Am  Lautesten waren die Grünen: Lautstarker Jubel schallte durch das Rathaus in Mainz, immer und immer wieder. Dabei hatten die Grünen bei der Kommunalwahl am Sonntag sogar 1,4 Prozentpunkte abgegeben, aber das interessierte keinen. 20,5 Prozent, das bedeutete für die Grünen: Sie sind angekommen im Reigen der großen drei Parteien, trotz Regierungsbeteiligung. Der wahre Sieger des Abends aber war die SPD: 6,2 Prozentpunkte mehr, 30,6 Prozent – das bedeutete: die Sozialdemokraten sind seit 20 Jahren wieder die stärkste Kraft im Mainzer Stadtrat.

Síegreiche SPD, jubelnde Grüne: Rot-Grün siegt in Mainz
Rotes Mainz…

Um Punkt 18.00 Uhr war es muchsmäuschen still im Mainzer Rathaus, gespanntes Warten auf die erste Prognose: Was dann kam, übertraf alle Erwartungen:  SPD: 30,6 Prozent, plus 6,2 Prozentpunkte, CDU: 26,0 Prozent, minus 4,1 Prozentpunkte. Grüne 20,5 Prozent, minus 1,4 Prozentpunkte. FDP: 5,0 Prozent, minus 5,7 Prozentpunkte. Linke: 6 Prozent, plus 2,4 Prozentpunkte. ÖDP: 5,5 Prozent, minus 0,2 Prozentpunkte. AfD: 2,5 Prozent.

Groß deshalb auch der Jubel bei der SPD, Fraktionschef Eckart Lensch trat Freude strahlend vor der Fraktion:   “Die CDU wollte die „Ampel“ abschalten, das hat nicht geklappt, und das freut uns besonders”, sagte er. Diesen Erfolg “wird uns und Euch so schnell niemand nehmen”, fügte er hinzu. Tatsächlich stehen die Zeichen im Rathaus jetzt sogar auf Rot-Grün: SPD und Grüne steuerten gegen 19.00 Uhr auf die absolute Mehrheit zu, damit könne die FDP, der dritte Partner in der Ampel, überflüssig werden.

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Síegreiche SPD, jubelnde Grüne: Rot-Grün siegt in Mainz
…grünes DAINZ – Foto: gik

FDP-Fraktionschef Walter Koppius sah denn auch weder glücklich noch unglücklich aus. „Das ist ein normales Ergebnis wie früher auch“, sagte er Mainz&. Da schwang auch eine gehörige Portion Erleichterung mit, nicht noch weiter abgerutscht zu sein. „Wir sind damit nicht zufrieden, aber es ist ein sehenswerter Erfolg“, sagte Koppius – auch mit Blick auf das desaströse Abschneiden bei der Europawahl.

Die FDP im Bundestag rausgeflogen, im Mainzer Landtag auch – hetzt sei „der Tiefpunkt erreicht“, sagte er. Und immer wieder sei er an den Wahlkampfständen auf Ex-FDP-Chef Philipp Rösler und Ex-Außenminister Guido Westerwelle angesprochen worden. „Der Trend von oben war immer noch massiv“, seufzte Koppius. Daran gemessen, „müssen wir in Mainz zufrieden sein.“ Ein so starkes Abschneiden von Rot-Grün, das sei „schon eine Überraschung.“

Definitiv unzufrieden und großer Verlierer des Abends: die CDU. Magere 26 Prozent, satte 4,1 Prozentpunkte abgegeben, nur noch zweitstärkste Kraft im Rat – ein Debakel. Dementsprechend versteinert waren die Mienen, im Foyer des Rathauses war es sehr, sehr ruhig. Woran es lag, darüber wollten die meisten Christdemokraten nicht spekulieren. „Nicht so schön“, sagte CDU-Kreischef Wolfgang Reichel, „wir haben uns was Anderes vorgenommen.“ Jetzt müsse man erst einmal die detaillierte Auszählung abwarten.

Auch der Mainzer CDU-Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner betonte, die CDU habe in den vergangenen fünf Jahren eine gute Arbeit gemacht. Die Wähler hätten eher „aktiv für Rot-Grün“ als gegen die CDU gestimmt, sagte Schreiner.Dazu seien offenbar wieder mehr SPD-Wähler zur Wahl gegangen als vor fünf Jahren, als die SPD unter Wohnbau-Affäre und OB Jens Beutel litt.

Andere Christdemokraten wurden deutlicher: „Solange wir in dieser Partei keine durchgreifende Einigung hinbekommen, sind diese Ergebnisse normal“, sagte Bernd Noll, Ortsvorsteher in Marienborn, Mainz&. Die Anspielung galt dem Machtkampf, der immer noch in der Mainzer CDU nicht ausgestanden ist. Einen „Schuldigen“ hatte die CDU dann auch noch ausgemacht: „Der OB war omnipräsent und hatte seinen Anteil an der Wahl“, grummelte Reichel.

Der so angesprochene Michael Ebling (SPD) strahlte eindeutig: „Bingo, Bongo, ein super Abend!“ freute sich Ebling. Es habe sich gelohnt, sich anzustrengen.“ So ein Schulterklopfen vom Wähler sie großartig, „Was will man mehr?“ Die Wählerstimmen, das sei „die Währung, für die wir leben, das macht schon glücklich“, sagte er Mainz&.

Und noch ein anderer strahlte am Wahlabend: Bürgermeister und Finanzdezernent Günter Beck (Grüne): „Das ist nahezu sensationell, das ist eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagte Beck Mainz&. Denn es sei ja doch „einen offene Frage“ gewesen, wie denn die Wähler die Performance der Grünen beurteilen würden. Zum ersten Mal mit in der Stadtspitze, dazu ein schwieriges Ressort wie die Finanzen – nein, es war alles andere als klar, ob die Grünen ihr Ergebnis von vor fünf Jahren würden halten können.

„Über 20 Prozent!!“ schallte es deshalb auf der Wahlparty der Grünen durch den Raum. „Über 20 Prozent, das ist grandios“, sagte auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner. Nun sei klar, dass die Grünen ein stabile, feste Bank in Mainz seien. Tatsächlich spielen in Mainz damit künftig drei große Parteien mit – mit den Grünen als dritte Kraft. „Es ist die Bestätigung für die gute Arbeit, die wir gemacht haben“, sagte auch Katrin Eder, Umweltdezernentin der Grünen strahlend. Und nein, es müsse in Zukunft „nicht jedes Stiefmütterchen zur Tomate mutieren“, sagte sie in Anspielung auf die Gemüsebeete in der Stadt. „Aber wir haben noch genügen´d in Petto,“ sagte sie – „um richtig loszulegen.“

 

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