Déjà-Vu in Mainz: Schon wieder sorgt eine kaputte Autobahnbrücke für Stauchaos in Mainz und Wiesbaden. Seit Montagfrüh herrscht Land unter auf den Autobahnen rund um Mainz, Pendler standen im Stau, selbst in der Mainzer Innenstadt ging zum Teil nichts mehr. Schuld ist in diesem Fall eine Autobahnbrücke an der A66 bei Wiesbaden-Biebrich, die sogenannte Salzbachtalbrücke. Bei Arbeiten an der Brücke bohrte eine Baufirma so verkehrt in den Beton, dass sie mehrere Spannglieder beschädigte, wie Hessen Mobil nun mitteilte. Das Ergebnis: Die Tragfähigkeit der Brücke ist beeinträchtigt, der Verkehr kann nur noch mit einer Spur pro Richtung über die Brücke geführt werden. Der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) äußerte sich stinksauer – und forderte die Pendler eindringlich auf, mit dem Personennahverkehr zur Arbeit zu fahren.

Beschädigte Salzbachtalbrücke an der A 66 sorgt für Stauchaos in Mainz und Wiesbaden - Pendler sollen unbedingt Nahverkehr nutzen
Die Salzbachtalbrücke der A66 bei Wiesbaden-Biebrich ist marode und nun auch noch durch falsche Bohrungen angeknackst. – Foto: Hessen Mobil

Die Salzbachtalbrücke stammt aus dem Jahr 1963, Hessen Mobil selbst nennt sie marode – die Brücke muss daher erneuert werden. Der Auftrag für den Neubau sei bereits erteilt, die Bauarbeiten sollen „im Frühjahr 2019“ beginnen, teilte der hessische Landesbetrieb am Dienstag mit. Damit der Verkehr mit drei Fahrstreifen über eine Brückenhälfte geführt werden könne, sei der nördliche Überbau 2018 mit einer Stahlkonstruktion im Bereich der Pfeiler verstärkt worden. Diese Arbeiten habe eine von Hessen Mobil beauftragte Baufirma ausgeführt – und dabei passierten Fehler: „Die Firma musste, um die Verstärkung anzubringen, in den Beton bohren, dabei hat sie mehrere Spannglieder beschädigt“, teilte Hessen Mobil mit. Die Spannglieder seien an- oder sogar durchgebohrt worden.

Hessen Mobil habe die Firma mehrfach aufgefordert, einen Bohrnachweis zu erbringen um zu zeigen, dass die Arbeiten korrekt durchgeführt wurden. Das habe die Firma aber nicht getan, deshalb habe Hessen Mobil am 18. Januar die Arbeiten überprüft. Bereits bei der ersten Stichprobe sei der Ausführungsfehler festgestellt worden. Das Ergebnis: die Tragfähigkeit der Brücke sei durch den Schaden beeinträchtigt worden. Hessen Mobil verfügte deshalb umgehend, dass statt drei Fahrspuren derzeit nur zwei Fahrspuren über die Brücke führen dürfen. Bisher war der Verkehr mit einer wechselseitigen Regelung mit drei Spuren über die Salzbachtalbrücke geführt worden, die Verengung auf zwei Fahrspuren führte umgehend zu erheblichen Behinderungen.

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Eine schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht: Bis auf Weiteres könne die Brücke nur mit zwei Fahrstreifen genutzt werden, teilte Hessen Mobil weiter mit. Das genaue Schadensbild werde derzeit von Sachverständigen untersucht, dabei soll auch geprüft werden, inwieweit die Brückenhälfte erneut verstärkt werden könne, um wieder drei Fahrspuren über die Brücke zu führen. Erst nach Abschluss dieser Untersuchungen könne die künftige Verkehrsführung während der anstehenden Brückenerneuerung festgelegt werden. Man werde nun mit dem Abbruch des südlichen Brückenbauwerks warten, bis die verkehrliche Situation geklärt sei. Die Autobahnbrücke hat eine Spannweite von 69 Metern und wird pro Tag von rund 80.000 Fahrzeugen benutzt.

Beschädigte Salzbachtalbrücke an der A 66 sorgt für Stauchaos in Mainz und Wiesbaden - Pendler sollen unbedingt Nahverkehr nutzen
Die Umleitungsempfehlung von Hessen Mobil zur Vermeidung der Salzbachtalbrücke auf der A66 führt über den Mainzer Ring. – Grafik: Hessen Mobil

Der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) reagierte unterdessen empört und sprach von einer „Hiobsbotschaft“. Die erneuten erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen für die Region seien „sehr ärgerlich“, er habe sich bei Hessen Mobil „mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass die Mängel schnellstmöglich behoben werden“, sagte Kowol am Dienstag. Die einspurige Verkehrsführung sei „entgegen aller Zusagen und Planungen“ erfolgt, das Straßenverkehrsamt habe umgehend Vertreter der Wiesbadener Polizei zu einem ersten Krisengespräch eingeladen.

In Wiesbaden komme es derzeit zu Stau auf der Biebricher Allee durch Autos, die von der Äppelallee aus das Nadelöhr auf der A66 umfahren wollen. „Von einer Umfahrung quer durch die Wiesbadener Innenstadt kann ich nur abraten, dort geht es nur gefühlt schneller voran“, warnt Kowol. Der erste Ring sei umgehend dicht gewesen. Straßenverkehrsamt und Polizei würden in den kommenden Tagen genau beobachten, wo sich welche selbstgewählten Schleichwege und Umleitungsstrecken bildeten, man werde erforderlichenfalls dagegen einschreiten. „Straßenverkehrsamt und Polizei behalten sich vor, notfalls einzelne Straßen oder Autobahnzubringer und Autobahnabfahrten zu sperren oder eine Sperrung durch die übergeordneten Behörden zu erwirken“, warnte Kowol.

Das Straßenverkehrsamt forderte Hessen Mobil auf, schnellstmöglich ein weiträumiges Umleitungskonzept für den Autobahnverkehr zu entwickeln und umzusetzen, mit klaren Verkehrsleitungsmaßnahmen und notfalls Sperrungen auf den Autobahnen rund um Wiesbaden. Der Autobahnverkehr und vor allem der Lkw-Verkehr müssten wirksam um Wiesbaden herum geleitet werden. Bei Hessen Mobil versicherte man, man arbeite an einem Konzept, um den Schwerverkehr (größer 3,5 Tonnen) dauerhaft umzuleiten. Dumm nur für Mainz: Die Umleitungsstrecken laufen vor allem über den Mainzer Ring, Hessen Mobil empfiehlt das Ausweichen über die A643 und die A60 für Wege aus Richtung Frankfurt in den Rheingau oder umgekehrt. Damit kommt auf Mainz in den kommenden Monaten ein erheblicher Zuwachs an Verkehr zu – und mit Sicherheit werden viele Autofahrer auch den Weg durch die Mainzer Innenstadt suchen.

Kowol appellierte deshalb eindringlich an alle Pendler, wenn irgend möglich auf Busse und Bahnen umsteigen und auf alle anderen nicht zwingend erforderlichen Fahrten mit dem PKW in diesem Bereich zu verzichten. Kowol verwies dabei auch auf den neuen RheingauExpress RE9, der seit dem Fahrplanwechsel Eltville, Walluf, Schierstein und Biebrich schneller mit Frankfurt verbindet. Die neue Expressverbindung RE9 ergänze das Angebot der Rheingau-Linie RB10 und verbinde an Werktagen die Vororte Schierstein und Biebrich ohne Zwischenhalt am Wiesbadener Hauptbahnhof direkt und in nur 40 Minuten Fahrzeit mit Frankfurt – Infos dazu findet Ihr hier. Für weitere Verbesserungen im Öffentlichen Nahverkehr stehe er in einem engen Dialog mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, betonte Kowol.

Info& auf Mainz&: Informationen zur Salzbachtalbrücke findet Ihr hier bei Hessen Mobil, die Informationen und den Fahrplan zur Expresslinie aus dem Rheingau hier im Internet. Aktuelle Informationen zur Stausituation rund um Mainz findet Ihr übrigens hier beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz im Internet – da gibt es auch diverse Webcams, die im Livebetrieb die Lage auf den Straßen zeigen.

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