Er ist wieder eine Fundgrube an Themen und Fakten: Zum zweiten Mal hat die Stadt Mainz einen Jahresbericht in gedruckter Form vorgelegt. Dieser ist nun eine 80 Seiten starke Broschüre, und in der versucht die Stadt natürlich, möglichst gut auszusehen 😉 Tatsächlich aber gibt der Bericht auch einen Überblick, was im Jahr 2014 in der Stadt alles getan wurde, was erreicht wurde – und „wie Stadt tickt.“ So nannte es ein zufriedener Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) bei der Vorstellung am Dienstag.

Stadt-Bilanz: Bauen, Bauen, Bauen - und ein neues Haushaltsdefizit
Kinder beim Jugendmaskenzug Mainz – Foto: gik

Der gesamte Stadtvorstand war zur Bilanz angetreten, alle fünf Dezernenten zogen eine Bilanz aus ihrer Sicht. Klar, dass wir das nicht alles in einen Text fassen können, deshalb kommen hier jetzt erst einmal die großen Linien. „Wir können auf prall gefüllte und sehr spannende und erfolgreiche Monate rückblicken“, sagte da Ebling. In der Tat: Mainz wächst weiter, es wird gebaut und gebuddelt, ob davon immer „alles, was wir tun, wertvoll für die Stadt ist“, wie Ebling sagte, mag eine Frage des Betrachtungswinkels sein 😉

Umfrage: Was fehlt noch an Kitas?

Die Stadt hat vor allem zur Erfüllung des Rechtsanspruchs für einen Kindergartenplatz viel tun müssen, 2014 wurden noch einmal „sieben Kitas auf einen Streich“ in Containerbauweise geplant und sukzessive gebaut. 8.200 Kitaplätze hat die Stadt inzwischen,125 Plätze kommen in 2015 noch dazu. Mehr als 800 Erzieherinnen arbeiten für die Stadt. Sorgen machen Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) noch die „weißen Flecken“ im Ganztagsschulausbau: Das System habe Lücken, die Schulen stellten nicht genug Anträge, meinte der Dezernent.

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Die Stadt will deshalb 2015 eine Umfrage in allen Kitas und allen Stadtteilen machen um zu eruieren, wo noch Defizite sind. Im März 2015 sollen bereits Ergebnisse vorliegen, und die sollen aufzeigen, wo noch Handlungsbedarf ist, wo etwas fehlt. „Wir versuchen, die Defizite auszugleichen“, versprach Merkator.

Stadt-Bilanz: Bauen, Bauen, Bauen - und ein neues Haushaltsdefizit
Schade: Nach dem Plus in 2013 macht Mainz 2014 wieder Schulden – Foto: gik

Schüler-Boom in Mainz

Und wo wir gerade bei Zahlen sind: 27.000 Schüler besuchen mittlerweile in Mainz 42 staatliche Schulen, und die Tendenz ist steigend. Mainz nämlich erlebt gerade einen Zuzug gerade auch von jungen Familien, und während andere Kommunen über Schulschließungen nachdenken, muss Mainz bis zum Jahre 2020 noch einmal rund 2.000 zusätzliche Grundschüler unterbringen.Man arbeite dafür sehr eng mit dem Kreis Mainz-Bingen zusammen, sagte Merkator – es wäre doch „verrückt, neue Schulen zu bauen, wenn zehn Kilometer weit weg Schulen leer laufen.“

Das Geld, was ein Sozial- und Bildungsdezernent naturgemäß am meisten ausgibt, muss ein anderer zusammenhalten: Finanzdezernent Günter Beck (Grüne) hatte das Kunststück vollbracht, 2013 nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, sondern auch noch einen Überschuss von 13 Millionen Euro.

Neues Defizit in 2014: 28 Millionen erwartet

Davon ist leider nichts mehr übrig: 2014 werde wohl mit einem Defizit von 28 Millionen Euro enden, sagte Beck. Das ist immer noch besser, als die Prognosen es einmal vorsahen, die lagen nämlich bei 40 Millionen Miese. Dass es nun wieder ein Defizit gibt, dafür nennt Beck zwei Gründe: die Kosten für den Kita-Ausbau – und die Flüchtlingssituation.

Ein Flüchtlingsplatz kostet im Schnitt 1.200 Euro, vom Land bekommt die Stadt aber nur rund 500 Euro – den Rest legt die Stadt drauf. „Würden wir diese Kosten voll erstattet bekommen, hätten wir nicht nur einen ausgeglichenen, sondern sogar einen positiven Haushalt“, grummelte Beck. Die Zahlen belegen das: 2013 musste die Stadt nur ganze 3 Millionen Euro für Flüchtlingsunterkunft aufwenden, in diesem Jahr waren es schon 7 Millionen, im kommenden Jahr werden es wohl 11 Millionen Euro sein.

Stadt-Bilanz: Bauen, Bauen, Bauen - und ein neues Haushaltsdefizit
Sonnige Zeiten für das Gewerbegebiet in Hechtsheim, die Bau-Ampeln stehen auf Grün. – Foto: gik

Wirtschaftspark: starke Nachfrage

Fürs Einnehmen ist einer besonders zuständig: Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP). Die Nachfrage im Wirtschaftspark Hechtsheim sie groß, das erste Cluster sei schon voll, sagte der zufrieden. Die Stadt freut sich also schon einmal auf weiter wachsende Gewerbesteuer. Gerade bei den Gründern sei Mainz „eine sehr junge Stadt“, wie Sitte betonte: der Großteil der Unternehmen werde in den Bereichen IT, Medien und Kreativwirtschaft gegründet. Hoffentlich hat der Dezernent Mainz& mitgezählt 😉

Mehr Grün für die Stadt

Dass die Stadt lebenswert bleibt, dafür sorgt vor allem eine: Umweltdezernentin Katrin Eder. Deren Tagesgeschäft sind zum einen Bauprojekte im Bereich Verkehr, zum anderen aber die Aufgabe, das Grün in der Stadt zu erhalten und zu vermehren. Gerade in den Zeiten des demografischen Wandels sei es wichtig, wohnortnahe Grünflächen zu haben, betonte Eder. Und es braucht zwei Kategorien von Grün: Raum für Natur auf der einen, aber auch Grün für die Menschen auf der anderen Seite.

Und die Dezernentin fusionierte Grünamt und Umweltamt zu einer einzigen Stelle. Das klingt zwar logisch, war aber alles andere als einfach. „Da wurden wirklich zwei Welten zusammengeführt“, sagte Eder – auf der einen Seite die Gärtner und Handwerker, auf der einen Seite sehr „individualistische Umweltingenieure, die die Frösche über die Straße tragen.“

Stadt-Bilanz: Bauen, Bauen, Bauen - und ein neues Haushaltsdefizit
Umberto Eco: Ankunft vor dem Gutenberg-Museum – ein Highlight in 2104 – Foto: gik

An (fast) jeder Schule wird gebaut

Wohndichte sei per se jedenfalls ist „kein Negativzeichen“, hielt Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse entgegen. Die Abteilung Bauen baue derzeit an fast jeder Schule, dazu komme die Entwicklung der neuen Stadtquartiere, berichtete Grosse. Den Zoll– und Binnenhafen nannte sie gleich ein „Jahrhundertprojekt“.

Aber auch ein Alt-Bewohner der Stadt soll fitter werden: das Gutenberg-Museum soll im kommenden Jahr ein Modell für seine inhaltliche und bauliche Neuaufstellung. Das wird aber auch Zeit 😉 Wenn Euch jetzt noch etwas fehlt, wenn Ihr Kritik, Ideen, Anregungen an die Stadt habt – kein Problem: „Dieser Jahresbericht ist auch eine Einladung, uns zu sagen, wo und an welchen Stellen wir besser werden können“, sagte Ebling.

Info& auf Mainz&: Den kompletten Jahresbericht zum Download findet Ihr auf der Homepage der Stadt Mainz genau hier.

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