. Es gibt Köstlichkeiten wie selbst gemachte Kräuterbutter oder frisch geräucherte Forellen, dazu eine Pflanzenausstellung samt Verkauf und viele Überraschungen wie einen Erlebnisparcours, Vogelhausbau und, und, und.

Regulär ist der Cyperus jeden Sonntag und jeden Feiertag für Besucher geöffnet. Aber auch sonst ist man hier gastfreundlich: „Wenn das Tor offen ist, ist jeder herzlich Willkommen“, sagt Müller. „Eine Tasse Kaffee gibt’s immer“, fügt Jungels hinzu.

Info& auf Mainz&: Sonntag, 3. Juli 2016, ab 11.00 Uhr 115-Jahr-Feier im Cyperus Naturpark in Mainz-Kastel, Berstädter Weg 1a. Und so findet Ihr hin: Einfach im Gewerbegebiet Petersweg beim Aldi geradeaus über die Brücke über die Autobahn fahren, dann direkt links und die erste wieder rechts – und schon seht Ihr links das Einfahrtstor zum Cyperus Gelände. Mehr Infos zu Cyperus 1901 und eine Anfahtrskarte gibt’s im Internet unter www.cyperus1901.de und auf Facebook, genau hier.

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