Wenn Ihr heute um 12.30 Uhr mal eine Minute Zeit habt, solltet Ihr sie Euch nehmen. Genau dann nämlich wird in Mainz des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs vor genau 75 Jahren gedacht. Es war am 1. September 1939, als Deutschland Polen überfiel und damit den Zweiten Weltkrieg auslöste.“Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“ So teilte NSDAP-Reichskanzler Adolf Hitler am 1. September 1939 vormittags im Berliner Reichstag den Beginn der Kriegshandlungen mit. Es war der Beginn eines beispiellosen Mordens.

Korrektur–Korrektur: Mainz& hatte versehentlich in der ersten Fassung 70 Jahre geschrieben, das – ähem – ist natürlich Unsinn…. Dank unseres aufmerksamen Lesers R. Seelig haben wir doch noch mal nachgerechnet – und können zu unserer Verteidigung nur sagen: Haben wir aus einer Pressemitteilung übernommen. Sollte man eben einfach nicht machen – oder wenigstens nachrechnen 😉

Stolperstein für Löwenberg in Mainz vor dem Erbacher Hof - Foto: gik
Ein Stolperstein in Mainz, einer der vielen kleinen Gedenksteine an die Opfer der Nazis – Foto: gik

In Zeiten, in denen in der Ukraine erneut ein Krieg geführt wird um Territorien, Vormachtstellung und der verblendeten Hatz nach nationaler Größe ist es umso wichtiger, eines Krieges zu gedenken, der einmal genau so angefangen hat. Hitlers Größenwahn, die ideologische Verblendung der Nazis von der „Herrenrasse“, der begeisterte Wahn vom „totalen Krieg“ – am Ende von sechs Jahren fielen dem rund 60 Millionen Menschen in Europa zum Opfer.

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Der Zweite Weltkrieg verwandelte Europa in eine Trümmerwüste – und zeigte der Welt vor allem das beispiellose Morden der Nationalsozialisten sowie ihre menschenverachtende Ideologie. Auschwitz, Birkenau, die Konzentrationslager der Nazis mit ihrer anonymisierten Tötungsmaschinerie sind Mahnmale, wozu Ideologen, aber auch in Befehlsketten scheinbar legitimierte Bürokraten in der Lage sind. Unter den Folgen leidet die Welt bis heute – nicht zuletzt ist auch der Krieg zwischen Israel und der Hamas im Westjordanland eine Folge davon.

Der Zweite Weltkrieg lehrt durch seine entsetzlichen Bilder von Entmenschlichung, Verwüstung und millionenfachem Mord auch: Angezettelt ist ein Krieg schnell, beendet wesentlich langsamer – und die Folgen bleiben über Generationen hinweg.

Gedenktafel Gestapo Kaiserstraße Mainz
Gedenktafel für die Opfer Nazis am ehemaligen Quartier der Gestapo in der Mainzer Kaiserstraße – Foto: gik

Und apropos „angezettelt“ und „zurückgeschossen“: Am Morgen des 1. September hatte die deutsche Wehrmacht Polen überfallen – ohne Kriegserklärung. Hitler gab den Angriff als „Verteidigungsaktion“ aus und verwies auf den angeblich polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz am Vorabend. Den aber hatte die SS inszeniert…

Und die Reaktion der damaligen Großmächte? Nun, Frankreich und Großbritannien forderten lautstark den Rückzug der deutschen Soldaten binnen zweier Tage. Hitler ließ das Ultimatum verstreichen. Es folgten der Austritt des Deutschen Reichs aus dem Völkerbund, die Besetzung des eigentlich entmilitarisierten Rheinlands durch Hitlers Armee, und der „Anschluss“ Österreichs im März 1938. Na, erinnert Euch das an was?

„Die internationale Gemeinschaft verhielt sich gegenüber den deutschen Expansionsschritten abwartend“, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung in ihrem sehr guten Hintergrund zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. „Doch die politische Strategie der Beschwichtigung (appeasement) zeigte nicht die gewünschte Wirkung“, heißt es dort weiter: „Im März 1939 marschierten Wehrmachtssoldaten in die unabhängig gebliebenen Teile der Tschechoslowakei ein und lösten den Staat auf.“

Wenn also am Montagmittag um 12.30 Uhr vor der Römerpassage in Mainz mit einer Schweigeminute an den Überfall auf Polen und damit den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erinnert wird, dürft Ihr gerne mitschweigen – und vor allem mitdenken. Wo immer Ihr gerade seid. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs mag gefühlt weit weg sein, die Ukraine ist es nicht.

Info& auf Mainz&: Montag, 1. September, 12.30 Uhr Schweigeminute zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Ort: Vor der Römerpassage, Kardinal-Volk-Platz – oder wo immer Ihr seid. Aufgerufen hat die Arbeitsgemeinschaft (kleiner) christlicher Kirchen in Deutschland, zu der Ihr mehr hier findet.

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