Martin Frey ist seit zwanzig Jahren Fachjournalist für den Bereich Erneuerbare Energien, nun hat der Mainzer ein Buch geschrieben, ein besonderes Buch: Einen Reiseführer zu Projekten der Erneuerbaren Energien. Darin gibt Martin Frey gut 200 Tipps zu Ausflugszielen, wo Ihr Erneuerbare Energien erleben könnt. Manche sind weiter entfernte Ziele, andere aber einfach nur Tagestripps in dre Region. Also genau das Richtige für eine zweite Herbstferienwoche!

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Immer auf den Sprung zu einer guten Idee: Martin Frey – Foto: gik

Und falls Ihr Euch wundert: Gisela Kirschstein und Martin Frey kennen sich schon seit 17 Jahren, aus gemeinsamen Tagen als freie Mitarbeiter bei der Mainzer Rhein-Zeitung. Also wundert Euch deshalb bitte nicht, wenn wir uns hier gegenseitig duzen 😉 Und statt Zwischenüberschriften gibt es dieses Mal rot markierte Schlagworte, daran könnt Ihr Euch durch das Interview hangeln. Viel Spaß dabei!

Mainz&: Hallo Martin, schön, dass Du Zeit hast für ein Interview mit Mainz&! Du bist seit vielen Jahren Fachjournalist für Erneuerbare Energien, wie kamst Du eigentlich dazu?

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Frey: Ich bin über den Solar-Pionier Hermann Scheer zu den Erneuerbaren Energien gekommen, ich war auf einem Vortrag von ihm im Rathaus für die Mainzer Rhein-Zeitung, da habe ich Feuer gefangen. Ich habe dann sein Buch gelesen, und da war es eigentlich um mich geschehen, weil ich da gemerkt habe: Das ist eine der wichtigsten Aufgaben für unsere Generation! Wir müssen den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien schaffen, und das so schnell wie möglich – bevor es zu spät ist und solange es uns noch gut geht. Und ich glaube, es helfen nur gute Beispiele, nur Vorbilder – und dass jeder selbst etwas tut.

Mainz&: Wie kam’s denn zu dem Baedecker „Erneuerbare Energien“?

Frey: Ich bin durch meine Reisen zu Konferenzen, Projekten und Unternehmen in ganz Deutschland auf viele interessante Orte und Projekte gestoßen. Da habe ich mir gesagt: Das möchte ich nicht für mich behalten, sondern mit möglichst vielen Menschen teilen. Es geht darum, dass man innovative Leute und Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien besuchen kann, da Urlaub machen, ein paar Tage verbringen kann.

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview Ich möchte zeigen, wie Leben in der Zukunft heute schon möglich ist, ganz unverbindlich – praktisch ein Probewohnen in der Zukunft. Dafür habe ich die positiv funktionierenden Projekte zusammenzutragen, so entsteht ein Bild von einem innovativen und nachhaltigen Deutschland.

Mainz&: Wie innovativ ist Deutschland denn eigentlich?

Frey: Vor zehn Jahren war noch „nur“ die Gegend um Freiburg ein Schwerpunkt, inzwischen haben die Erneuerbaren aber jeden abgelegenen Winkel erreicht – ebenso wie die Metropolen. Im Prinzip ist von Freiburg aus weltweit die Solar-Entwicklung inspiriert worden, Nord- und Ostfriesland waren die Keimzelle für die Windenergie. Die Vielfalt der Projekte bei uns ist einmalig, die Konzentration und die Durchdringung in der Fläche, da sind wir weltweit schon Spitze.

Mainz&: Also haben „wir“ das mit den Erneuerbaren Energien „erfunden“?

Frey: Die Erneuerbaren wurden bei uns stark voran gebracht durch die politischen Rahmenbedingungen, gerade auch durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Das EEG schafft den Erneuerbarer Energien Vorrang und damit Waffengleichheit zu den fossilen Energiequellen. Damit kann jeder Mensch, Du und ich, in eine Anlage investieren, und bekommt einen fairen Preis dafür, das ist der Gedanke, der dahinter steht. Das ist weltweit ziemlich einmalig.

Mainz&: Sind diese Gedanken im EEG nicht längst unter die Räder gekommen? Etwa durch das Zusammenstreichen der Photovoltaik-Förderung?

Frey: Das hat die Branche ziemlich stark verunsichert, und auch Banken zum Zögern gebracht, dadurch sind schon viele Projekte gescheitert. Viele Unternehmen sind jetzt an der Klippe und das ist eine sehr ungute Entwicklung.

Mainz&: Würdest Du heute noch jemandem raten, sich eine Solaranlage aufs Dach zu setzen?

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Ein Bürgermeister, eine Solaranlage, viel Land: Beispiel Wolfhagen – Foto: gik

Frey: Einfamilienhausbesitzern würde ich das auf jeden Fall raten, aber ich würde davor warnen, dass man es macht, um Geld zu verdienen. Es ist eher so eine Art von „gutes Gefühl“, dass man etwas tut, aber auch dass man sich ein Stück weit unabhängig macht von steigenden Stromkosten. Also wenn ich einen Teil des Stroms selbst verbrauche, spare ich ja den Einkauf-Strom aus dem Netz – und der kann sich dann preislich entwickeln, wie er will, ich bin dann unabhängig.

Übrigens sollte man auch nicht immer nur an Solarstrom denken, sondern auch an Solarwärme. Da gibt es zwar keine sinnvolle Förderung, trotzdem sollte man sich den Platz auf dem Dach freihalten für eine ordentlich große Solarthermieanlage. Auch das ist eine sinnvolle Investition – siehe Sparen und Unabhängigkeit.

Mainz&: Du hast gerade ein wichtiges Schlagwort erwähnt: Unabhängigkeit. Wenn nämlich Herr Putin im Zuge der Ukraine-Krise uns den Gashahn zudreht, dann haben wir ein Problem. Und es geht ja auch um die Frage der Unabhängigkeit von den großen Stromkonzernen…

Frey: Die Erneuerbaren sind dezentral, die Sonne kommt auf jeden Quadratmeter der Erde, deshalb macht es auch Sinn, die auch dezentral zu ernten. Jede Leitung bringt Verluste und hat Akzeptanzprobleme. Und dann ist es auch gut, wenn die Leute vor Ort was davon haben, dass der kleine Handwerker seine Geschäfte gut führen kann, dass er neue Geschäftsfelder findet. Elektrobetriebe, Sanitärbetriebe, Dachdecker – das sind alles Arbeitsplätze, die durch die Erneuerbaren entstehen, und zwar vor Ort, das bringt Wertschöpfung in die Region.

Mainz&: Stimmt, man braucht dann eben nicht den Offshore-Experten…

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Windrad im Wald: Was los auf’m Land – Foto: gik

Frey:  … und ich brauche dann nicht den Hubschrauber, um die Windräder zu warten, sondern fahre da mit dem Lieferwagen hin, auch das ist ein Kostenfaktor. Kommunen, die vor Ort Gewerbesteuer kriegen, die Landwirte Pachteinnahmen – so wird der ländliche Raum gestärkt, dem es ja schlecht geht, weil die Leute in die Städte rennen, weil vor Ort nichts mehr los ist und sie keine Arbeitsplätze mehr kriegen. Erneuerbare Energien können da genau das Gegenteil bewirken, die fatale Entwicklung möglicherweise sogar an manchen Orten umkehren. Da ist dann wieder was los, da hat der Metzger was zu tun und der Bäcker…

Mainz&: … sonst ist der nämlich ganz schnell weg…

Frey: Die Erneuerbaren brauchen keine Brennstoffe, aber sie brauchen Wartung, es muss jemand vor Ort sein – da ist dann immer auch irgendwie ‚was los‘ auf dem Land.

Mainz&: Was gibt es denn so an Vorzeigeprojekten?

Frey: In Ulrichstein im Vogelsberg wurde einer der ersten kommunalen Windparks gebaut. Dort gibt es einen Windenergie-Lehrpfad, auf dem wird an etwa einem Dutzend sehr schön gestalteter Stationen erklärt, wie der Windpark funktioniert. Dort liegt dann auch ein ganzer Windradflügel, da bekommt man ein Gefühl für die Dimensionen.

Mainz&: Und Highlights für einen Ausflug?

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Solardraisinen im Odenwald – Foto: Agentur für Erneuerbare Energien/Überwaldbahn gGmbH

Frey: Also auf jeden Fall die Solar-Draisinen im Odenwald, die Überwaldbahn, das ist eine alte Eisenbahnstrecke, die reaktiviert wurde. Die Solar-Draisinen werden mit Muskelkraft betrieben, aber unterstützt durch Solarzellen auf dem Dach und Elektromotoren unter der Haube. Das Dach ist aus Solarpaneelen gebaut, das schützt dann gleichzeitig auch vor der Sonne. Die Fahrt geht ungefähr elf Kilometer weit über die Trasse, auch durch einen Tunnel – und unterwegs kann man an verschiedenen Stationen Halt machen.

Mainz&: Noch einen Tipp etwas näher?

Frey: Das Geothermie-Erlebniszentrum in Groß-Gerau. Die Überlandwerke Groß-Gerau planen ein Geothermie-Kraftwerk, und um das der Bevölkerung näher zu bringen, wurde ein Erlebniszentrum eingerichtet. Dort kannst Du Dir erst einmal einen richtig gut gemachten Film ansehen mit Animationen und sehr guter Erklärung der Geothermie. Dann kannst Du Dich auf eine Erlebnisreise durch die Welt der Geothermie begeben.

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Geothermie-Erlebniszentrum GEOlife4 – Foto: Agentur für Erneuerbare Energien/Überlandwerk Groß-Gerau GmbH

Es gibt da eine Art interaktiven Fahrstuhl, so als würde man vorne am Bohrkopf 3000 Meter in die Tiefe gehen. Da hält man sich an einem Griff fest, und das rüttelt und scheppert, und je tiefer du kommst, umso heißer wird der Griff. Du siehst die einzelnen Gesteinsschichten an dir vorbei ziehen, und am Griff spürst du, dass es immer wärmer wird. Pro Hundert Meter nimmt ja die Temperatur um drei Grad zu. Bei tausend Meter sind das dann schon 30 Grad – und bei drei Kilometern Tiefe hast Du dann 90 Grad.

Mainz&: Nun ist die Geothermie ja durch Vorfälle mit Erdbeben und Rissen an Häusern in Verruf geraten…

Frey: Wichtig ist, dass sehr sorgfältig geplant wird, damit nicht Spannungen im Untergrund sind, die durch das Bohren ausgelöst werden, das kann passieren.

Mainz&: Wieso ist denn das Museum für Antike Schifffahrt auf Deiner Liste?

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Naturhistorisches Museum mit Sternwarte – Foto: gik

Frey: Das Schifffahrtsmuseum und das Naturhistorische Museum haben interessante Fassaden mit transparenten Solarzellen, sogenannten Dünnschichtzellen. Zum einen erlauben die, von innen nach außen zu blicken, aber sie erzeugen auch Strom und tragen zur Verschattung bei, das wirkt sich positiv auf die Klimatisierung der Gebäude aus. Im Museum für Antike Schifffahrt wurde es früher unerträglich heiß, aber seitdem das neue Dach drauf ist, gibt es ein sehr angenehmes Raumklima.

Man erzeugt Strom und spart gleichzeitig den Strom für eine Klimaanlage – Mehrfachnutzen ist ein Zauberwort bei den Erneuerbaren Energien. Eine Bank braucht ja nicht eine Fassade aus Marmor, die unproduktiv und faul ist, sondern vielleicht eine Solaranlage, die sehr gut aussieht, futuristisch ist, ein gutes Image transportiert – und auch noch Energie produziert.

Mainz&: Die Cofaca-Arena ist auch mit einer Solaranlage in Deinem Reiseführer…

Frey: Das Besondere bei der Coface-Arena ist die gigantische Größe, die im Vergleich der Solarstadien…

Mainz&: … es gibt Solarstadien mit einer Top-Seven-Liste?…

Frey: …ja, die Mainzer halten jetzt Platz vier in der Bundesliga der Solarstadien.

Frage: Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass es so viele Solar-Stadien gibt!

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Coface Arena – Foto Agentur für Erneuerbare Energien/juwi AG

Frey: Naja, es ist einfach eine große Flächen in einer Stadt, das ist für den Investor interessant, weil er damit nicht viel Arbeit hat. Das ist schneller gebaut als viele kleinere Anlagen, und es ist auch effizienter – und die Anlagen sind in Bereichen des innerstädtischen Netzes, da muss man keine lange Leitung legen. Und so eine Anlage lässt sich natürlich auch perfekt im Marketing einsetzen…

Frage: … seht her, wie umweltfreundlich wir sind…

Frey: … das ist klar ein Imagefaktor und für Vereine, die ein Klima-Vorbild sein wollen, eine tolle Sache. Es ist nicht irgendein Marketing-Gag, sondern etwas Reales, das ist für einen Verein ein gutes Aushängeschild.

Frage: Liegen die Sportstadien da vor der Wirtschaft?

Frey: Es gibt auch in der Wirtschaft viele Projekte, die ich aber nicht in den Reiseführer aufgenommen habe, weil die oft nicht zugänglich sind. Zugänglichkeit war für mich ein wichtiges Kriterium. Der Reiseführer soll ja keine Faktenhuberei sein oder nur was für Elektrofreaks. Ich richte mich ja an Familien und an Individualreisende, eher an Leute, die einen besonderen Urlaub erleben wollen, etwas Neues sehen wollen. Mit ging es aber auch darum, ein Maximum an touristischen Bedürfnissen abzudecken, also Essen, Trinken, Informationen, Sport, Freizeit, Fitness, Übernachtungsmöglichkeiten. Alles, was der Tourist so braucht.

Frage: Das heißt, Du hast bei der Auswahl der Reiseziele auch darauf geachtet, das die Umgebung attraktiv ist?

Frey: Weniger die Umgebung, als das Projekt selbst – das Projekt sollte möglichst viele Attraktionen an einem Ort haben. Das zweite große Kriterium ist die Vielfalt an Technologien: also möglichst viele verschiedene Erneuerbare Energien an einem Punkt. Dass ich also nicht nur eine Solaranlage sehe, sondern dass sich deswegen vielleicht noch ein Wasserrad dreht. Besondere Orte sind da oft Klöster: Viele Klöster sind auf Wasserkraft gegründet, die aber oft schon vor einhundert Jahren auf Stromerzeugung umgestellt wurde, wo dann ein Mönch oder eine Nonne sich auskennt, und diese Anlage betreut, hegt und pflegt.

Mainz&: Wo gibt es denn so etwas zum Beispiel?

Frey: Kloster Marienstadt im Westerwald ist da sehr interessant. Die haben Wasserkraft, Solarnutzung, und natürlich gibt es an Klöstern überall eine Brauerei, ein Gasthaus, Unterkünfte, eine Buchhandlung, Konzerte.

Mainz&: Nun gelten Klöster ja in unserer Zeit nicht mehr unbedingt als Hort des Fortschritts, aber wenn Du das jetzt so erzählst…?Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview

Frey: In Klöstern findet man oft Laborsituationen, weil die traditionell ja schon immer abgeschieden und auf sich selbst gestellt waren – das sind die idealen Vorbilder einer dezentralen Energieversorgung. Etwa das Benediktiner-Kloster Münsterschwarzach, wo der bekannte Pater Anselm Grün ist. Der hat da einen Bruder, Pater Christof Gerhard, der sich besonders für die Erneuerbaren Energien interessiert.

Seit 2008 hat das Kloster eine ausgeglichene CO2-Bilanz und wird zu 95 Prozent aus Erneuerbaren Energien versorgt. Und der Pater hat zusammen mit dem Grünen Hans-Josef Fell, der das EEG mitgeschrieben hat, das Buch geschrieben: „Aus der Schöpfung leben, Erneuerbare Energien nutzen.“ Da geht es um Erneuerbaren Energien und die benediktinische Schöpfungsspiritualität – das ist auch ein Literatur-Tipp in meinem Buch.

Mainz&: Wie bist du denn nun auf diese ganzen Tipps gekommen, Du sagtest, das wäre durch Deine Reisen geschehen?

Frey: Ich habe viele der Tipps selbst gesehen, habe recherchiert, Sachen aufgeschnappt. Ich habe einfach immer die Augen und Ohren offen gehalten, weil ich da selbst so einen unbändigen Drang habe, neue Sachen zu entdecken. In dem Buch sind etwa 200 Tipps, ich selbst kenne aber ungefähr das Zehnfache. Gerade im Hotelbereich kommt das jetzt immer mehr mit den Erneuerbaren Energien und ich sage da: Wer etwas mit den Erneuerbaren macht, der bietet auch sonst ein bisschen mehr: Baubiologie, gutes Essen, eben nicht 0815, keine Hotelketten. Die Hotels sind alle Inhaber geführte Häuser, Familienbetriebe, wo man sein Geld gerne lässt, auch weil man weiß, es wird für etwas Gutes eingesetzt.

Mainz&: Das heißt, Du warst ein bisschen ein Trüffelschwein, und hast die Perlen herausgesucht?

Frey: Ja, ganz genau.

Mainz&: Führt das jetzt in die Irre, oder sagt man hinterher zurecht: Boa, sind wir gut in Deutschland! Oder sagst Du, es müssten einfach noch viel mehr machen.

Probewohnen in der Zukunft - Reiseführer zu Erneuerbaren Energien - Mainz&-Interview
Martin Frey mit Baedecker Erneuerbare Energien – Foto gik

Frey: Natürlich sage ich, es müssten noch viel mehr machen, und das Buch soll auch Ansporn sein, dass man sieht, was andere schon können und zustande bringen. Es geht darum, ein neues Deutschland-Bild und auch ein neues Tourismus-Bild für Deutschland zu erschaffen. Es gibt inzwischen Anbieter eigens für Erneuerbare Projekte-Reisen, etwa ins Zwei Tälerland im Schwarzwald. Da heißt es dann, wir sind nicht nur Tradition, sondern auch Modern –und wir können beides miteinander verbinden. Das kann den Deutschland-Tourismus voran bringen.

Frage: Das ist ja wohl ein ziemlich cooler Ansatz…

Frey: …und es macht die Menschen glücklich. Es bringt einem ‚was, man kommt aus dem Urlaub zurück und hat nicht nur Zeit totgeschlagen, sondern hat etwas gelernt, wenn man das will, oder hat einfach gesagt, das war ja toll, da hab ich mich wohlgefühlt. Man kann ja Abends auch einfach mal mit diesen Hoteliers reden und fragen: wie habt ihr das denn gemacht, was hat das gekostet, bringt das was? Also einfach mal so aus dem Nähkästchen plaudern lassen.

Frage: Und das hast du auch gemacht…

Frey: Klar, das mache ich ständig.

Frage: Und die sind dann auch ganz auskunftsfreudig, richtig?

Frey: Ja, weil die ja davon überzeugt sind und wollen, dass sich so etwas verbreitet. Damit wir das schaffen mit dieser ‚komischen Energiewende‘.

Mainz&: Du hast am Anfang diesen wunderschönen Satz gesagt vom „Probewohnen in der Zukunft“. Was meinst Du denn genau damit?

Frey: Dass ich einen Koffer packe und irgendwohin fahre, wo die Zukunft schon Realität ist. Dass ich aus meiner Wohnung, die vielleicht irgendwie mit alten Brennstoffen beheizt wird irgendwohin fahre, wo das vielleicht schon so ist, wie ich es vielleicht gerne mal hätte. Vielleicht finde ich es toll und stelle fest, wie ich das zu mir ‚rüberholen kann – und vielleicht ist es ja auch gar nichts für mich, dann hab ich wenigstens nicht viel Risiko gehabt. Es ist eben wichtig, die ausgetretenen Pfade mal zu verlassen und eigene Wege zu gehen, dazu will ich motivieren,

Man muss wieder so ein bisschen reisen wie Goethe früher auf seinen Italienreisen. Diese Gebildeten sind ja nicht einfach gereist, um sich die Haut zu verbrennen, sondern um etwas von der Welt zu erleben, andere Menschen zu befragen, und etwas mit nach Hause zu bringen – das hier ist so eine Chance.

Vielen Dank für das Gespräch!

Info& auf Mainz&: Die Fachagentur Martin Frey, natürlich von und mit Martin Frey, findet Ihr hier im Internet. Und auf der Unterseite Bücher findet Ihr Informationen zum dem Baedecker Erneuerbare Energien und auch einen Bestell-Button. Der Reiseführer ist im MAIRDUMONT-Verlag erschienen und kostet 16,99 Euro.

Mehr& auf Mainz&: Zu dem Thema haben wir noch eine besondere Geschichte für Euch: Mainz&-Gründerin Gisela Kirschstein hatte nämlich vor anderthalb Jahren eine genaz besondere Chance: Sie durfte auf ein Windrad steigen. Also so richtig, ganz oben drauf. Nicht nur in der Gondel, sondern auf ihrem Dach. Und sie hat darüber natürlich eine Reportage geschrieben – mit vielen beeindruckenden Bildern. Diese besondere Reportage bieten wir Euch im Premium-Bereich an – allein für die Bilder lohnt sich das 😉

 

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein