Die Schiersteiner Brücke sorgt weiter für Chaos in und um Mainz. Auch am Donnerstag bildeten sich kilometerlange Staus in Mainz und um die verbleibenden zwei Brücken herum. Autofahrer brauchten im morgendlichen Berufsverkehr schon mal 90 Minuten, um über die Theodor-Heuss-Brücke zu kommen. Die werde demnächst wegen Belagsarbeiten gesperrt, unkten User auf Facebook. Wir können Euch beruhigen: Es war ein Fake. Derweil wächst die Angst vor dem Bahnstreik.

Schiersteiner Brücke: Appelle an GDL, Unfälle und eine Fake-Meldung
Horrovision leere Gleise im Mainzer Hauptbahnhof… – Foto: gik

In der derzeit angespannten Verkehrssituation würde ein Bahnstreik insbesondere in Rheinhessen,  Mainz und dem Raum Wiesbaden „zu einem bislang noch nicht da gewesenen Verkehrsinfarkt führen“, sagte Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag – und schrieb prompt einen Brief an den Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky.

Appell an Weselsky: Region Mainz ausnehmen

„Ich wäre Ihnen daher vor allem im Interesse der betroffenen Arbeitnehmer sowie der Unternehmen dankbar, wenn Sie die absolute Ausnahmesituation im Raum Rheinhessen, Mainz und Wiesbaden bei den weiteren Streikplanungen der GDL berücksichtigen, und die Region Mainz von den Streiks ausnehmen würden“, schrieb Lewentz weiter.

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Damit wird der Appell an die Gewerkschaft sozusagen offiziell – gestern hatte schon Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) an die GDL appelliert. Heute schloss sich dem der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) an. „Ein Streik der Bahn in dieser Zeit würde zu Recht als Schlag in die Magengrube verstanden werden, und die letzten noch vorhandenen Sympathien für den Arbeitskampf zunichte machen“, warnte Ebling seinerseits in einem Brief an Weselsky. Der Mann kriegt gerade richtig viel Post 😉

In den Staus wächst die Unfallhäufigkeit

Schiersteiner Brücke: Appelle an GDL, Unfälle und eine Fake-Meldung
Stausituation am Donnerstag, 19. Februar, nachmittags

Die Stadt Mainz allerdings tat zum Verkehrschaos noch ein bisschen was dazu: Die Saarstraße ist seit gestern stadteinwärts nur mit zwei beengten Spuren zu befahren, Grund sind die Bauarbeiten für die Mainzelbahn. Die könnten leider nicht aufgeschoben werden, bedauerte Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) gegenüber dem Südwestfunk. Immerhin: Eigentlich war sogar nur eine Spur stadteinwärts vorgesehen, die Stadt richtete wegen der Schiersteiner Brücke aber zwei Spuren ein.

Ebling wiederum betonte in seinem Brief an Weselsky, er erwarte „ein Signal der Rücksichtnahme“ von der Gewerkschaftsführung: „Es geht nicht nur um die Staus und die damit verbundenen Probleme, sondern auch um die steigende Unfallgefahr insbesondere im Berufsverkehr durch häufige Fahrspurwechsel und andere Beschleunigungsversuche“, sagte Ebling.

Unfälle in den Ausfahrten Hechtsheim und Finthen

Wie Recht der OB doch hatte: Am Nachmittag waren die Ausfahrten Hechtsheim-West wegen Unfällen in beiden Richtungen gesperrt, zeitgleich ereignete sich ein Unfall in Höhe Mainz-Finthen – auch hier wurde die Ausfahrt Saarstraße gesperrt. Dabei ist so etwas eigentlich für die derzeitige Verkehrssituation nicht zu verkraften. Und Konzepte, den Verkehr zu entspannen, sind weiter nicht in Sicht.

Wie auch? Wo zwei Brücken das Aufkommen von drei tragen müssen, da ist einfach Ende. Leute, fahrt bitte besonders vorsichtig!

Schiersteiner Brücke: Appelle an GDL, Unfälle und eine Fake-MeldungSperrung der Theodor-Heuss-Brücke ist Fake

Derweil verbreiteten irgendwelche Scherzbolde auf Facebook, nun werde auch die Theodor-Heuss-Brücke wegen Bauarbeiten an der Fahrbahndecke gesperrt. Wahr daran ist: auf der Brücke muss tatsächlich die Fahrbahndecke der einen Hälfte noch erneuert werden – auf der anderen Seite war das gerade schon passiert.

Aber natürlich ist eine solche Baustelle derzeit undenkbar – prompt reagierte denn auch die Stadt und sprach von „Blödsinn im Internet“. „Angebliche Pläne zur Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke entbehren jeder Grundlage“, betonte die Stadt, entsprechende Pressemitteilungen der Stadt existierten nicht. Tja, wer den Schaden hat, muss bekanntlich für den Spott nicht sorgen… 😉

Theodor-Heuss-Brücke: Im Sommer Fahrbahndeckenarbeiten geplant

Update: Verkehrsdezernentin Katrin Eder bestätigte Mainz& übrigens auf Facebook, die Erneuerung der Fahrbahndecke Teil 2 auf der Theodor-Heuss-Brücke sei eigentlich für die Sommerferien anvisiert gewesen. „Aber da warten wir jetzt mal Ende März ab. Aufträge sind noch keine erteilt“, schrieb Eder Mainz&.

Schiersteiner Brücke: Appelle an GDL, Unfälle und eine Fake-Meldung
Die neue Rheinfähre zwischen Budenheim und Walluf – Foto: hr info

Neue Fähre bei Budenheim läuft

Lewentz betonte unterdessen, die Landesregierung unternehme derzeit „erhebliche Anstrengungen, alle realistisch kurzfristig möglichen Maßnahmen“ zur Verkehrsentlastung zu ergreifen. Auch würden alle aktivierbaren Reserven im Schienenverkehr genutzt, um möglichst viele Autofahrer für einen Umstieg auf die Angebote des Schienenpersonennahverkehrs zu gewinnen.

Zwischen Budenheim und Walluf nahm jedenfalls am Donnerstag eine neue Fährverbindung ihren Betrieb auf, damit gibt es jetzt auf kürzester Strecke gleich drei Fährverbindungen über den Rhein. Jedes bisschen hilft eben…

Schiersteiner Brücke: Appelle an GDL, Unfälle und eine Fake-Meldung
Das twitterte der CDU-Landtagsabgeordnete und Architek Gerd Schreiner früh am Donnerstag

CDU: Landesstraßen sanieren und zukunftsfit machen

Derweil streitet die Politik darüber, wer welches Versäumnis zu verantworten hat. CDU-Landeschefin Julia Klöckner forderte, „aus dem Chaos rund um die Schiersteiner Brücke muss jetzt für die Zukunft gelernt werden.“ Die Brücke solle ein warnendes Beispiel dafür sein, die Infrastruktur im Land nicht weiter zu vernachlässigen. Landesstraßen müssten gründlich saniert und zukunftsfit gemacht, die Maßnahmen deutlich besser geplant werden, als bisher.

Wirtschaft befürchtet Millionenverluste

Da hat die CDU-Frontfrau Recht, den Unfall an der Schiersteiner Brücke jetzt aber der rot-grünen Landesregierung in die Schuhe schieben zu wollen, finden wir aber ziemlich erbärmlich. Ein Blick ins schwarz-regierte Hessen zeigt nämlich: In ganz Deutschland hat die Politik die Sanierung von Straßen und vor allem Brücken viel zu lange auf die lange Bank geschoben, völlig unabhängig vom Parteibuch. Es ist eben als Minister viel schöner, bunte Bänder zur Einweihung zu zerschneiden, als Bestehendes unspektakulär zu sanieren….

Derweil befürchtet die Wirtschaft in Mainz Millionenverluste durch die Brückensperrung. Einem Mainzer Container-Unternehmen entstünden durch die Sperrung durch Zeit und Umwege Mehrkosten in Höhe von 150.000 Euro pro Woche, berichtete die Industrie- und Handelskammer Rheinhessen. Bei einer Brückensperre bis Ende März erleide allein dieses einzige Unternehmen Zusatzkosten in Millionenhöhe – und dies sei nur ein Beispiel.

Tja, Lösungen für das Problem sind weiter nicht in Sicht. Vielleicht erbarmt sich ja GDL-Chef Weselsky wirklich – schließlich feierte er gut gelaunt bei „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ mit….

Info& auf Mainz&: Informationen zur aktuellen Verkehrslage findet Ihr unter www.verkehr.rlp.de, www.lbm.rlp.de, und www.mobil.hessen.de, Infos zu Bussen und Bahnen auf www.der-takt.de oder auf den Seiten der Verkehrsunternehmen www.bahn.de, www.vlexx.de, www.mvg-mainz.de und www.rmv.de.

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