Das ist schon eine Frechheit: 99 Cent pro Überweisung auf Papier will die Postbank ab dem 1. April von ihren Kunden nehmen, also für Überweisungen, die noch ganz klassisch auf den alten Überweisungsformularen gemacht werden. Die Postbank begründet das mit zurückgehenden Einnahmen wegen der Niedrigzinsen. Doch die Neuregelung trifft vor allem auch Senioren – und Verweigerer von Online-Banking. Die Verbraucherzentrale in Mainz rät deshalb: bei anderen Banken informieren – und das Konto wechseln.

Neue Gebühren der Postbank: Verbraucherschützer raten zu Bankwechsel
Heile Welt, tolle Angebote – nur leider nicht für jeden: Postbank Werbung – Foto: gik

„Es ist eine Sauerei“, sagt Ingeborg Kirschstein aus Bonn, und ja, die Seniorin ist mit Mainz&-Gründerin Gisela Kirschstein verwandt 😉 Weshalb wir hautnah ihre Wut übermittelt bekamen: Dass sie künftig 99 Cent pro Überweisung zahlen soll, ärgert die 78-Jährige maßlos. Die Überweisung an den Turnverein, für  Sportkurse im Schwimmbad, wenn da jede Überweisung einen Euro kostet, da kommen schnell 10,- Euro zusammen.

Postbank altenfeindlich?

„Ich muss ohnehin schon Kontoführungsgebühren zahlen“, ärgert sich Ingeborg Kirschstein – denn ein kostenloses Girokonto, das gibt es bei der Postbank erst ab einem monatlichen Zahlungseingang von mindestens 1.000 Euro. Wer eine kleine Rente bezieht, oft weit unter 1.000 Euro, zahlt bei der Postbank satte 5,90 Euro im Monat. Bislang waren dafür bei der Postbank auch die Überweisungen umsonst, doch genau das soll sich jetzt ändern. „Die Postbank: altenfeindlich?“ fragte deshalb jüngst das Seniorenmagazin „sechs und sechzig“ auf seiner Internetseite.

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„Uns ist die Ertragsseite weggebrochen“, heißt es entschuldigend bei der Postbank: „Bisher konnten wir mit den Einlagen der Kunden arbeiten und Erträge erwirtschaften, das ist in Zeiten der Niedrigzinslage nicht mehr möglich“, sagte Postbank-Sprecher Ralf Palm auf Mainz&-Anfrage. Deshalb habe man sich entschieden, die „beleghaften Aufträge“ – so nennt die Postbank die Papier-Überweisungen – kostenpflichtig zu machen.

Postbank drängt Kunden ins Online-Banking

Neue Gebühren der Postbank: Verbraucherschützer raten zu Bankwechsel
Kostenloses Girokonto? Nicht für Senioren mit kleiner Rente – Foto: gik

„Uns war wichtig die ganzen sonstigen kostenlosen Dienstleitungen so beizubehalten“, verteidigt Palm, seine Firma, schließlich habe man über 2.200 Geldautomaten und knapp 1.100 Filialen, und Telefon-Banking und Online-Banking stünden weiter kostenlos zur Verfügung. 99 Cent, das sei „absolutes Mittelpreisniveau, es gibt viele Mitbewerber, die 2,50 nehmen“, sagt Palm.

Das sieht man bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ganz anders: „99 Cent pro Beleg, das ist aus unserer Sicht schon ein hoher Preis“, sagt hingegen Josephine Holzhäuser, Expertin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale in Mainz. Die Postbank dränge ihre Kunden ins Online-Banking, okay findet sie das nicht: „Selbst wer Internet hat, muss das noch lange nicht fürs Online-Banking nutzen wollen“, sagt die Verbraucherschützerin, und nicht nur Senioren hätten beim Online-Banking Sicherheitsbedenken.

Postbank: 500 Betreuer für Banking-Terminals

Postbank-Sprecher Palm verweist auf die vielen Banking-Terminals in den Postbank-Filialen, viele Kunden hätten sich die schon erklären lassen. „Wir werden im April noch einmal 500 Betreuer an die Multifunktionsterminals stellen, die den Kunden helfen“, kündigt Palm an. Doch ob das hilft, die Kunden zu besänftigen, ist ziemlich unsicher: „Es ist auch nicht jedermanns Sache, das Banking am Terminal zu machen“, sagt Holzhäuser. Nein, das glauben wir auch nicht.

Mitten im Trubel einer Filiale, womöglich noch mit drängelnden Menschen hinter sich, und dann noch im Stehen seine Bankgeschäfte abwickeln zu müssen – gerade für ältere Menschen ist das eine Zumutung. Wer dann noch Probleme mit den Augen hat – wie bei vielen Senioren der Fall – guckt womöglich ganz buchstäblich in die Röhre. Dazu noch die neuen SEPA-Überweisungen mit den enorm langen IBAN-Kontonummern, „da bilden sich lange Schlangen“, kritisiert die Verbraucherschützerin.

Postbank schätzt ihre Kunden völlig falsch ein

Seit Ende Januar verschickt die Postbank die Nachricht von den neuen Gebühren an ihre Kunden, und offenbar merkt sie schon nach diesen wenigen Tagen, dass sich da enormer Unmut zusammenbraut. „Ich musste lernen, dass viele Kunden Miete und Handyrechnungen noch per Überweisung machen, Monat für Monat“, räumt Sprecher Palm ein: „Das sind doch sehr viele Menschen.“

Neue Gebühren der Postbank: Verbraucherschützer raten zu Bankwechsel
Aber nicht für jedes Leben?

Klar, die Postbank ist ein absoluter Grundversorger in Sachen Bankgeschäften gewesen, in jedem Ort gab es früher eine Post-Filiale samt Geldautomat – wer hatte das sonst schon? Offenbar hatte man bei der Postbank kurzzeitig mal vergessen, dass man allein 5,25 Millionen (!) private Girokonten hat. Jetzt ist der Ärger da, und bei der Postbank sucht man nach Wegen, die Gemüter zu beruhigen.

Postbank bietet Beratung an

Man wolle mit den Kunden reden, individuelle Lösungen finden, betont Palm: „Kommen Sie mit dem Bankauszug ins Finanzcenter“, dort könne man dann schauen, welche Überweisungen „beleglos erteilt werden können.“ Konkret rät die Postbank dazu, Zahlungen per Lastschriftverfahren einziehen zu lassen, das kostet den Bezahler dann nämlich nichts.

Und es seien „viele Kunden in ein anderes Kontomodell gewechselt“, sagt Palm – offenbar solltet Ihr die Postbank mal danach fragen 😉 In der Tat heißt es bei der Verbraucherzentrale, es seien Kunden andere Konten angeboten worden – wenn sie hartnäckig danach gefragt hätten. Und so lautet unser Rat mal wieder: Empört Euch, geht den Bankern auf die Nerven!

Verbraucherschützer: Konto und Bank wechseln!

„Wir empfehlen, sich auch bei anderen Banken zu informieren, und durchaus auch das Konto zu wechseln“, sagt Finanzexpertin Holzhäuser. Denn noch gebe es in Deutschland eine breite Bakenlandschaft, und auch Sparkassen oder Volksbanken haben ein breites Filialnetz… Und gut möglich, dass andere Banken die Postbank-Kunde mit offenen Armen aufnehmen, „das könnte ein gefundenes Fressen sein“, sagt Holzhäuser.

Natürlich sollt Ihr jetzt nicht von heute auf Morgen Euer Konto auflösen 😉 Informieren, nicht das erstbeste Angebot nehmen, und auch noch ein bisschen abwarten, lautet der Rat der Finanzexpertin weiter. Denn möglicherweise könnte die Gebührenerhöhung noch „rechtlich überprüft werden“, will sagen: Vor Gericht landen. Es geb erste Stimmen, die „diese Art von Gebühr für unzulässig halten“, sagt Holzhäuser. Also doch altenfeindlich oder wenigstens eine Benachteiligung der finanzschwachen?

„Wenn viele Kunden sagen, das reicht uns jetzt, dann wird sich die Postbank vielleicht keinen Gefallen getan haben“, sagt Holzhäuser: „So kann man Kunden auch verprellen…“

 

3 KOMMENTARE

  1. Empfwelung für SeniorInnen:

    Überweisungen (und anderes) tätigt man am besten via Telefon-Banking.
    Da hat man nette MitabreiterInnen an der Strippe;
    und wenn man mühsam die IBAN angesagt hat, bekommt man die Bestätigung
    wohin das Geld nun wirklich geht. Also:
    Fehler ausgeschlossen.

    Ich denke, diese Möglichkeit solte es auch bei der Postbank geben …

  2. Es gibt die möglichkeit das Konto umzustellen von einem Plus auf ein Extra Plus.
    Da sind dann die Papierüberweisungen inklusiv 🙂

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