Deutschland geht es gut, der Konsum boomt, die Zinsen eher weniger – und die Wirtschaft spricht von sinkendem Wachstum. Woher kommt das? Wer steuert in dieser Republik eigentlich die Meinung, wer die Politik? Wir der Mindestlohn wirklich so desaströs, wie uns Teile der Wirtschaft glauben machen wollen? Und warum wird viel zu wenig über die größte Herausforderung der kommenden Jahre geredet: die Alterung unserer Gesellschaft? Zeit also, einen kritischen Blick auf „die Lage der Nation“ zu werfen.

Schild demografischer Wandel - Foto: Sozialministerium RLP
Demografischer Wandel – wohin geht’s? Und wie sieht’s hinter dem Ortsschild aus? – Foto: Sozialministerium RLP

Genau das tut ab dem 19.11., das ist der morgige Mittwoch, eine Ringvorlesung des Fachschaftsrats Politikwissenschaft an der Mainzer Uni. In zehn Vorlesungen sollen die verschiedenen Aspekte zur Lage der Nation näher beleuchtet werden. Die Redner sind Experten aus Politik und Forschung, einer kommt sogar von der OECD.

Riesterrente auf dem Prüfstand – durch Walter Riester

Den Anfang macht der frühere Bundesarbeitsminister Walter Riester, nach dem – genau! – die Riesterrente benannt ist. Und Riester redet zu nichts weniger als: „Wer soll das bezahlen: Das Rentenpaket auf dem Prüfstand“. Geschieht ja nicht alle Tage, dass ein Ex-Minister noch mal öffentlich Bilanz seiner Arbeit zieht 😉 Dazu hat das neue Rentenpaket der GroKo in Berlin ja für Ärger gesorgt, weil Andrea Nahles (SPD) die Rente mit 67 wieder ein Stück weit aufgeweicht hat. In der Tat: Wer soll das bezahlen?

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Daran schließt sich nahtlos Thema Nummer zwei an: (Schwarz, Rot, (G)Old“ heißt die zweite Vorlesung am 3. Dezember, und die beschäftigt sich mit dem demografischen Wandel in Deutschland. Das Schlagwort können wir ja eigentlich nicht mehr hören – selten einen so verharmlosenden Begriff gelesen. Denn es geht um nichts weniger als eine Alterung unserer Gesellschaft, die unsere Gesellschaft ganz schön auf den Kopf stellen wird.

2030 wird ein Drittel älter als 65 Jahre sein

2010 war bereits die Hälfte der Menschen in Rheinland-Pfalz älter als 44 Jahre, 2030 wird die Hälfte voraussichtlich älter als 49 Jahre sei. Heute machen die über 65-Jährigen 20,6 Prozent der Bevölkerung aus – 2030 werden das schon 28,7 Prozent sein.

Alterspyramide Deutschland 2050 - C. Bressler, Statistisches Bundesamt
So sieht die Alterspyramide in Deutschland 2050 aus – C. Bressler, Statistisches Bundesamt

Richtig heftig aber wird es, wenn man noch 30 Jahre weiter guckt: Im Jahr 2060 wird die Hälfte unserer Bevölkerung älter als 51 Jahre sein, ein Drittel (33,7%) werden älter als 65 Jahre sein – und 14,5 Prozent werden älter als 80 Jahre sein. Gleichzeitig werden dann nur noch 15,4 Prozent der Bevölkerung jünger als 20 Jahre sein – und nur noch die Hälfte der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter sein. Puh.

Länger arbeiten, mehr Pflege

Die massive Alterung unserer Gesellschaft wird neue Probleme schaffen – vor allem die Fragen nach längerem Arbeiten, mehr Altersteilzeit, Pflege und Gesundheitspolitik, und das sind nur einige der Fragen. Wie gut, dass die Powis da einen aktiven Staatssekretär geladen haben: Redner ist David Langner, SPD-Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie.

Bis zum 11. Februar 2015 beleuchten weitere Experten weitere Themen: Es geht um Quote und Skandalisierung in der Medien (10.12.), um die Gerechtigkeit im deutschen Bildungssystem (7.1.2015) und um soziale Ungleichheit (14.01.). Zu letzterem kommt ein Vertreter der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, also der OECD.

Parteien, Migration, Energiewende

Weiter geht’s am 21.1. mit der Frage nach der außenpolitischen Verantwortung Deutschlands, ein gerade durch die Krisen der Welt heiß diskutiertes Thema bei uns. Am 28. Januar 2015 dreht es sich um den „Kampf um die Mehrheit“ und die Frage von Annäherung oder Polarisierung in der deutschen Parteienlandschaft. Irgendwie  bekommt man ja das Gefühl, dass gerade beides gleichzeitig geschieht…

Windrad im Windparh Hohenahr - Foto: gik
Windräder sind ein Schlüssel zur Energiewende – Foto: gik

Um bundesdeutsche Migrationsverhältnisse in Geschichte, Gegenwart und Zukunft geht es am 4. Februar, und den Schluss macht am 11. Februar der „Traum von der nachhaltigen Energie“. Peter Hennike vom Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt zieht dann eine Bilanz der Energiewende. Könnte spannend werden…

Mit den Vorlesungen will der Fachschaftsrat Politikwissenschaft vor allem den rund 2.000 Studierenden der Politikwissenschaft „die Möglichkeit bieten, sich umfassend und differenziert zu informieren“, wie es in der Ankündigung heißt. Eingeladen sind aber auch alle interessierten Bürger, die Reihe findet auch im Rahmen des Studiums Generale statt. Also nix wie hin – der Eintritt ist frei.

Info& auf Mainz&: Ringvorlesung „Projekt Deutschland – Ein Blick auf die Lage der Nation“ jeweils um 16.15 Uhr im Hörsaal P5 im Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, Campus der Uni Mainz. Eintritt ist frei, Anmeldung nicht nötig. Das komplette Programm  könnt Ihr hier herunterladen. Den Fachschaftsrat Powi findet Ihr auf Facebook, mehr zum Thema Demografie auf der Seite des Sozialministeriums, dort gibt es auch eine repräsentative Umfrage Thema.

P.S.: Walter Riester sieht seine Riesterrente übrigens als „Erfolgsmodell“ – was er auf seiner Homepage in Videos ausfürhlich erzählt. Nur falls Ihr nicht zur Vorlesung könnt 😉

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein