Ihr kennt doch das Kinderkarussell auf dem Weihnachtsmarkt, oder? Und den großen Glühweinstand auf dem Markt vor dem Extrablatt? Tja, beides wird es in diesem Jahr nicht geben, denn die Stadt Mainz hat die Stände nach neuen Kriterien neu vergeben. Gleich mehrere alteingesessene Schausteller-Familien hatten dabei das Nachsehen, ihre Stände wurden für den Weihnachtsmarkt nicht wieder zugelassen. Die Schausteller fordern nun: wer den Weihnachtsmarkt 40 Jahre lang mit geprägt hat, soll bleiben dürfen.

„Feierabend“, sagt Abboo Benalia, „ich geh‘ aufs Sozialamt.“ Der gebürtige Marokkaner ist noch immer von dem Ergebnis des neuen Auswahlverfahrens mit Punktesystem und neuen Kategorien geschockt. Benalia hatte seit Jahren immer zwei Stände auf dem Weihnachtsmarkt, einen mit Socken und einen mit Lederwaren. Nun hat die Stadt seine Stände nicht wieder zugelassen. „Nach 40 Jahren kriegst du eine Absage“, sagt Benalia. Und statt seiner sei ein Piercing Stand aus Hamburg zugelassen worden, ärgert er sich.

Die Neuordnung des Weihnachtsmarktes wirft nach wie vor hohe Wellen bei denen, die mit ihren Ständen nicht wieder zugelassen wurden – Mainz& berichtete ja schon mehrfach darüber. Lediglich ein Viertel sei das, sagt die Stadt, und dass man „ausführlichst“ mit den Beschickern über das neue Verfahren gesprochen habe. „Nein“, sagt Marco Sottile, das sei „eine Lüge“.

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„Wir haben die nötige Punktzahl nicht erreicht“, sagt Aldo Sottile, Marcos Vater, und klingt dabei noch immer verblüfft. Die Schausteller-Familie Sottile war über Jahrzehnte mit gleich mehreren Ständen auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Dass sie jetzt nicht modern und kreativ genug seien, sei nicht ihre Schuld, sagen sie: „Wir hatten eine Produktfestlegung, wir durften da ja gar nichts ändern“, sagt Marco Sottile.

Marco Sottile hat ein besonderes Problem: Er hatte vor zwei Jahren gegen die Stadt Mainz wegen der Nichtzulassung eines Standes geklagt und verloren. Das Gericht hatte der Stadt Mainz aber aufgegeben, transparentere Kriterien für die Standvergabe zu entwickeln – mit dem Ergebnis, dass langjährige Standbetreiber, die den Weihnachtsmarkt mit aufbauten, nicht mehr zum Zuge kam.

Jahrzehntelang hätten die alteingesessenen Schausteller-Familien den Markt mit aufgebaut, hätten gezahlt für die Pyramide, die Beleuchtung, die Krippenfiguren, sagt Marco Sottile. Dass er nun mit seinem großen Glühweinstand nicht mehr vertreten sein soll, versteht er nicht: „Man kann doch nicht einfach eine Institution austauschen“, empört er sich und fordert: „Wer 40 Jahre hier war, sollte bleiben dürfen.“

Echte Gespräche mit der Stadt über eine Abhilfe habe es nicht gegeben, behauptet Marco Sottile, lediglich das Angebot, einen Stand am Hauptbahnhof aufbauen zu dürfen. Argumentiert werde dabei mit den Pendler-Scharen, die aber, sagt Sottile, „wollen sich nicht gemütlich hinsetzen, sie wollen nachhause.“

Und was den Glühwein angehe, den beziehe seine Familie schon seit Jahren aus dem rheinhessischen Umland, betont Marco Sottile: „Wir regional soll ich denn noch sein? Soll ich den Wein im Garten anbauen?“ Nun hoffen die Schausteller auf ein Einlenken der Stadtspitze, und sie sammeln Unterschriften. Bleibt abzuwarten, ob sich die Stadt doch dazu durchringen kann, den Weihnachtsmarkt zu erweitern – das scheint die einzige Option zu sein, die verfahrene Situation zu lösen.

 

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