Das gibt ja einen Geschichtenabend am Sonntag: Es ist wieder Night of the profs im Mainzer Staatstheater! In diesem Jahr laden die Professoren der Uni Mainz bei ihrem nächtlichen Themenabend nämlich zum „Varieté Historique“ – es geht um Geschichten aus der Geschichte von Kaiser Nero bis zur Annexion der Krim durch Russland. In Kurzvorträgen von 30 Minuten geben die Forscher Einblick in ihre aktuellen Forschungen über Bonifatius, die Ruinenstadt Ninfa, Gutenberg-Bilder, Boehringer im Nationalsozialismus und vieles mehr.

Night of the Profs im Staatstheater: Geschichten von Kaiser Nero bis zur Annexion der KrimDer römische Kaiser Nero ist ja eher bekannt als Christenverfolger und Zerstörer von Rom – Sonntagnacht könnt Ihr einen anderen Nero kennenlernen: „Nero baut!“ heißt der Vortrag von Professor Marietta Horster, Nero nämlich, so besagt es die jüngste Forschung, war einer der modernsten Architekten Roms. Weiter geht es danach mit dem rauen Umgangston unter Kirchenmännern im 8. Jahrhundert, „Von Heiligen und Heuchlern“ heißt der Vortrag über Bischof Bonifatius und seine Mitstreiter.

„Bürgertum, Schießpulver und Entdeckungsfahrt“ widmet sich den „Gutenbergbilder in der Schule“, Matthias Schnettger erzählt, „Wie man einen Erbfolgekrieg vermeidet – oder auch nicht!“ am Beispiel des Hauses Gonzaga im frühen 17. Jahrhundert – wir befinden uns da natürlich in Italien. Dort steht auch die Stadt Ninfa, die im 14. Jahrhundert vollkommen zerstört wurde – Professor Michael Matheus erzählt Euch die Geschichte des „Pompeji des Mittelalters.“

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Danach berichtet der Historiker Michael Kißener von seinen Forschungen über den Ingelheimer Pharmakonzern Boehringer im Nationalsozialismus. Dessen Chefs machten Geschäfte mit den Nazis, verdienten Geld mit dem Krieg und beschäftigten auch Zwangsarbeiter – echte Nazis seien sie trotzdem nicht gewesen, sagt Kißener: Mitläufer, Profiteure, Vaterlandstreue – aber zugleich wurden jüdische Mitarbeiter so lange es ging gehalten und unterstützt. Bei Boehringer war man streng Deutsch, wie das dazu führte, dass man mitschwamm und mitagierte bei der Vernichtung von Menschen, ist ein spannendes Lehrstück deutscher Nicht-Demokratie-Geschichte.

Zuguterletzt referiert ab 21.30 Uhr Professor Jan Kusber nicht nur über die eine, sondern über die vielen Besetzungen der Krim-Halbinsel – spannendes Geschichtsstoff, der die heutige Annexion durch Russland ganz neu einordnet. Es ist bereits die 11. Night of the Profs der Mainzer Uni, das Format hat sich zu einem echten Schlager entwickelt. Physik, Literatur, Kulturen der Welt – es ist immer super spannend, was die Wissenschaftler zu präsentieren haben.

Info& auf Mainz&: 11. Night of the Profs am Sonntag, den 24. April 2016, 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr, Staatstheater Mainz. Infos und Programm unter www.night-of-the-profs.uni-mainz.de, der Eintritt ist frei.

Das Programm im Überblick

18:00-18:30 Uhr: Mensch und Technik. Das historische Triple-A – Univ.-Prof. Dr. Andreas Rödder

18:30-19:00 Uhr: Nero baut! – Univ.-Prof. Dr. Marietta Horster

19:00-19:30 Uhr: Von Heiligen und Heuchlern. Bonifatius und der raue Umgangston unter Kirchenmännern (des 8. Jahrhunderts) – Univ.-Prof. Dr. Ludger Körntgen

19:30-20:00 Uhr: Zwischen Bürgertum, Schießpulver und Entdeckungsfahrt: Gutenbergbilder in der Schule – Univ.-Prof. Dr. Meike Hensel-Grobe

20:00-20:30 Uhr: Wie man einen Erbfolgekrieg vermeidet – oder auch nicht! Das Haus Gonzaga im frühen 17. Jahrhundert – Univ.-Prof. Dr. Matthias Schnettger

20:30-21:00 Uhr: Ninfa: Das „Pompeji des Mittelalters“ – Univ.-Prof. Dr. Michael Matheus

21:00-21:30 Uhr: Boehringer Ingelheim im Nationalsozialismus – Univ.-Prof. Dr. Michael Kißener

21:30-22:00 Uhr: Die vielen Besetzungen der Krim. Die Geschichte der Halbinsel in zwanzig Minuten. – Univ.-Prof. Dr. Jan Kusber

 

1 KOMMENTAR

  1. Ja das war in der Tat ein großer Abend.

    Müde bin ich um 18 Uhr hingekommen,
    wurde aber immer wacher.
    Hätt auch nochmal vier Stunden verkraftet.

    Am Wichtigsten der Einführungsvortrag:
    Wie die technische Entwicklung den Menschen verändert.
    Hochaktuell im Zeitalter dr beginnenden (!) Digitalsierung.
    Was das alles aus uns macht wissen irn icht; so der Vortragende.
    Aber er endete mit einem „Wir schaffen das, hoff ich“

    Interessant auch die Demonstration völlig unterschiedlicher Vorgehensweisen,
    Interessen und Zielsetzungen der der einzelnen Historiker …

    Und am Ende wurde es wieder hochaktuell:
    Am Beispiel der Familie Boehringe wird aufgezeigt,
    wie die national denkende konservative großbürgerliche Elite
    quasi in die Fänge des Faschismus geraten muß,
    aber – wenn es gut läuft – sich dann doch ein wenig freischwimmt.
    Immerhin wurden nicht nur eine Anzahl von Juden gerettet und
    die Zwangsarbeiter vergleichsweise human behandelt,
    sondern Boehringer kannte auch profilierte Leute aus dem Widerstand
    und verpfiff sie NICHT !

    Und dann die Ukraine …
    Ob das „Heimholen“ durch Putin völkerrechtswidrig war oder nicht …
    Das kann hier und heute nicht entschieden werden.
    So der Vortragende.

    Freu mich schon auf die nächste historische Nacht.

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