Das sind keine guten Nachrichten von der Schiersteiner Brücke: Das Bauwerk zwischen Mainz und Wiesbaden bleibt bis Anfang kommender Woche komplett gesperrt. An einem Brückenpfeiler auf Mainzer Seite ist ein Lager herausgebrochen, die Brücke hat sich um ungefähr 30 Zentimeter gesenkt. Die Brücke ist derzeit nicht befahrbar und bleibt auf jeden Fall über Fastnacht dicht. Stadt Mainz und Land Rheinland-Pfalz wollen nun die Bahnen verstärken – und die Fähren über dem Rhein.

Schiersteiner Brücke bis nächste Woche voll gesperrt
Da ist das Problem: Riss in der Schiersteiner Brücke, Pfeiler schief – Foto: gik

Es war am Dienstagabend um 22.00 Uhr, als Bauarbeiter von der Brück aus die Mainzer Polizei unterrichteten: Brücke sofort sperren! Erst war nur die eine Seite Richtung Wiesbaden betroffen, wenige Minuten später hieß es dann aber schon: Brücke komplett dicht machen! Eine Gefährdung für Leib und Leben habe nicht ausgeschlossen werden können“, sagte Bauleiter Bernd Hölzgen am Mittwoch.

An der Brücke ist ein deutlicher Riss zu sehen, der führt vom oberen Rand der Brücke die Seite hinunter, und setzt sich auch noch ein ganzes Stück unter der Brücke fort. Das sieht ganz und gar nicht gut aus… Der Riss verläuft direkt neben der kleinen Fußgänger-Wendeltreppe, die bei Mombach hinauf auf die Brücke führt. Und man kann sehen, dass der erste Pfeiler von hier aus gesehen weniger Abstand zur Brücke oben drauf hat, als sein Nachbar.

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Schiersteiner Brücke bis nächste Woche voll gesperrt
Der Ort des Geschehens, unterhalb der Schiersteiner Brücke auf Mainzer Seite, rechts der Pfeiler – Foto: gik

In dem Zwischenraum zwischen Pfeiler und Brücke sollte eigentlich ein rundes Brückenlager stecken, doch genau das fehlt nun. Die Ursache waren offenbar Bauarbeiten im Boden unterhalb der Brücke. Der Untergrund sollte nämlich verstärkt werden, damit der Pfeiler zusätzlichen Verkehr tragen können sollte.

Die Schiersteiner Brücke wird ja derzeit komplett neugebaut. Der alte Teil sollte eigentlich demnächst auf einer Hälfte den gesamten Verkehr aufnehmen, damit ein Teile der alten Brücke abgerissen werden und dort der Neubau begonnen werden konnte.

Doch offenbar stimmte etwas im Untergrund nicht: Die Bodenplatte des Pfeilers stellte sich offenbar schief, der Pfeiler neigte sich zur Seite, dadurch sprang das Brückenlager heraus – und die Brücke senkte sich um 30 Zentimeter ab. „Man hörte, wie das Lager raussprang“, berichtete Hölzgen.

Jetzt ist guter Rat teuer – denn über die Schiersteiner Brücke fahren jeden Tag rund 80.000 Fahrzeuge. Schon heute Morgen war das Verkehrschaos enorm, die Mainzer Innenstadt war komplett überlastet. „Wir stehen vor einer schwierigen Herausforderung“, sagte denn auch Innenminister Roger Lewentz (SPD), der sich am Mittag an der Schiersteiner Brücke informierte.

Schiersteiner Brücke bis nächste Woche voll gesperrt
Schiersteiner Brücke: Riss mit Wendeltreppe und Pfeiler rechts – Foto: gik

„Ich fahre eigentlich auch jeden Tag über die Brücke, morgens rein, abends wieder raus“, berichtete Lewentz, der im rechtsrheinischen Kamp-Bornhofen zuhause ist. Wie lange die Sperrung nun dauern wird? „Das kann ich Ihnen nicht sagen“, bekannte Lewentz, „die Statiker rechnen noch.“ Statiker und Techniker prüften derzeit die Brücke, ob die überhaupt Verkehr aufnehmen könne, müsse anhand der Daten berechnet und beurteilt werden. „Es wird Tage dauern, bestimmt“, sagte Lewentz.

Das Land ist deshalb nun derzeit im Gespräch mit dem Zweckverband Schienennahverkehr und dem RMV. Das Ziel: Bahn und S-Bahn verstärken, doch inwieweit das geht, ist noch offen. Die einfachste Möglichkeit ist, einfach weitere Wagen an schon bestehende Züge anzuhängen. „Wir versuchen, relativ kurzfristig Verbesserungen zu erreichen“, sagte Lewent: „Wir werden alles, was sich anbietet, versuchen.“

Dazu gehören auch die Fährverbindungen über den Rhein. Mainz& hatte Euch ja schon gestern Nacht vorsorglich geraten, die Fährverbindungen zu nehmen – offenbar hatten noch ein paar andere Leute dieselbe Idee. Auch die Fähren waren dem Ansturm heute morgen nicht gewachsen, sie sollen nun nach Möglichkeit verstärkt werden.

Schiersteiner Brücke bis nächste Woche voll gesperrt
Fähre zwischen Bingen und Rüdesheim – Foto: gik

Lewentz dachte laut darüber nach, ob nicht auch zwei oder sogar drei Fähren an einem Standort eingesetzt werden könnten. So könnte eine Fähre von Bingen die Verbindung zwischen Ingelheim und Oestrich-Winkel verstärken. Möglicherweise könne sogar ein drittes Fährboot von Linz am Rhein geholt werden, doch auch das geht nicht schnell: „Die fährt ja nicht mit Tempo 100 den Rhein hinauf…“ Eher nicht.

„Seit 11.00 Uhr schaffen wir den Verkehr wieder“, sagte Michael Maul, Betreiber der Fähre zwischen Ingelheim und Oestrich-Winkel, am Nachmittag Mainz&. In den Morgenstunden aber war der Andrang zu groß, „wir hatten etwa das Dreifache“, sagte Maul: „Wir haben heute Morgen Autos stehen gelassen, da hatten wir Wartezeiten von über einer Stunde.“

„Wir fahren mit voller Kraft“, sagte der Fährbetreiber. Doppelt so oft fahren, das Doppelte an Personaleinsetzen, mehr könne er auch nicht tun. „80.000 Fahrzeuge kann man mit einer Fähre nicht ausgleichen“, betont Maul. In der Tat nicht…Das Innenministerium habe übrigens schon dreimal angerufen, verriet Maul Mainz&: „Die sind in Panik.“

Schiersteiner Brücke bis nächste Woche voll gesperrt
Schiersteiner Brücke: Bernd Hölzgen vom Landesbetrieb Mobilität zeigt die Fallhöhe der Brücke – Foto: gik

Der Fährbetreiber bestätigte aber auch, dass es Überlegungen mit einer weiteren Fähre gebe: „Wir können vielleicht eine Ersatzfähre von Rüdesheim bekommen“, sagte Maul. Doch auch das ist nicht so einfach, denn ausgerechnet auf der Höhe des Fährverbindung habe sich ein Schiff festgefahren: „Hier sind Bagger und die Wasserschutzpolizei im Einsatz, wir eiern da zwischendrin rum.“

Und dann musste Maul auflegen, denn es begann schon der Abendverkehr zurück in Richtung Rheinland-Pfalz. 4,20 Euro koste übrigens eine Fahrt, sagte Maul noch, „aber viele steigen jetzt auf die Zehnerkarte für 34,- Euro um, das ist der Tipp des Tages…“

Insgesamt sieht es so aus, als würde das Problem Schiersteiner Brücke sich nicht schnell in Luft auflösen. Lewentz appellierte deshalb auch eindringlich an alle Pendler, bloß mit Bussen und Bahnen zu fahren. In Mainz griff die Stadt unterdessen zu einem drastischen Schritt: Weil in der Innenstadt gar nichts mehr ging, wurden Ampelanlagen an der Pariser Straße und an der Saarstraße, Höhe Arbeitsamt zu Pförtnerampeln geschaltet.

Damit werden nur so viele Autos in die Innenstadt gelassen, wie sie auch wieder verlassen. Nur, das gibt ja auch kilometerlange Rückstaus…. Damit droht auch an Rosenmontag ein erhebliches Chaos, lasst bloß das Auto stehen!

Info& auf Mainz&: Mainz& hält Euch natürlich auf dem Laufenden über die weitere Entwicklung. Wenn Ihr Erlebnisse, Fotos vom Chaos in Mainz und drumherum habt – her damit! Wir veröffentlichen sie gerne! Einfach Email an info@mainzund.de. Infos zum Zugverkehr in Rheinland-Pfalz findet Ihr unter www.dertakt.de, zur Fähre Ingelheim geht es hier entlang. Informationen zu Bussen und Bahnen in Mainz gibt’s wie immer bei der MVG. Beim RMV listet man Alternativen zur Schiersteiner Brücke auf.

 

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