Der 30. April ist ja vieles: Walpurgisnacht, Beltane, Hitlers Todestag, der 120. Tag des gregorianischen Kalenders, und – seit 2012 – auch der Internationale Tag des Jazz. Doch der 30. April ist auch der Internationale Tag gegen Lärm, und wer immer den ausgerufen hat – er muss eigentlich in der Rhein-Main-Region wohnen. In kaum einer anderen Region kulminiert der Lärm von Straße, Schiene und aus der Luft so sehr wie in Frankfurt, Mainz und dem Mittelrheintal. Keine Frage: der Tag schreit geradezu nach Aktionen.

Startender Flieger am Frankfurter Flughafen
Startender Flieger = sehr großer Lärm – Foto: gik

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) rief am Dienstag dazu auf, „selbstbewusst“ gegen
Lärm vorzugehen und Rücksicht auf ihre Umgebung zu nehmen: „Zu viel Lärm schädigt nicht nur das eigene Gehör und die eigene Gesundheit, sondern beeinträchtigt auch Gesundheit und Wohlbefinden der Mitmenschen“, sagte die Ministerin.

Wie Recht sie hat: Laut den verschiedenen Tabellen zu den Dezibelwerten kann bereits Lärm von um die 80 Dezibel zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen – das ist der Lärm eines Rasenmähers oder von Straßenlärm bei starkem Verkehr. Bei 110 Dezibel ist die Schmerzgrenze erreicht, sagt man, das ist Lärm der Kategorie Kreissäge, Presslufthammer, aber auch Lärm in Diskotheken oder die Musik aus dem Walkman. Mehr als 120 Dezibel erreichen startende Düsenflugzeuge – und manches Rockkonzert. Nur dass man Letzteres wenigstens gebießt, während es das Ohr schädigt 😉

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Im Ernst: Lärm ist schädlich, und wie sehr, dass hat die Wissenschaft gerade erst begonnen herauszufinden. Ganz vorne mit dabei ist unser Mainzer Kardiologe Thomas Münzel, den der Ärger über den Fluglärm über seine Klinik in einen wahrhaften Feuereifer in Sachen Ursachenforschung getrieben hat.

Auto an Auto: die Rheinallee - Foto: gik
Auto an Auto: die Rheinallee – Foto: gik

Die größte Lärmquelle im Land sei aber der Straßenlärm, teilte das Umweltministerium mit: Lärmkartierungen zeigten, dass sich rund 432.000 Menschen an Hauptverkehrsstraßen von Lärm belästigt fühlten, davon seien 112.000 in der Nacht gesundheitsbeeinträchtigendem Lärm ausgesetzt. In Mainz seien 9.600 Menschen durch nächtlichen Straßenverkehrslärm hochbelastet, hieß es weiter.

Die fraglos vorhandene Lärmbelastung wird allerdings von den Grünen gerne als Argument für Tempo 30-Zonen auf Durchgangsstraßen benutzt – siehe die Rheinallee. Ob das die Straße allerdings leiser macht, ist noch nicht bewiesen – dafür müssten nämlich auch häufigeres Bremsen und Anfahren der Autos berücksichtigt werden, weil man dann viel häufier an den Ampeln steht. Das wiederum verursacht deutlich höhere Luftbelastung durch Abgase und auch mehr Lärm – was die Politiker aber gerne vergessen 😉

Solange der Stein der Weisen in Sachen Lärmreduzierung nicht gefunden ist, müssen die Bürger protestieren, wenn sich etwas ändern soll – und an Protesten wird es morgen nicht mangeln:

Motivwagen Rosenmontagszug 2014 Bouffier mit grünem Dackel
Ein Ministerpräsident und sein „Dackel“ – der Motivwagen aus dem Rosenmonktagszug ist auch dabei – Foto: Geord Reichelt

In Wiesbaden treffen sich die Bürgerinitiativen gegen den Fluglärm um 11.55 Uhr vor dem hessischen Landtag, um pünktlich zum Motto „Es ist 5 vor 12 – Wir fordern Ruhe“ gegen den Lärm von oben zu protestieren – wieder einmal… Man habe den Protest einfach dorthin tragen wollen, wo die Verursacher säßen, mithin in der hessischen Politik, sagte die Mainzer Initiative gegen den Fluglärm.Und damit auch wirklich alle aufwachen im Landtag, gibt es Fluglärm vom Band.

Mit dabei ist dann auch der Rosenmontagswagen “ Wir nehmen Ihrer Zukunft das zu Hause“, der ja bekanntlich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) karikiert, wie er seinen grünen Dackel Tarek Al-Wazir (Wirtschaftsminister) an der kurzen Leine hält.Parallel dazu finden in Frankfurt am Römerberg und in vielen  Gemeinden entlang des Rheins ebenfalls Mahnwachen statt, teilten die Aktivisten weiter mit.

Im Mittelrheintal setzen sie dem horrenden Bahnlärm stummen Protest entgegen: Mehr als 20 Gemeinden haben bereits auf der Webseite der Initiative Pro Rheintal Mahnwachen gegenden Bahnlärm eingetragen, auch hier schweigt man um „5 vor 12“. Leuchtend rote T-Shirts mit dem Aufdruck „RUHE!“ sollen für sich sprechen. Pro Rheintal fordert bereits seit Längerem ein Nachtfahrverbot für laute Güterzüge.

In St. Goar-Fellen seien Lärmwerte von bis zu 120 Dezibel zu messen, berichten die Aktivisten, begleitet von „einem schreienden Bremsgequietsche“, das jede Nacht die Anwohner im Halbstundentakt aus dem Schlaf reiße- wahrhaft „Folter in R(h)einkultur!“. Pro Rheintal ruft deshalb derzeit die Kommunen und Unternehmen in der Region auf, für eine umfassende Gesundheitsstudie zu spenden, die möglichst kurzfristig auf den Weg gebracht werden soll.

Info& auf Mainz&: Der Tag gegen Lärm wurde 1998 ins Leben gerufen, finddet in diesem Jahr bereits zum 17. Mal statt, und heißt auf internationalem Parkett „International Noise Awareness Day“. Motto ist dieses Jahr „Die Ruhe weg“, Schwerpunkt ist 2014 die Problematik der zunehmenden „Verlärmung“ und den Erhalt ruhiger Gebiete. Mehr dazu unter www.tag-gegen-laerm.de.

In Mainz gibt es am Mittwoch zwischen 10.00 und 15.00 Uhr auf dem Gutenbergplatz vor dem Theater einen gemeinsamen Stand der Stadt Mainz sowie des Landesamts für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht. Dort sollen auch Vertreter  aus Wissenschaft und Technik über Lärm informieren.

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