Mainz& exklusiv: Die Coronapandemie ist alles andere als vorbei, für die Gastronomie gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln – doch in einer Mainzer Altstadtkneipe wurde am Montagabend fröhlich gefeiert. Noch gegen 22.15 Uhr habe man aus dem „Heringsbrunnen“ lauten Feierlärm gehört, „da ist ja die Hölle los“, sagte eine Nachbarin, völlig konsterniert – wie das denn sein könnte in Corona-Zeiten? Mindestens 40 Personen hätten sich in der engen Eckkneipe gedrängt, berichten gleich mehrere Augenzeugen, vor der Tür wurden Handyfotos gemacht. Das Pikante dabei: Bei den Feiernden handelte es sich nach Recherchen von Mainz& und Boostyourcity zumindest teilweise um Polizeibeamte aus Mainz und Umgebung. Die Mainzer Polizei bestätigte: Es habe eine Feier von Polizeibeamten an dem Abend in der Kneipe gegeben.

Party in Coronazeiten: Polizisten feiern in Altstadtkneipe in Mainz, ohne Abstand und nach Sperrstunde
Im „Heringsbrunnen“ in der Mainzer Altstadt wurde am Montagabend feste gefeiert – trotz Coronapandemie und Sperrauflagen. – Foto: gik

Seit dem 13. Mai dürfen in Rheinland-Pfalz Restaurants und Gaststätten wieder öffnen, doch eigentlich nur unter strengsten Auflagen: Ein Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Tischen muss gewährleistet sein, nur Bedienung direkt am Tisch ist erlaubt, ein Barbetrieb verboten. Im Mainzer „Heringsbrunnen“ war davon offenbar am Montagabend nichts zu sehen: Mainz& und der Internetzeitung Boostyourcity liegen Schilderungen und Fotos gleich mehrerer Augenzeugen vor, nach denen in der Kneipe wie in Vor-Corona-Zeiten gefeiert wurde.

Mindestens 40 Personen hätten sich dicht an dicht in der Kneipe gedrängt, das Bier sei in Strömen geflossen und auch durch das Fenster auf die Straße gereicht worden. Gleich mehrfach seien Personengruppen vor die Tür getreten, man habe auf den Treppenstufen gesessen, Fotos voneinander gemacht, darunter seien auch immer wieder Jugendliche gewesen. Abstand sei dabei nicht gehalten worden, einen Mund-Nasen-Schutz habe niemand getragen. Mainz& und Boostyourcity liegen Fotos vor, die das belegen, auf Videos, die uns zugeschickt wurden, hört man deutlich den Lärm der Feiernden durch die Fenster. Das muntere Treiben sei bis weit nach 22.00 Uhr gegangen, berichten Anwohner, obwohl ab 22.00 Uhr die Restaurants eigentlich geschlossen sein müssen – das wäre ein Verstoß gegen die derzeit geltenden Sperrzeiten.

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Party in Coronazeiten: Polizisten feiern in Altstadtkneipe in Mainz, ohne Abstand und nach Sperrstunde
Fotos vor der Kneipentür, ohne Abstand und ohne Mundschutz: Heringsbrunnen am Montagabend. – Foto: Mainz&/Boostyourcity

Das Brisante zudem: Nach Recherchen der Internetzeitungen Mainz& und Boostyourcity handelte es sich bei den Feiernden um Polizeibeamte. Getroffen hätten sich dort Polizisten der Mainzer Polizeiinspektion 1 in der Weißliliengasse, aus der Inspektion 2 am Valenciaplatz sowie aus einer Inspektion in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz. Immer wieder seien neue Personen zu den Feiernden in der Kneipe hinzugestoßen, darunter auch etwa ein Dutzend Jugendlicher, berichten Anwohner.

Bei der Mainzer Polizei räumt man ein: Es habe in der Tat eine Gesellschaft von Polizeibeamten gegeben, die sich am Montagabend im „Heringsbrunnen“ getroffen habe. „Dem Wirt ist angekündigt worden, dass sich eine Gruppe von Polizeibeamten dort treffen wollte“, bestätigte Polizeisprecher Matthias Bockius der Internetzeitung Mainz&. Die Beamten hätten ordnungsgemäß reserviert und sich mit Namen und Adressdaten angemeldet. Man habe wegen „mehrerer besonderer Anlässe an diesem Tag die Gaststätte besuchen wollen“, bestätigte die Polizei schriftlich gegenüber Boostyourcity.

Wie hoch die Zahl der Polizeibeamten gewesen sei, die in der Kneipe reserviert hatten, das sei „derzeit noch in der Prüfung“, sagte Bockius gegenüber Mainz& weiter. Allerdings hätten sich „offensichtlich im Laufe des Abends noch weitere Personen eingefunden“, räumte der Sprecher ein, „das hat das Einhalten der Abstandsregeln schwierig gemacht.“ Es werde derzeit „geprüft, ob das passiert ist und wie das passiert ist“, sagte Bockius, und betonte, das Polizeipräsidium nehme den Vorfall sehr ernst.

Party in Coronazeiten: Polizisten feiern in Altstadtkneipe in Mainz, ohne Abstand und nach Sperrstunde
Auch eine weitere Gruppe meist jugendlicher Personen feierte unbeirrt auf den Eingangsstufen. Das Foto ist ein Ausschnitt aus einer Videoaufnahme. – Foto: Mainz&/Boostyourcity

Der Betreiber des Heringsbrunnens spricht selbst auf seinem Facebookprofil davon, dass durch die Coronaauflagen die Menge seiner Besucher auf 30 begrenzt sei, mehr dürfe er in den engen Räumen nicht zulassen. Die Augenzeugen berichten jedoch von deutlich mehr Personen am Montagabend. Auch hatte der Wirt den Montagabend als „geschlossene Gesellschaft“ auf seiner Seite deklariert. Die Nachbarn berichten zudem, sie hätten gleich zweimal die Polizeiinspektion in der Weißliliengasse von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt: einmal um 22.17 Uhr und einmal um 22.28 Uhr – eine Streife sei aber erst um 23.07 Uhr dort eingetroffen, obwohl das Revier nur wenige Hundert Meter weit entfernt ist.

Vor dem Eintreffen der Streife hätten zudem rund 20 Personen die Kneipe verlassen, darunter auch viele Jugendliche. Auf der Straße hätten sie sich „laut beschwert“, dass sie jetzt gehen müssten – weil gleich die Polizei eintreffe, und damit die Feier vorbei sei. Eine Polizeistreife sei tatsächlich kurz danach eingetroffen, die Beamten mit Mundschutz in die Kneipe gegangen – und eine ganze Weile nicht herauskommen. Wirklich vorbeigewesen sei die Feierei erst weit nach Mitternacht: Die letzten Gäste hätten den Heringsbrunnen erst gegen halb eins verlassen.

Bei der Polizei heißt es dazu, es sei in der Tat eine Polizeistreife vor Ort gewesen: Die Beamten „haben dort Personen angetroffen, und sie auf die Einhaltung der Vorschriften hingewiesen“, sagte Bockius. Um wie viel Uhr das gewesen sei, und welche Konsequenzen das gehabt habe, das werde derzeit noch geprüft. „Die Personen vor Ort waren alle bekannt“, fügte er noch hinzu.

Info& auf Mainz&: Über die strengen Regeln für die Gastronomie haben wir ausführlich hier bei Mainz& berichtet. Alle im Text genannten Augenzeugen sind der Redaktion namentlich bekannt. Eine weitere Reaktion der Mainzer Polizei erreichte uns am Mittwochabend – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

3 KOMMENTARE

  1. Danke für diesen Artikel. Da fehlen mir die Worte und ich hoffe auf nachhaltige Konsequenzen für die Beteiligten.
    Umso befremdlicher, dass sich der Betreiber des Heringsbrunnens auf seiner Facebook-Seite am 17. Mai um 11:00 Uhr noch damit gerühmt hat, sich an alle Regeln und „Gesetzeskonform“ zu verhalten.

  2. Gerade junge Polizisten wähnen sich gerne über Gesetz und Recht und leben ihr Sendungsbewusstsein gerne aus in der Zuversicht, sakrosankt zu sein. Wenn etwas ruchbar wird, wird alles unter den Tisch gekehrt, oft unter Missbrauch von Bauernopfern. Ich habe bittere Erfahrungen. Unter meinem Namen bei Google zu finden. Weitere Info unter dem Suchbegriff „Richter Fahsel“. Wer erinnert sich noch an den Mainzer Asservatenskandal. Damals wurde der Verlust von 1200 Euro und Drogen zum „natürlichen Schwund“ verbogen und das halbherzige Ermittlungsverfahren eingestellt. Übrigens: Die Staatsanwalt ermittelt selten selbst und delegiert alles an die Polizei. Und was soll herauskommen, wenn die Polizei gegen sich selbst ermittelt? Ein Schelm,…

  3. Entschuldigt bitte, wenn mein Beitrag vielleicht etwas sarkastisch rüber kommt, aber… Als ich die Überschrift zuerst auf spiegel.de las, dachte ich, dass da die „Jungs“ aus der Poizeikaserne in Hechtsheim ihrem Lagerkoller entfliehen wollten. Nach den Berichten hier auf Mainz& handelt es sich jedoch um mehr oder minder „gestandene“ Polizisten aus drei Revieren. Das kann doch nicht angehen! Mich würde brennend interessieren, was der Wirt vom Heringsbrunnen dazu sagt, wie es zu dieser „Eskalation“ kam. Bis 30 wird er wohl noch zählen können.
    Ich erwarte von Polizisten nicht, dass sie sich privat anders verhalten als jede/r andere. Also möglichst regelkonform und gesetzestreu.
    *kopfschüttelnd*
    Tina

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