War das eine heiße Nacht! Das neue Pengland in der ehemaligen Peter-Jordan-Schule wurde an seinem Eröffnungsabend schlicht überrannt. Wahre Menschenmassen zogen am Samstagabend von der Innenstadt hinauf auf den Hartenberg und weiter bis zum Hartenbergpark. Direkt davor: das Pengland in der alten Schule. Die Umwandlung in einen Space für Kunst & Kommunikation: voll gelungen. Peng 7.0 heißt die Reise durch Raum und Zeit. Prädikat: absolut sehenswert!

Pengland 7.0 zur Eröffnung überrannt
Peng in der Schule – Foto: gik

„Jede Location ist anders, jede Location prägt uns anders“, sagte Peng-Vorsitzender Andreas Fitza zu Beginn des Abends gegenüber Mainz&, und betonte: Die Größe der Schule sorge auf jeden Fall für Rückenwind. Seit 2006 gibt es nun Peng, die Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation e.V., wie Peng sich offiziell nennt. Leicht hatte es Peng in Mainz nie: „Die längste Strecke an einem Ort hatten wir in der Reichsklarastraße, das waren zweieinhalb Jahre“, sinnierte Pengler Thomas Richartz: „Das war eine sehr produktive Zeit.“

Seitdem ist das Pengland sechsmal umgezogen, zuletzt hatte der Zusammenschluss eine vorübergehende Heimat in einem alten Autohaus am Binger Schlag gefunden. Die Räume dort: groß, licht, aber manchmal auch unpraktisch, weil das Autohaus keine trennenden Wände kannte. Das ist in der alten Peter-Jordan-Schule deutlich anders: Viele Klassenräume geben Raum für verschiedene Ideen, laden ein zum Möblieren, ausprobieren, experimentieren.

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Pengland 7.0 zur Eröffnung überrannt
Großer Schlag oder große Wasserwelle – Foto:gik

Und die Pengler folgten dem Ruf der leeren Räume: Gleich zwei Ausstellungsstränge parallel bevölkerten das Pengland mit Ideen, Bildern und Skulpturen. Eine davon die Pengler selbst, der zweite Strang aber sind Studierende der Kunsthochschule Mainz. Und die nehmen in ihren Arbeiten die Herausforderung der leeren Räume voll an.

Da ist Kunststudentin Naehoon Huhn aus Südkorea, die seit vier Jahren in Deutschland lebt, davon seit drei Jahren in Mainz. Ihre unglaubliche Plastik aus weißem Gips wächst aus der Wand des Raumes heraus, schlägt Wellen, schafft Höhlungen, türmt sich auf wie ein Gebirge. „Der große Schlag“ nennt Naehoon ihr Werk, die Assoziation ist nicht ganz leicht zu verstehen. Doch die Kunststudentin will damit eine tiefliegende Emotion abbilden: die Angst.

„In Deutschland zu leben, ist für mich eine Herausforderung“, erzählte Nahoon Mainz& : „Manchmal habe ich auch ein wenig Angst deswegen.“ Die Angst, sie solle raus, nach außen getragen werden, der Gips aber sei ein sehr massives Material – daher der Schlag. Nun, Mainz& fand das imposante Werk eher luftig-leicht, fließend und zugleich sich auftürmend wie ein Berg, der auf einen herabzustürzen droht. Eines aber ist Naehoon auf jeden Fall auch gelungen: „Ich wollte den Raum erweitern.“

Pengland 7.0 zur Eröffnung überrannt
Speiglein, Spieglein an der Wand – Penglang – Foto: gik

Mit dem Raum spielen, das taten auch die anderen Künstler. Eine Videoinstallation im Flur erweiterte den benachbarten Bar-Raum mit Werbungsfilmen für Afri-Cola aus der Vergangenheit, eine Installation von Dutzender kleiner Spiegel machte aus dem dunklen Flur Fenster in neue, verzerrte Dimensionen, spielend mit Sehnsüchten und Blickwinkeln.

Nebenan im Raum möblieren Petra Stipetic und Micha Mainka das leere Zimmer mit Möbeln aus Bleistiftstrichen, imaginiertem Aquarium sowie einer Reihe kleiner Skulpturen.

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Neue Möbel für alte Schule: Pengland – Foto: gik

Britta Kirst hingegen hat Fotografien von Gegenständenden Gegenstand selbst entzogen – es bleibt nur der weiße Schattenwurf, der dennoch „die Information der Dinge“ selbst transportiert. Und Hyeongsuk Kim spielt mit Schnüren und UV-Licht im Raum, und hat ihre Installation mit drei Bildern dokumentiert. Peng 7.0 spielt mit den Räumen – und drückt dem verlassenen Gebäude seinen eigenen Stempel auf.

Das traf auch für die nicht-künstlerischen Bereiche zu: Schwarzlicht untermalte den einen Treppenaufgang, bunte Lichter und Musik den zweiten. Mehrere Thekenbereiche brachten Bier, Apfel-Cidre und alkoholfreie Limonaden unters Volk.

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Iranisches Essen & leckeres Crèpes: Futterstelle im Pengland – Foto: gik

Im Hof fand sich eine Bude mit iranischem Essen und Crèpes, hinter der Bude wurden die leckeren Lamm-Rindswurst-Würstchen gegrillt. Daneben verwandelte ein Fotograf die Vorbeikommenden in Stilleben mit bunten Blüten – auch den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), der am Abend ganz unaufdringlich vorbei schaute.

Peng und die Politik, das ist keine unbelastete Beziehung: Jahrelang schienen die Stadt-Veranwortlichen Peng eher als Ärgernis zu sehen, denn als Chance für eine immer jünger werdende Stadt. Peng wurde, wie viele Kulturinitiativen in Mainz, vertrieben und verschoben. „Als wir vor fünf Jahren anfingen, Kontakte zur Politik aufzubauen, wurde das im Verein heftig diskutiert“, erinnert sich Fitza. Für ihn ist aber längst klar: „Wir verkaufen uns auf keinen Fall!“

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Foto-Kunst im Blütenrausch: das neue Pengland – Foto: gik

Durch die Kooperation mit der Politik sei es gelungen, immer neue Räumlichkeiten zu bekommen. „Wir verschenken die Räume weiter“, betont Fitza: „Der Weg ist definitiv der Richtige!“Und dass das Pengland im Jahr mehr Besucher habe als die Kunsthalle, „das sagt ja auch schon was.“

Nun hat das Pengland einen festen Mietvertrag auf ein Jahr mit der Stadt, und die Chance, länger bleiben zu können, sei definitiv da, meint der Vorsitzende: Die geplante Bebauung des Geländes mit Wohnungen könne durchaus noch länger auf sich warten lassen. Und auch die Schule selbst sei noch gar nicht zu Ende erforscht.

Der viele Platz, er ist ein Segen für das Pengland. Hier könnten gleichzeitig Ausstellungen, Lesungen und eine Filmvorführung stattfinden schwärmt Fitza, weil die alten Klassenräume untereinander gut abgeschirmt seien. Im Erdgeschoss ist jetzt auch Platz für die Bike-Kitchen des Penglands. Jeden Donnerstag von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr kann hier jeder mit seinem alten Rad vorbei kommen, und bekommt Hilfe, Tipps und Werkzeuge zum Reparieren.

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Bike-Kitchen Macher im Pengland: Sebastian & Matthias – Foto: gik

„In Mainz gibt’s viele Fahrräder, da hat so etwas einfach gefehlt“, sagte Matthias, der selbst Medizin studiert. In der Bike-Kitchen werde viel recycelt, und viele Studenten hätten ja nicht so viel Geld. Seit einem Jahr gibt es die Bike-Kirchen, und jetzt hat sie auch einen eigenen Werkstattraum im Erdgeschoss der Schule, Rollstuhlrampe nach draußen inklusive. Fahrrad-Retter Nummer zwei ist Sebastian aus Polen, der demnächst Elektrotechnik studieren möchte, und übers Pengland staunt: „So viele verschiedene Leute, die so viele verschiedene Dinge machen…!“

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Schattenspiele bei Nacht im Pengland – Foto: gik

Das ist eine sehr akurate Zusammenfassung vom neuen Pengland 😉 Ein bisschen machen sich die Pengler ja auch noch Sorgen, weil ihr neues Domizil ja ziemlich abseits liegt. Der Trailer zur Pengland-Eröffnung nahm das sehr lustig aufs Korn mit Leuten, die sich durch den Wald kämpfen, Zäune überklettern oder mühsam durchs Fenster steigen.

Doch diese Sorge dürfte sich nach Samstagabend aufgelöst haben: War am frühen Abend noch viel Zeit und Luft, durch die Räume zu spazieren, strömten ab 21.00 Uhr die Leute ins Pengland. Und es kamen viele. Und es kamen noch mehr. Um Mitternacht waren im Pengland alle Treppen und Flure voll belegt, im Hof drängten sich die Leute, im Eingang standen sie, vor der Tür kamen sie. Den gesamten Weg an den Berufsbildenden Schulen entlang: noch mehr Leute in Richtung Pengland. Der Bus: rappelvoll in Richtung Pengland. Sensationell.

Und so schrieben die wahrscheinlich ziemlich erschöpften Pengler am Sonntag auf ihrer Facebook-Seite nur einen Satz: „Ihr habt gestern das Peng gerockt!“

Info& auf Mainz&: Das Pengland ist für jeden Kreativen mit seinen Ideen offen. Jeden Dienstag gibt es ab 21.00 Uhr das Offene Wohnzimmer, dort kann jeder seine Idee vorstellen und auch gleich konkrete Schritte zur Umsetzung machen. Quatschen, Networking, Veranstaltungen planen – alles geht. Infos dazu auf Pengland.de und bei Peng auf Facebook. Die Bike-Kitchen öffnet jeden Donnerstag von 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Die aktuelle Ausstellung „All Work and no Play“ im Pengland könnt Ihr noch bis einschließlich 26. April besuchen, und zwar mittwochs, freitags und samstags von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr.

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