Das Römische Theater am Südbahnhof gammelt seit Jahren vor sich hin, nun soll sich hier endlich wieder etwas tun: Ab 20. Juni soll das antike Bauwerk einen neuen Zaun um sein Gelände bekommen, in den kommenden Jahren seine Sitzreihen sukzessive wieder restauriert werden. Das Ziel: Touristen, Schülergruppen und auch Theatertruppen sollen das Theater endlich wieder betreten und benutzen können. Doch wann genau das sein wird – das konnte die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) am Dienstag nicht sagen. Professionelle Büros sollen nun Ideen entwickeln und Konzepte für Restaurierung und künftige Nutzung erstellen.

Römisches Theater am Südbahnhof soll wieder lebendig werden - Profi-Büros sollen Ideen entwickeln
Dümpelt vor sich hin: Das römische Theater in Mainz am Südbahnhof – Foto: gik

Was tun mit dem Römischen Theater, immerhin dem größten nördlich der Alpen? Während sich andere Städte alle zehn Finger nach so einem touristischen und antiken Highlight lecken würden, dümpelt das antike Bauwerk in Mainz seit Jahren ungenutzt und fast schon unbeachtet vor sich hin. Die Holzkonstruktionen auf den Steinsitzrunden vergammelten in Regen und Wind und sind so derzeit nicht mehr nutzbar. Auch fehlt es an Infrastruktur: Zuwege, Toiletten, sichere Wege durch das Denkmal – nicht einmal Informationstafeln informieren die Besucher, welch großartiges Erbe hier mitten in der Stadt liegt.

Nun soll sich endlich etwas tun: 95.000 Euro will die Stadt als erstes für eine stabile Zaunanlage rund um das Denkmal investieren. Damit komme der hässliche Bauzaun samt der Leitplanke weg, „wir werden einen 1,60 Meter hohen Stabgitterzaun aus hoher Qualität errichten“, sagte Grosse am Dienstag Mainz&. Am 20. Juni werde mit den Bauarbeiten begonnen, nach sechs bis acht Wochen soll der Zaun stehen.

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Römisches Theater am Südbahnhof soll wieder lebendig werden - Profi-Büros sollen Ideen entwickeln
So sah das Römische Theater im August 2007 noch aus, da stand die Mauer zum Bahnsteig noch – Foto: gik

Danach soll im Theater selbst „so schnell wie möglich die erste Sitzreihe restauriert werden“, informierte die Dezernentin weiter. Baubeginn für die erste Sitzreihe wird aber frühestens das Jahr 2017 sein, die anderen, aufsteigenden Sitzreihen sollen nach und nach folgen. Die Stadt will erst einmal mehrere Planungsbüros aufrufen, Ideen und Vorschläge einzureichen. Ein professionelles Planungsbüro soll dann ab Sommer Ideen für die Entwicklung des Theaters erstellen, Materialien für die Sitze vorschlagen und auch das Thema Überdachung angehen.

„Wir werden darüber nachdenken, wie wir es schaffen können, das Theater permanent zu öffnen“, verspricht Grosse. Ziel sei, das Theater wieder mit Leben zu füllen. An der jetzigen Struktur und dem Ausbaustand soll sich aber nichts ändern, auch die Zahl von 500 Sitzplätzen im Maximalfall soll bleiben – wenn denn einmal alle Sitzränge restauriert sind. Eigentlich wäre es ja schön, wenn im kommenden Jahr zum 20. Jubiläum der Wiederentdeckung das Theater in neuem Glanz….

Römisches Theater am Südbahnhof soll wieder lebendig werden - Profi-Büros sollen Ideen entwickeln
2012, die Mauer muss weg: Gerd Rupprecht legt Hand an dei Trennmauer des Römischen Theaters – Foto: gik

Es war im Jahr 1997, als die Archäologen um Landeschef Gerd Rupprecht oberhalb des Mainzer Südbahnhofs aus dem Boden holten, was lange ein Gerücht schien: Die ersten Steine dessen, was sich als größtes römisches Bühnentheater nördlich der Alpen entpuppte. 42 Meter breit erhob sich einst das stolze Bühnengebäude, das wohl im 1. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde, die Sitzreihen maßen 116 Meter im Durchmesser. Die halbrunden Ränge reichten hinauf bis zum Giebel der Lutherkirche, 10 000 Menschen fanden auf ihnen Platz. Hier fanden die Festspiele zu Ehren des verstorbenen Feldherrn Drusus statt und sicher auch manche Komödie für die römischen Soldaten des Castellum Moguntiacum.

Doch mit dem Ende der Römerherrschaft verfiel auch das stolze Bauwerk, seine Mauern wurden als Steinbruch für andere Gebäude genutzt. In den Jahrhunderten danach versank das Bauwerk in einen wahren Dornröschenschlaf, erst 1872, beim Bau der Bahntrasse, tauchten seine Reste wieder aus dem Boden aus – noch erkannten die Archäologen nicht, was sie da vor sich hatten. Quer durch das ehemalige Bühnenhaus wurde die Bahntrasse gefräst und zerstörte für immer diesen Teil des Bauwerks.

Römisches Theater am Südbahnhof soll wieder lebendig werden - Profi-Büros sollen Ideen entwickeln
Ausgrabungen im Römischen Theater in Mainz im August 2004 – Foto: gik

Erst der Mainzer Archäologe Ernst Neeb schloss 1914 aus Mauerresten in Kanälen und Schächten auf ein Bühnentheater, die Ergebnisse gerieten in Vergessenheit – bis 1997. Da wollte die Deutsche Bahn erneut bauen, einen zweiten Tunnel in Mainz, auch das Gelände des Theaters wäre betroffen gewesen. Doch der damalige Landesarchäologe Gerd Rupprecht erinnerte sich an die alten Schriften Neebs – und schaute nach: Nur zwei, drei Wochen grub er mit ein paar Zivildienstleistenden, dann waren sie fündig geworden und die Sensation perfekt. Bis zum Sommer 1999 wurde ein erstes „Tortenstück“ des Bühnentheaters frei gelegt, bis heute eine rund 1000 Quadratmeter große Fläche.

Doch die Euphorie über die Entdeckung verflog schnell, ohne Rupprecht, seine Helfer und die Initiative Römisches Mainz wäre am Südbahnhof wohl gar nichts passiert. 2012 griff Rupprecht dann erneut zum Werkzeug, dieses Mal zum schweren Vorschlaghammer – und rief „Die Mauer muss weg!“ Es fiel die Mauer, die das Theater vom Bahnsteig trennte, seither können die Reisenden einen Blick von der Bahn auf die antiken Reste erhaschen, der Bahnhof wurde gar in „Römisches Theater“ umbenannt. Schon damals träumte Rupprecht davon, dass im antiken Theaterrund bald wieder Verse und Späße erklingen – daraus geworden ist in den vergangenen  vier Jahren nichts.

Ob nun endlich dem Theater ein Neustart, gar eine Aufwertung beschieden ist – es hängt wohl wie immer am Gelde. Die neuen Konzepte sollen auch dazu dienen, Fördergelder aufzutreiben, verriet Grosse Mainz& – erster Ansprechpartner wäre dann sicher das Land Rheinland-Pfalz. Aber auch Bund und Fördertöpfe der EU kämen eventuell in Frage – es ist doch eigentlich unfassbar, dass so ein historisches Monument von nationalem Rang nicht vernünftig bewahrt und genutzt wird! Und das war jetzt der Kommentar dazu von Mainz& 😉

Info& auf Mainz&: Noch viel mehr Infos zum Römischen Theater in Mainz findet Ihr auf der Internetseite www.theatrum.de/mainz.html – mit tollen Luftbildern sowie wissenschaftlichen Informationen satt.

 

 

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