Nun, wir geben zu, der „Faust“ hat uns zur Überschrift in klassischer Manier à la Shakespeare inspiriert. Aber schließlich ist das Thema Auto und Parken ja auch eines, dass große Teile dieser Gesellschaft heftig bewegt – und noch heftigere Diskussionen auslösen kann. Wie etwa die um Parkgebühren. Das erlebten auch die Interviewer des Geografischen Instituts der Uni Mainz im Mai 2013 beim Thema Parken. Teil 2 unserer Serie Mainzer Innenstadt – wie entwickelt sich die City?

Zwei Kangoos in Türkisblau parken in der Mainzer Innenstadt hintereinander - Foto: gik
Achtung Doppelgänger! Bei den Parkpreisen in Mainz meinen manche schon doppelt zu sehen – Foto: gik

Bei ihrer Langzeitstudie zur Entwicklung der Innenstädte von Mainz und Wiesbaden stellten die Forscher nämlich eine skurrile Situation fest: Satte 90 Prozent der befragten Passanten hielten die Parkgebühren in Mainz etwas zu hoch oder viel zu hoch, ein geradezu dramatischer Wert. Stellten die Interviewer allerdings die Frage „Was stört Sie am meisten in der Mainzer Innenstadt?“, klagten nur 3 Prozent  über zu hohe Parkgebühren. Wie groß also ist das Problem nun wirklich?

Parkgebühren wirklich zu hoch?

Die Geografen versuchten, sich der Frage statistisch und im Vergleich mit Wiesbaden zu nähern. Praktischerweise stehen ihnen dafür Daten aus zehn Jahren zur Verfügung – die Studie wurde 2003 gestartet. Und da stellt man verwundert fest: Die Einschätzung der Parkgebühren als zu hoch oder angemessen, ist im Jahr 2013 praktisch wieder auf den Werten von 2003 angekommen. Im Klartext: 58 Prozent der Passanten fanden die Parkgebühren „viel zu hoch“ (2003: 55 Prozent), 32 Prozent „etwas zu hoch“ (2003: 32 Prozent), und nur 10 Prozent fanden sie angemessen (2003: 13 Prozent).

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Königslimousine vor Staatskanzlei in Wiesbaden
Der hat kein Parkplatzproblem: Limousine des holländischen Königspaars vor der Staatskanzlei in Wiesbaden – Foto: gik

Skurrilerweise fällt das Urteil in Wiesbaden deutlich besser aus: Dort sind 19 Prozent der Meinung, die Parkkosten seien „angemessen“, 39 Prozent halten sie Parkgebühren für „etwas zu hoch“, und nur 42 Prozent beurteilen sie als „viel zu hoch“ – das sind 16 Prozentpunkte weniger als in Mainz.

Skurril ist das deshalb, weil in den Parkhäusern in Mainz aktuell die erste Stunde zwischen 1,80 Euro und 1,90 Euro kosten, in Wiesbaden die zentralen Parkhäuser dagegen pro Stunde 2,- Euro nehmen – den Kaufhof ausgenommen, aber der subventioniert ja auch die Parkpreise, um Kunden zu ködern, was völlig legitim ist. Im Wiesbadener Parkhaus unter’m Markt zahlt man sogar stolze 2,40 Euro pro Stunde!

In Mainz wiederum fanden bei der Umfrage 82 Prozent der Innenstadtbesucher gleich einen freien Parkplatz, in Wiesbaden waren es sogar 85 Prozent. In Mainz war es an den Wochentagen Donnerstag und Freitag alleredings deutlich schwieriger – nur 77 Prozent fanden sofort einen freien Platz -, während dies am Samstag auf satte 90 Prozent der Autofahrer zutraf.

Parkschnäppchen Rheinufer

Blick vom Mainzer Rheinufer auf Mainz-Kastel und die Theodor-Heuss-Brücke
Drum prüfe, wer hibbe und wer dribbe parkt (für Neu-Mainzer: hüben und drüben) – Foto: gik

In Mainz gibt es dann auch noch die Außenseiter unter den Tiefgaragen wie das Parkhaus am Rheinufer. Offenbar nutzen das immer noch nur wenige, geht man nach den Preisen: Hier kostet die halbe Stunde statt 1,10 Euro nur 0,60 Euro, die Nachthöchstgebühr beträgt sagenhafte 3,- Euro, und beim Langzeitparken von 6 Stunden zahlt man nur 3,60 Euro, also den Preis von ganzen 3,5 Stunden. Wiesbaden hält mit Parkhäusern wie dem Lilliencarree am Bahnhof gegen, das gerade mal 1,- Euro pro Stunde, und maximal überhaupt nur 4,- Euro kostet.

Einzelhändler sehen Parksituation kritisch

Woher kommt also die Einschätzung, Mainz sei so viel teurer als Wiesbaden? Die Forscher weisen vorsichtig in Richtung öffentlicher Diskussion um „zu hohe“ Parkgebühren in Leserbriefen und Klagen der Einzelhändler. Denn für die Park-Studie befragten die Geografen auch 297 Einzelhändler, und von denen gaben 16 Prozent zu teure Parkplätze als eines ihrer Hauptprobleme an, 13 Prozent nannten fehlende Parkplätze gravierendes Problem für ihre Entwicklung. 36 Prozent forderten sogar eine Senkung der Parkgebühren, 27 Prozent eine Verbesserung der Parksituation.

Das soll jetzt nicht heißen, die Einzelhändler würden unzulässigerweise jammern – im Gegenteil: Wenn etwas als Problem so stark wahrgenommen wird, dann ist es auch eines – und zwar egal, wie die Fakten aussehen. Das sahen am Ende auch die etwas ratlosen Geografen so: Gegenwärtig würden in City-Lagen anderer Städte eine die Parkgebühren teils drastisch angehoben, etwa in Frankfurt, mahnten sie die Mainzer zu mehr Realismus. Und gaben dennoch die abschließende Empfehlung: „Von einem solchen Schritt ist in Mainz angesichts der niedrigeren Parkgebühren in Wiesbaden allerdings dringend abzuraten.“

Infos zu den Parkhäusern in Mainz und ihren Preisen gibt es bei der PMG, der Parken in Mainz GmbH. In Wiesbaden gibt es so einen Übersicht von öffentlicher Seite her nicht, jedenfalls hat Mainz& keine gefunden. Deshalb empfehlen wir ganz ohne Gewähr die Seite parkopedia.de.

Im Rahmen der Serie Mainzer Innenstadt – wie entwickelt sich die City? sind bereits folgende Teile auf Mainz& erschienen:

Teil 1: Beim Shoppen zu wenig Auswahl & Qualität?

Die Langzeit-Studie des Geografischen Instituts zum “Brennpunkt Mainzer City” könnt Ihr hier nachlesen.

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