Er war einer der erfahrensten Dezernenten im Mainzer Stadtvorstand, hoch geschätzter Fachmann und granteliger Klartext-Redner: Kurt Merkator, Dezernent für Soziales, Kinder, Jugend, Schule und Gesundheit. Schon länger hatte der 64-Jährige angekündigt, mit 65 Jahren sein Amt abgeben zu wollen, jetzt macht der Sozialdemokrat es wahr: Im Sommer 2017 hört Merkator auf. Das Bedauern ist groß, hatte Merkator doch gerade bei Schulen und Kindergärten ganz unspektakulär Großes geleistet: Ausbau der Kitas, Schulfrieden, neue IGS, Merkator löste Probleme, leise, mit den Leuten, zielgerichtet. Dass Mainz die Flüchtlingskrise 2015 meisterte wie nur wenige Städte im Land ist auch ihm zu verdanken. Nun soll eine Findungskommission einen Nachfolger suchen.

Sozialdezernent Kurt Merkator geht 2017 in Ruhestand - SPD beruft Findungskommission
Kurt Merkator, Sozial- und Schulderzernent in Mainz, hört zum Juni 2017 auf – Foto: Stadt Mainz

„Ich möchte Sie darüber informieren, dass mit Schreiben vom 14.11.2016 Herr Beigeordneter Kurt Merkator mich gebeten hat, mit Ablauf des 30.06.2017 in den Ruhestand treten zu können“, informiert Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Montag die Fraktionen im Mainzer Rathaus. “ Ich werde diesem Wunsch natürlich entsprechen“, schrieb Ebling weiter, auch wenn das Ansinnen „ein schmerzvoller Moment“ sei. Merkator genieße „als Mensch wie als Politiker wie kaum ein anderer hohe öffentliche Wertschätzung über alle Parteigrenzen hinaus, die für sein hohes Engagement, die große Fachkenntnis und ein kaum übertreffbares Maß an Integrität stehen.“ Merkator sei in seinem Wirken in allen Bereichen in allerhöchstem Grade anerkannt und geschätzt.

Dass der Dezernent die eigene Nachfolge frühzeitig und mit einer Einarbeitungszeit für die Neubesetzung regeln wolle, spreche für seinen Weitblick, lobte Ebling zudem und fügte hinzu: „Wir kennen uns seit Ewigkeiten, Kurt Merkator hinterlässt ein top bestelltes Feld.“ Auch die Mainzer SPD reagierte mit Bedauern: „Er ist ein Politiker, der sich in seinen Ämtern durch Kompetenz, Durchsetzungskraft und Zuverlässigkeit ebenso auszeichnet wie durch Loyalität, Standfestigkeit und Weitsicht“, sagte für den SPD-Vorstand Klaus Euteneuer. Merkator habe „Orientierung auch in schwierigen Zeiten“ geboten und gerade mit seinem effizienten und geräuschlosen Handeln in der Flüchtlingskrise entscheidend zur Lösung beigetragen.

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Merkator wurde 1952 in Mainz geboren und trat 1979 in die SPD ein, der gelernte Berufsschullehrer für Wirtschaft und Englisch lebt mit seiner Familie in Finthen. 1989 bis 1994 war Merkator dort zunächst Ortsvorsteher, bevor er 1995 in den Mainzer Stadtrat einzog und dort zwei Jahre später Fraktionschef wurde. 2003 wurde er Dezernent für Finanzen, Steuern und Kfz-Zulassung, nach der Umbildung des Stadtvorstandes 2007 dann Dezernent für Soziales, Jugend und Finanzen. Letzteren Bereich gab er später an Bürgermeister Günter Beck (Grüne) ab. Vor allem aber war Merkator ein Sozialdemokrat alten Schlages: Zupackend, unprätentiös und sein Amt ganz in den Dienst der Menschen stellend.

Sozialdezernent Kurt Merkator geht 2017 in Ruhestand - SPD beruft Findungskommission
Kurt Merkator in Action: Bei der Vorstellung der Flüchtlingsunterkunft in der Wormser Straße – Foto: gik

Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin tritt in große Schuhe – wer es wird, das soll nun eine Findungskommission erarbeiten. Eine ebensolche Findungskommission setzte die Mainzer SPD am Montagabend ein, die Sozialdemokraten haben laut Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP den Zugriff auf den Posten. „Die Nachfolgerin oder der Nachfolger soll eine Persönlichkeit sein, die die politische Autorität mitbringt, die ein solches Amt erfordert“, sagte Ebling. Derjenige müsse gegenüber den Bürgern seine Positionen vertreten, vermitteln und verantworten können, gleichzeitig aber auch die Mehrheit in den Gremien, vor allem dem Stadtrat, von ihrem Tun überzeugen. Und sie müsse eine Behörde mit zahlreichen Mitarbeitern leiten, führen und motivieren können.

Als heißer Kandidat wird allerdings bereits einer gehandelt: Eckart Lensch, Fraktionschef der SPD im Mainzer Stadtrat. Der 56 Jahre alte Neurologe arbeitet allerdings als Oberarzt bei den Helios-Kliniken in Wiesbaden, bleibt die Frage, ob er tatsächlich auf den Dezernentenstuhl wechseln würde. Immerhin: Lensch ist nicht Mitglied der Findungskommission, was stark darauf hindeutet, dass er zu den Kandidaten gehört. Die sechsköpfige Findungskommission soll nun einen Vorschlag erarbeiten und im kommenden Jahr vorlegen, über die Kandidatur soll dann ein Parteitag entscheiden. Die Bürger könnten sich aber darauf verlassen,. dass der bestgeeignetste Bewerber für das Amt gefunden werde, versicherte Ebling.

Die SPD hatte in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen mit ihren Sozialdezernenten: Merkators Vorgängerin, die hoch gelobte Birgit Collisi (SPD), machte sich einst quasi bei Nacht und Nebel davon – sie wechselte ohne Wissen von Partei und Stadtvorstand nach kürzester Zeit im Amt nach Bochum. Nach den schlechten Erfahrungen damals dürften die Mainzer nun erneut auf einen Nachfolger aus Mainz setzen.

 

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