Sie ist der unbestrittene Liebling und der heimliche Star des Mainzer Rosenmontagszuges, doch leider in den vergangenen Jahren auch das Sorgenkind: Die gelbe Zugen(d)te des Mainzer Carnevals-Vereins markiert seit nunmehr 30 Jahren das Ende des närrischen Umzuges in der Mainzer Fastnacht, heiß geliebt und verehrt von den Narren am Wegesrand. Doch das ehrwürdige Gefährt im Unterbau gab immer öfter auf, gerade erst gab 2019 der Motor der Ente nach wenigen Metern mit lautem Knall den Geist auf – obwohl er gerade erst runderneuert wurde. Nun ist endgültig Schluss, oder vielmehr: Neustart angesagt. Die Zugen(d)te wird e-mobil – und geht am Samstag auf elektromobile Jungfernfahrt.

Neues Herz für Mainzer Zugente - Liebling des Rosenmontagszugs geht mit E-Motor auf Jungfernfahrt
Da schaute sie noch frohgemut: Die Zugente 2019 in der Mainzer Boppstraße, bevor sie in den Rosenmontagszug startete. – Foto: gik

„Mainzer Zugen(d)te runderneuert einsatzbereit“ meldete der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) noch im März 2019, doch Pustekuchen: Mit einem lauten Knall war die geliebte Ente am Rosenmontag 2019 schon nach wenigen Zugmetern in der Kaiserstraße liegengeblieben, die Sorge ums Entlein war groß. Seit 1990 markiert die Zugente den Abschluss des Mainzer Rosenmontagszuges, die große gelbe Entenfigur mit der Narrenkappe sitzt auf dem Unterbau eines VW-Käfers aus dem Jahr 1973. „Es war ein alter Käfer meiner Sekretärin“, verriet MCV-Wagenbauer Dieter Wenger einmal Mainz&.

Schon mehrfach war die Ente deshalb in den vergangenen Jahren ausgefallen, der stehende Gag beim Rosenmontagszug: schafft es die Ente? Das gelbe Gefährt hat in seinen 30 Jahren die Herzen der Narren erobert wie wenig andere Fastnachtssymbole: Mit dem Entlein werden Selfies gemacht, sein Gesundheitszustand ist Thema weitreichenden Interesses, sogar einen Facebook-Fanaccount hat das Entlein. Der MCV reagierte vor einigen Jahren: inzwischen gibt es die Zugente als Anhänger und als Pin, als Badezente und sogar als Spieluhr für das Kinderbett. Vor dem Rosenmontagszug 2019 dann wurde das Entlein von einer Werkstatt in ehrenamtlichem Engagement generalüberholt – vergeblich.

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Beim MCV sei deshalb 2019 die Idee entstanden, „dem knallgelben Sympathieträger der Mainzer Straßenfastnacht einen neuen Antrieb zu verpassen“, teilte der Verein nun mit. Und weil auch bei der Meenzer Fastnacht das Thema Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus rücke, beschloss man: die MCV-Zug-En(d)te soll künftig rein elektrisch fahren. „Für die Runderneuerung bedurfte es einer finanziellen Kraftanstrengung“, so der Verein weiter, zahlreiche Spender machten schließlich den Umbau möglich. Allein 5000 Euro brachte ein Benefiz-Minigolfturnier ein, dass der MCV unter dem Motto „Rettet die MCV-Zug-Ente“ im August 2019 im Mainzer Hartenbergpark veranstaltete.

Neues Herz für Mainzer Zugente - Liebling des Rosenmontagszugs geht mit E-Motor auf Jungfernfahrt
Zugente im Rosenmontagszug am Mainzer Staatstheater. – Foto: gik

Inzwischen hätten viele Sponsoren und viele hilfreiche Hände „der MCV-Zug-En(d)te ein neues Herz geschenkt“, freut sich der MCV: Es ist ein Elektromotor, ein Asynchron-Motor mit 20 Kilowatt Dauerleistung und einer 6 kWh Lithium Batterie, die ohne das umweltschädliche Kobold auskomme. Damit fahre nun die Ente emissionsfrei und könne künftig am Rosenmontag wieder die ganze Strecke bewältigen. Damit dies auch alles klappt, wird die Ente am kommenden Samstag ausgesetzt – nicht etwa in die freie Wildbahn, sondern auf die freie Strecke: Der E-Motor wird einem Stresstest unterzogen, auf dem Flughafengelände in Finthen soll die Ente „das Fliegen“ lernen.

Dafür wird die Zugen(d)te am Samstag, den 18. Januar, um 9.00 Uhr in der MCV-Wagenhalle in Mainz-Mombach losfahren und über Gonsenheim und Finthen mit eigener Kraft den Finther Flughafen ansteuern. Den Konvoi werde der Plakettenwagen des MCV anführen und so der Zugente den Weg weisen, heißt es weiter. Die Ankunft am Flughafen Finthen (Layenhof) werde etwa gegen 9.45 Uhr oder 10.00 Uhr erfolgen, dort soll dann getestet werden, ob das Entlein den hohen Anforderungen des Rosenmontagzuges gewachsen ist und über mehrere Stunden durchhält. Wir drücken die Daumen!

Info& auf Mainz&: Mehr zur runderneuerten Zugen(d)te hatten wir 2019 hier berichtet, alle Devotionalien rund um das gelbe Lieblingsmotiv der Fastnachter findet Ihr hier im MCV-Shop.

 

2 KOMMENTARE

  1. Ich habs schon ein paarmal gelesen, nun auch hier:
    In der Batterie ist kein umweltschädliches Kobold? Ja. Stimmt. Einen umweltschädlichen Kobold wird man in Batterien weltweit und seit undenklichen Zeiten vergeblich suchen.
    Es könnte aber auch sein, dass das umweltschädliche Element „Kobalt“ gemeint ist.
    Aber: Es ist Fassenacht, lieber MCV. Helau!

    • Hihi, stimmt, dem Kobold sind wir auch aufgesessen, das ist uns in all der Schreiberei durchgerutscht. Jetzt wissen wir nicht Recht: Sollen wir es wirklich ändern? Der Fauxpas ist eigentlich viel zu schön….

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