Der Osteiner Hof, das ist dieses tolle Barock-Palais am Schillerplatz, von dem jedes Jahr am 11.11. das närrische Grundgesetz verkündet wird. In dem Palais residierte bisher die Bundeswehr, doch die zieht am 31. März aus. Lange war unklar, was dann mit dem Palais geschehen würde – die Stadt Mainz hätte es zwar gerne, hat aber kein Geld, das denkmalgeschützte Gebäude zu renovieren. Am heutigen Donnerstag wurde nun bekannt gegeben, wie es weiter geht: das Gebäude wird an eine „Osteiner Hof Entwicklungsgesellschaft“ verkauft.

Osteiner Hof am Schillerplatz verkauft!
Der Osteiner Hof in Mainz – Foto: Berthold Werner

Damit endet eine langjährige Hängepartie um das barocke Adelspalais am Schillerplatz – und leider auch der Vorschlag, dort könne doch das Rathaus hinkommen 😉 Schade eigentlich…. Die Stadt jedenfalls konnte sich die Übernahme nicht leisten, Prüfungen ergabne nämlich einen hohen Sanierungsstau und dazu noch mangelhaften Brandschutz. Auch das Land Rheinland-Pfalz hatte bereits dankend abgewinkt. Ein Schmuckstück mitten in Mainz, und keiner will es haben…

Käufer: Wiesbadener DEUWA plus Projektmanagement GmbH

Nun, die neue Entwicklungsgesellschaft schon: Die Investoren wollten unter Wahrung des Denkmalschutzes „eine attraktive Mischung aus Wohnen und tertiärem Gewerbe“ verwirklichen – was immer das heißen soll. Hinter der Entwicklungsgesellschaft stehen nach Angaben der Stadt die Deutsche Wohn- und Anlagengesellschaft Wiesbaden (DEUWA) sowie eine AK Projektmanagement Beteiligungs GmbH. Die DEUWA ist unter anderem auf denkmalgeschützte Gebäude spezialisiert und kennt sich auch in Mainz aus: Die DEUWA enttwickelte in den ehemaligen Lee Barracks Wohnungen im gehobenen Bereich.

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Die Stadt Mainz reagierte jedenfalls hoch erfreut: „Die konzeptionellen Vorstellungen der Initiatoren decken sich weitestgehend mit denen der Stadt Mainz“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Donnerstag in Mainz. Erleichtert ist man bei der Stadt auch deshalb, weil man unbedingt einen Leerstand vermeiden wollte. Nun kann die Bundeswehr direkt den Schlüssel an die neuen Besitzer übergeben. Und auch die öffentliche Nutzung des Balkons am 11.11. sei vorgesehen, hieß es von der Stadt.

Adelspalais für Familie von Ostein

Osteiner Hof am Schillerplatz verkauft!
Toller Ausblick für die künftigen Bewohner: Schillerplatz mit Fastnachtsbrunnen – Foto: gik

Der Osteiner Hof wurde zwischen 1747 und 1752 für den Kurmainzer Oberamtmann Franz Wolfgang Damian von Ostein erbaut, der gute Mann war immerhin der Bruder des Mainzer Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein(1689-1763), so weiß es jedenfalls Wikipedia zu berichten. Das Palais war offenbar das letzte monumentale Gebäude, das um den Platz herum errichtet wurde, der damals übrigens Thiermarkt hieß.

Lange hatte die Adelsfamilie von Ostein allerdings keine Freude an dem Haus: Als die Franzosen 1792 nach Mainz kamen, enteigneten sie die Familie, der Osteiner Hof ging in öffentlichen Besitz über. Mainz wurde die Hauptstadt des Départment Donnersberg unter dem berühmten Präfekten Jeanbon St. André – ihr wisst schon, das ist der, der auch den Mainzer Hauptfriedhof gegründet hat. Unter den Preußen wurde das Palais Sitz des Prinzen Friedrich Karl Nikolaus von Preußen.

Standort von Franzosen & Militär

1914 wurde von dem Mittelbalkon aus der Mainzer Bevölkerung der Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914–1918) durch General Hugo von Kathen bekanntgegeben. Im Zweiten Weltkrieg brannte auch der Osteiner Hof völlig aus, wurde aber auf Betreiben der Franzosen zwischen 1947 und 1948 wieder hergestellt. Merci bien, mes Amies!

Bis zum 31. März 2014 diente das Gebäude dann als Standortkommandantur der Bundeswehr. Die zieht nun ab, weil das Wehrbereichskommando II als Standort der Bundeswehrverwaltung aufgegeben wird. Zuständig für das Gebäude war deshalb die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, und die suchte nun schon fünf Jahre lang einen Käufer. Zuletzt wurde das Palais auf der Immobilienmesse Expo Real in München präsentiert.

Geplant: Büros, Wohnungen und Tiefgarage

Nun also soll eine Mischnutzung her: Geplant seien etwa zu einem Drittel Büros, weiß die Allgemeine Zeitung zu berichten. Dazu solle im Hof eine Tiefgarage gebaut werden, mit Zufahrt über die Gaustraße. Die ÖDP sorgte sich deshalb umgehend um den Garten mit seinem alten Baumbestand im Osteiner Hof: „Wir befürchten, dass die Tiefgarege negative Konsequenzen für den Garten und den alten Baumbestand im Innenhof des Gebäudes haben könnte“, sagte ihr Fraktionsvorsitzender Claudius Moseler. Auch die Erschließung über die Gaustraße könne zu Verkehrsproblemen führen.

Auch widerspreche die jetzt angestrebte Nutzung wahrscheinlich einem öffentlichen Zugang zu dem Adelspalais, sagte Moseler weiter. Außerdem halte man das Konzept des neuen Eigentümers für wenig originell. „Das ist sehr schade für diesen außerordentlich exponierten Standort. Man hätte hier mehr draus machen können“, kritisierte Moseler.

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP im Rathaus begrüßte hingegen einhellig den Verkauf: Man sei froh, dass ein langwieriger Leerstand habe vermieden werden können, der private Investor sei positiv zu bewerten. Auch sei ja eine öffentliche Nutzung „in Teilen nicht ausgeschlossen“ – insbesondere könne ja nun die Verkündigung des närrischen Grundgesetzes am 11.11. weiter auf dem Balkon stattfinden. Schon lustig, welche Prioritäten da gesetzt werden…

Also alles gut am Schillerplatz? Mainz& ist sich da nicht so sicher – die Vorstellung vom Wohnen dürfte auf Luxuswohnungen hinaus laufen. Und was soll bloß „tertiäres Gewerbe“ sein? Wir bleiben dran….

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