Wart Ihr eigentlich schon mal im Mittelalter? So richtig mit Rittern, Hexen und fantastischem Essen? Nun, egal ob Ihr jetzt Ja oder Nein sagt: jetzt habt ihr die Gelegenheit dazu. In der Reduit drüben in Mainz-Kastel findet nämlich noch bis zum späten Ostermontag-Nachmittag ein Mittelaltermarkt statt.

Ritter, Römer und Märchenhexe - Mittelaltermarkt in der Reduit
Mittelaltermarkt mit tollem Ausblick

Erlebbare Geschichte, eine kleine Zeitreise, versprechen die Organisatoren von Pro History – und fahren dafür rund 100 Stände im Innenhof der Reduit auf. Natürlich ist der Markt nicht wirklich „wie im Mittelalter“, aber das wäre für uns Heutige ja auch schwer, schließlich kennen wir das Mittelalter nur aus alten Quellen. Wie es wirklich war – wer weiß?

Die heutigen Mittelaltermärkte sind ja eine Art Rollenspiel, gewachsen aus der Faszination mit einer Zeit, in der die Dinge anders waren – und auch wieder nicht. Denn eingekauft, getroffen, geratscht und gerauft haben Menschen zu allen Zeiten, und auch im Mittelalter gab es ein buntes Völkchen auf den Märkten.

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Ritter, Römer und Märchenhexe - Mittelaltermarkt in der Reduit
Wikinger beim Einkauf – Foto: gik

Und so ist es gar nicht so falsch, dass sich auch auf unseren Mittealtermärkten Ritter und hohe Damen tummeln, Marktweiber, Bierverkäufer und Gaukler. Viele von ihnen haben sich vorher lange Gedanken gemacht: wie sah die Kleidung einer Magd aus, wie die Rüstung eines hohen Herrn? Was trugen holde Damen und was Waschweiber? Was war ein Landsknecht, und was hatte er an? Was aßen die Menschen, und welches Geschirr hatten sie?

Und weil die meisten Gewandeten viel über die Zeit wissen, die sie darstellen, können die Besucher tatsächlich einen Blick auf das Mittelalter mit allen seinen Facetten erhaschen. Auf dem Mittelaltermarkt in der Reduit tummeln sich so auch Wikinger und Ritter aus der Hochzeit des höfischen Lebens aus dem 13. Jahrhundert, Landsknechte aus der frühen Renaissance-Zeit – und sogar Römer.

Ritter, Römer und Märchenhexe - Mittelaltermarkt in der Reduit
Tessarius und Nachwuchs-Römer mit Kettenhemd – Foto: gik

Römer? Richtig: im hinteren Teil des Marktes hat die 26. Cohorte der 22. Legion ihr Lager aufgeschlagen. Das römische Mogontiacum war ja bekanntlich ein großes Römerlager, und so haben die Veranstalter von Pro History einfach einen Abstecher in die Römerzeit integriert. Da kann man etwa einen Tessarius – eine Art Assistent des Centurios, der die Legion führte – in seiner Rüstung bewundern und mit Fragen löchern. Und man kann in eines der Kettenhemden schlüpfen, die es auch schon in der Antike gab, und die von den Kelten stammen.

Alchimist, sibirischer Uhu und Märchenhexe

Aber auch die Mittelalterfraktion lässt sich nicht lumpen: Da tragen Recken in Rüstung echte Schwertkämpfe aus, demonstriert ein Alchimist seine Künste und präsentiert ein Falkner einen Wüstenbussard. Verpasst bloß nicht den super flauschigen, gerade 28 Tage alten Sibirischen Uhu! Oder die Märchenhexe Rumpelbein, die mit tatkräftiger Unterstützung des Publikums alte Geschichte lebendig werden lässt – etwa die von Rapunzel.

Beim Bader räkeln sich derweil Besucher im Badezuber, während Bürgersfrauen Seife und Gewürze erstehen, um Felle feilschen oder sich vielleicht auch ein buntes Band oder ein Schmuckstück gönnen.

Finsteres Mittelalter? Vergesst es!

Ja, all dies hat es im Mittelalter gegeben, denn was immer Ihr vom „finsteren Mittelalter“ gehört habt: vergesst es! Das Mittelalter war vor allem eine sinnesfrohe Zeit, in der es natürlich Glaube und Aberglaube gegeben hat – aber ist das heute so anders?

Tatsache ist: Auswüchse wie Hexenverbrennungen fanden erst viel später statt, in der beginnenden Renaissance-Zeit. Verbreitet wurden auch sie – durch den Buchdruck, der bekanntlich um 1450 herum von Johannes Gensfleisch zu Gutenberg in Mainz erfunden wurde.

Ritter, Römer und Märchenhexe - Mittelaltermarkt in der Reduit
Kampf zwei gegen drei – und alles nur Show – Foto: gik

Gutenberg ersann den Buchdruck mit beweglichen Lettern und revolutionierte so die Verbreitung von Wisse, auch von schrecklichem… etwa des sogenannten „Hexenhammers“, in dem minutiös die Verfolgung von Hexen und die Foltermethoden zum Erpressen von Geständnissen derselben beschrieben sind. Die Schrift soll erstmals 1486 in Speyer veröffentlicht worden sein, in der beginnenden Renaissance – also der Wiederentdeckung antiken Wissens – blühte auch die Gegenbewegung: Aberglaube und die Verfolgung Andersgläubiger oder solcher, die mehr Wissen besaßen als andere…

Wenn  Ihr noch ein paar einst gelernte Glaubenssätze übers Mittelalter erschüttert haben wollt, dann geht morgen noch schnell zu Christian. Der wahrhaft gelehrte Mann sitzt rechts des linken Marktzugangs zusammen mit Leanne an einem großen Stand mit Lederwaren und allerlei Schmuck – und mit einer Sammlung alter Weltkarten. Und anhand derer kann Christian Euch zeigen, was Ihr kaum glauben werdet: dass die Menschen im Mittelalter keineswegs glaubten, die Welt sei eine Scheibe, und dass sie durchaus Kenntnis des antiken Wissens besaßen. Glaubt es ruhig, es ist nämlich wahr 😉

In der Reduit jedenfalls könnt Ihr noch bis Montagabend ein vergnügliches Stück Geschichte erleben.

Info&auf Mainz&: Öffnungszeiten an Ostersonntag: 10.00 bis 21.00 Uhr, Ostermontag 10.00 bis 18.00  Uhr. Eintritt 8 Euro, Nachwuchsritter & Prinzessinnen ab Schulalter und historisch gewandete Besucher: 4 Euro.

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