Für die AKK-Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim liegt Mainz ja erheblich näher als Wiesbaden, und das sowohl ideell als auch geografisch. Vor allem von Kastel und Kostheim aus geht man in Mainz einkaufen, besucht kulturelle Events und geht einen trinken. Kein Wunder also, dass die Eltern in AKK auch ihre Kinder viel lieber auf die Mainzer Schulen schicken. Doch genau das versucht Mainz inzwischen zu verhindern – mit Wiesbaden führt das inzwischen zu einem Streit mit verhärteten Fronten.

Schulstreit um AKK-Gymnasiasten zwischen Mainz und Wiesbaden
Kein Weg nach Mainz für AKK-Schüler? – Foto: gik

Im Städteausschuss zwischen Mainz und Wiesbaden vergangenen Mittwoch prallten die Fronten aufeinander. Mainz wachse, habe steigende Geburtenzahlen und deshalb auch wachsende Anmeldungen an seinen Schulen, berichtete der Mainzer Bildungsdezernent Kurt Merkator (SPD). „Wir müssen unsere eigenen Schüler unterbringen“, sagte er. Und er habe sich mal angeguckt, wie viele Hessen an Mainzer Schulen lernen.

1.800 hessische Schüler in Mainz

1.089 hessische Schüler habe es im Schuljahr 2013/2014 an den öffentlichen Mainzer Schulen gegeben, dazu 808 auf privaten Schulen. Zusammen seien das 1800 Schüler, „das ist eine ganze Menge“, betonte Merkator. Das Problem der Stadt: Für diese Schüler bekommt es vom Land keine Mittelzuweisungen, Mainz legt dabei also drauf.

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„Wir müssen die Zahlen zurückschrauben“, sagte Merkator. Nur noch am Rabanus-Maurus-Gymnasien gebe es eine Hessen-Klasse, weitere werde es nicht geben. Außerdem kämen hessische Schüler mitnichten nur aus AKK, die Schulen nähmen auch Bewerber aus Rüsselsheim und anderen hessischen Orten, „das ist ein Problem“, sagte der Dezernent. Das Kriterium der Schulen sei schlicht der Notendurchschnitt.

Erst Mainz, dann Umland – und dann AKK

Schulstreit um AKK-Gymnasiasten zwischen Mainz und Wiesbaden
Sehnsüchtiger Blick von Kastel nach Mainz – Foto. gik

Das Problem ist aber auch, dass Mainz vor einigen Jahren eine Rangliste einführte, nach der erst Mainzer Schüler genommen werden, danach Schüler aus dem rheinhessischen Umland – und erst dann Schüler aus AKK. So haben Eltern aus AKK oft das Nachsehen, in Wiesbaden werden die aber auch nicht gern genommen, berichtete ein Vater aus AKK neulich Mainz&.

„Es gibt immer den Wunsch aus AKK heraus, nach Mainz zu gehen“, sagte die Wiesbadener Schuldezernentin Rose-Lore Scholz: „Wir haben keinen Einfluss darauf.“ Die Eltern fänden immer wieder Wege, ihre Kinder in Mainz beschulen zu lassen. „Wir haben noch keine Möglichkeit gefunden, das abzustellen“, sagte Scholz im Städteausschuss. Der Versuch aber, sich zwischen Mainz und Wiesbaden abzustimmen, gelinge nur insofern, „dass wir beide wissen, was in den anderen Städten geschieht.“ Ui, das klang aber sehr nach Eiszeit…

Bohrer fordert Schulentwicklungsplan mit AKK

„Es wäre schön gewesen, wenn Sie über die Jahre hinweg mal zu einer Einigung gekommen wären“, kommentierte das der Wiesbadener Linken-Stadrat Hartmut Bohrer aus Kastel.  Und er erinnerte die Wiesbadener Dezernentin, dass sie schon „vor langer Zeit“ ein Gymnasium für AKK versprochen, dies aber nie eingehalten habe.

Nun werde in Wiesbaden über ein neues Gymnasium nachgedacht, sagte Bohrer weiter, das könne man doch in einem Ort an der Rheinschiene zwischen Schierstein und Kostheim einrichten. Nötig sei aber noch etwas, betonte Bohrer: Es brauche dringend „einen Schulentwicklungsplan über den Rhein hinweg.“

 

1 KOMMENTAR

  1. Ja, ja, ein Gymnasium in AKK – davon können wir wohl noch lange umsonst träumen. Vorher kommt noch eher ein neues, schickes Bürgerhaus am Ortsrand, die ein oder andere Brücke und der sagenumwobene Tunnel unterm Main durch ;o)

    Aber im Ernst: Wie wäre es denn mit einem Standort auf dem Linde-Gelände? Es ist doch ohnehin schade, dass auch der „Altbau“-Teil der alten Industrieniederlassung komplett plattgemacht werden soll. Wäre optimal verkehrsgünstig in S-Bahn-Reichweite des Kasteler Bahnhofs gelegen, da könnten auch die Wiesbadener Kinder hinkommen. Und wer weiß, vielleicht dreht sich der Spieß dann um und am Ende reißen sich die Mainzer Eltern darum, ihr Kind hier unterrichten zu lassen – dann aber bitte nur strikt nach Rangliste!

    Übrigens: Wieso finden sich denn eigentlich nie Architekten und Planer, die anstatt teurer Loftwohnungen, öder Reihenhausbebauung oder sozialer Brennpunktarchitektur mal eine innovatives Schulgebäude aus sowas machen?

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