Das Thema Rheinbrücken kommt wieder einmal nicht voran, vor fast genau einem Jahr – im Juni 2019 – gab das Land Rheinland-Pfalz eine Machbarkeitsstudie für eine Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim in Auftrag – ein Ergebnis gibt es bisher nicht. Eine private Initiative will nun nicht länger warten: Der Ingelheimer Stefan Schweitzer startete nun eine Online-Petition. Das Ziel: Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer – auf den Pfeilern der alten Hindenburgbrücke.

Online-Petition will Brücke für Fußgänger und Radfahrer zwischen Bingen und Rüdesheim
Zwischen Bingen und Rüdesheim gibt es bis heute keine Brücke – obwohl die Pfeiler der Hindenburgbrücke noch da sind. – Foto: gik

„An der Stelle wird doch in einhundert Jahren keine Autobrücke kommen“, sagt Stefan Schweitzer frustriert. Zehn Jahre lang pendelte der Unternehmensberater von Bingen nach Rüdesheim zur Arbeit, mal mit der Autofähre, mal über die Schiersteiner Brücke. Egal auf welcher Route, „eine Dreiviertelstunde hat das immer gedauert, schneller war’s nicht zu machen“, sagt Schweitzer im Gespräch mit Mainz&. Das Fehlen einer solchen Brücke bewegt die Region seit Jahren, vor allem als die Schiersteiner Brücke über Nacht zusammenbrach, herrschte Chaos auf beiden Seiten des Rheins.

Eine Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim ist von den Bürgern gewollt, von der Wirtschaft dringend benötigt, von Pendlern zwischen Rheinhessen und Rheingau heiß ersehnt – doch in Sicht ist sie noch immer nicht. Nun versucht es Schweitzer auf einem anderen Weg: Der heutige Ingelheimer ist auch begeisterter Radfahrer, mit einer Gruppe Freunde entstand die Idee: Warum dann nicht eine Brücke für Radfahrer und Fußgänger realisieren?

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Online-Petition will Brücke für Fußgänger und Radfahrer zwischen Bingen und Rüdesheim
Beispiel für eine Fußgänger- und Radbrücke über einen Fluß, Architektenentwurf. – Foto: privat

„Wir waren neulich am Neckar, da gibt es diese Radbrücken überall“, berichtet Schweitzer. In Österreich, in Kopenhagen, in London, überall gebe es solche leichte, kleine Querungen für Radfahrer und Fußgänger, meist in zwei bis vier Jahren Bauzeit realisiert – zu Kosten zwischen neun und 20 Millionen Euro, ein Bruchteil dessen, was eine Straßenbrücke koste. Bauen könnte man die Brücke einfach auf den noch existierenden Pfeilern der Hindenburgbrücke, schlägt Schweitzer vor.

Bis 1945 führte die große Eisenbahnbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim über den Rhein, bis heute stehen zwei stabile Basaltpfeiler im Strom. Eine neue Brücke an dieser Stelle war nach dem Krieg durchaus geplant, realisiert wurde sie aber nie. Dabei ist der Bedarf hoch: 2014 sprachen sich rund 80 Prozent bei einer Online-Umfrage der Stadt Bingen für den Bau einer Rheinbrücke aus, bislang scheiterten aber alle Anläufe. Vor allem die Grünen lehnen der Bau einer neuen Brücke bis heute aus Umweltgründen strikt ab, argumentiert wurde auch mit angeblich steigendem Durchgangsverkehr. Die im Juni 2019 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie liegt bislang auch nicht vor.

Online-Petition will Brücke für Fußgänger und Radfahrer zwischen Bingen und Rüdesheim
Am Tor zum Weltkulturerbe Mittelrheintal queren nur Fähren den Rhein. – Foto: gik

Schweitzer plädiert deshalb nun für eine kleine, leichte Brücke, die Radfahrern und Fußgängern erlaubt, den Strom zu queren. Ökologisch wäre die Brücke, denn queren dürften hier nur Fußgänger und Radfahrer, keine Autos, betont er. „Die Brückenpfeiler stehen schon im Rhein, die haben Dampfloks mit 50 Tonnen getragen“, sagt Schweitzer, „es ist eigentlich alles da, man müsste nur den Brückenschlag wagen von einem Pfeiler zum anderen.“

Für Rheinhessen und den Rheingau wäre die Brücke ein Segen, glaubt Schweitzer – und ein Pfund für den Tourismus: „Der Blick von der Brücke würde auf die Germania fallen, den Mäuseturm, die Rochuskappelle bei Bingen“, schwärmt er, das wäre doch ein Ort zum Verweilen und könnte ein touristischer Anziehungspunkt sein. „2029 kommt die Bundesgartenschau von Koblenz bis Bingen, was würde da mehr Sinn machen, als am Endpunkt so eine Brücke zu haben“, fragt Schweitzer.

Und so startete der Ingelheimer eine Online-Petition für eine solche Radfahrerbrücke, 598 Unterstützer haben die Petition seit Mitte Juni unterzeichnet. 271 Kommentare belegen, wie sehr das Thema die Region bewegt: „Es wäre eine Riesenerleichterung“, schreibt ein Rheinhesse, die Fähre bringe oft 30 Minuten Wartezeit mit sich und fahre zudem nachts nicht. „Die Brücke erhöht die Flexibilität für Anwohner und Touristen und stellt eine wertvolle Bereicherung für die Region dar“, schreibt ein anderer.

„Wir wollen Druck aufbauen, dass da mal Dampf reinkommt“, sagt Schweitzer, dass sich in Sachen Rheinbrücken so gar nichts bewegt, ärgert ihn. 12.000 Unterschriften ist das Ziel der Petition. Der Naturschutzbund NABU baue gerade in Sichtweite ein neues Naturschutzzentrum, sagt Schweitzer, mit einer Brücke wäre das gut auch für die Rheingauer zu erreichen: „Wir wollen diese Fußgänger- und Radbrücke jetzt.“

Info& auf Mainz&: Die Online-Petition für eine Fußgänger- und Radbrücke auf den Pfeilern der alten Hindenburgbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim findet Ihr hier im Internet. Mehr zur Machbarkeitsstudie und den Schwierigkeiten einer Autobrücke könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen.

1 KOMMENTAR

  1. Eine große mehrspurige Brücke ist sicherlich bedenklich, denn Strßenneubauten generieren auf rätselhafte Weise Verkehr, den es vorher nicht gab. Zu bedenken ist auch, dass der heutige Massenverkehr mit Stadtpanzern ein Auslaufmodell ist. Die elektromobile Zukunft gehört nicht den tonnenschweren Batteriemonstern sondern dem E-Bike als wahr gewordene Siebenmeilenstiefel. Insofern ist ein Leicht-Brücke zukunftsweisend.

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