Mainz und der Region Rheinhessen drohen im kommenden Jahr womöglich erheblich mehr Fluglärm als schon jetzt: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) plane „eine dramatische Luftraumabsenkung für landende Flugzeuge über Bingen im Jahr 2020“, warnt jetzt die Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen. Den Plänen zufolge solle sich der Luftraum für anfliegende Jets auf den Frankfurter Flughafen weit in die Region Bingen und bis zum Soonwald ausgeweitet werden, davon wäre dann auch das Untere Mittelrheintal betroffen. Dazu sollen auch dort die Anflughöhen deutlich gesenkt werden, berichtet die Bürgerinitiative unter Berufung auf Angaben des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz – und zwar um rund 1.000 Meter.

Rheinhessen droht 2020 deutlich mehr Fluglärm - BI: DFS will Gegenanflug über Region Bingen ausweiten
Abbildung geplante Luftraumausweitung um Frankfurter Flughafen – Quelle: Jahresbericht Luftsportverband RLP

Die Deutsche Flugsicherung hatte bereits Anfang Dezember 2018 die langen Gegenanflüge über Rheinhessen zur Landung auf dem Frankfurter Flughafen um 1000 Fuß – etwa 300 Meter – abgesenkt. Die Flugzeuge dürfen seither bei ihrem Landeanflug auf bis zu 1220 Metern tief heruntergehen. Das betraf bisher vor allem den Raum Nieder-Olm, hatte aber auch Auswirkungen auf Mainz: Anwohner beobachten seither, dass die Flugzeuge zum Teil deutlich niedriger über Mainz zur Landung auf den Frankfurter Flughafen ansetzen.

Nach Informationen der Fluglärminitiative könnte das nun auch dem Raum Bingen drohen: Der Luftraum solle von 6.500 Fuß – knapp 2.000 Meter – auf 3.500 Fuß über Meeresspiegel abgesenkt werden, warnte die Fluglärminitiative. Damit dürften die Flugzeuge bis zu 1.167 Meter tief im Landeanflug auf Frankfurt ansetzen – das wären fast 1.000 Meter tiefer als derzeit erlaubt. Dazu wolle die Deutsche Flugsicherung bei Ostwind den Luftraum für anfliegende Jets auf dem nördlichen Gegenanflug deutlich weiter Richtung Westen verlängern.

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Bei hohem Verkehrsaufkommen würden dann Flugzeuge bis zum Soonwald in niedriger Höhe fliegen dürfen, um dort auf den Endanflug Richtung Frankfurt eindrehen zu können, befürchten die Fluglärmgegner. „Die Absenkung erlaubt eine noch höhere Flugzeugdichte, für die heute schon stark betroffenen Regionen bedeutet dies noch mehr Fluglärm“, warnt Vorstand Karsten Jacobs: „Die Region um Bingen würde dann mit Fluglärm verlärmt, wie ihn heute etwa Schwabenheim, Ober-Olm oder Klein-Winternheim zu ertragen haben.“

Rheinhessen droht 2020 deutlich mehr Fluglärm - BI: DFS will Gegenanflug über Region Bingen ausweiten
Wie sehr der Fluglärm über Rheinhessen im Jahr 2018 gewachsen ist, zeigen Fluglärmspuren vom Mai 2018, aufgezeichnet vom Deutschen Fluglärmdienst. – Grafik: DFLD, Foto: gik

Die Fluglärminitiative beruft sich dabei auf Informationen des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz, der in seinem Luftraumbericht 2018 über die Pläne der DFS informierte. Der Luftsportverband muss von der DFS über Luftraumänderungen informiert werden, um Konflikte mit Sportfliegern zu vermeiden. In dem Bericht heißt es, man sei von der DFS über „geplante Verfahrensänderungen“ informiert worden, aus denen sich eine „erhebliche Absenkung“ westlich von Bingen ergeben würde, „die den Luftsport dort blockieren und besonders die betroffenen Luftsportvereine existenziell bedrohen“ würde. Die Absenkung im Luftraum Bingen sei für das Jahr 2020 geplant.

Die Fluglärminitiative Rheinhessen fordert das Land Rheinland-Pfalz sowie die Kreise Mainz-Bingen und Bad Kreuznach auf, der drohenden Ausweitung des Luftraumes rund um Bingen entschieden entgegen zu treten. Gelegenheit dazu böten Gespräche zwischen Land und DFS, die in der Regel im August des Vorjahres vor anstehenden Luftraumänderungen stattfänden, betont die Initiative.

„Das Land muss in den anstehende Luftraumgesprächen mit der DFS deutlich machen, dass diese Ausweitung des Luftraums nicht hinzunehmen ist“, fordern die Vorstände Karsten Jacobs, Roland Beckhaus und Michael Meier. Nach dem Bahnlärm dürften die Menschen im Rheintal, im Soonwald und in Bingen „nicht noch mit einer weiteren gesundheitsgefährdenden Lärmquelle gequält werden.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Absenkung der Anflughöhen durch die DFS sowie über den erheblich gestiegenen Fluglärm über Mainz lest Ihr hier bei Mainz&.

 

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