Im April hatten wir ja schon berichtet, dass die Stadt Mainz händeringend nach weiteren Unterkünften für Flüchtlinge sucht, nun richtet die Stadt schon wieder eine neue Unterkunft her. Der Strom der Flüchtlinge aus den Krisenherden der Welt reißt einfach nicht ab, mehr noch: er nimmt immer noch weiter zu. Kein Wunder angesichts des anhaltenden Kriegs in Syrien, den Massakern der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak, und und und. Doch die Städte stellt der Flüchtlingsschwung vor große Probleme, nicht nur in Mainz: In Hessen standen in einer Nacht 248 Flüchtlinge vor einer Aufnahmeeinrichtung, unangekündigt…

Stadt Mainz richtet weitere Flüchtlingsunterkunft ein
Bett, Tisch, Stuhl – die Flüchtlingsunterkunft in der Wilhelm-Quetsch-Straße in Bretzenheim – Foto: gik

Mainz hatte schon 2013 mehr Flüchtlinge aufgenommen als all die Jahre zuvor, nämlich rund 280 Personen. 2014 sollten es dann rund 350 Flüchtlinge werden – doch auch diese Zahl ist schon wieder Makulatur: Im Sommer stieg die Zahl auf 485, und auch das wird nicht reichen. „Wir müssen realistischerweise davon ausgehen, dass wir noch zusätzliche Flüchtlinge bekommen“, sagte Stadtsprecher Markus Biagioni Mainz&.

Von Schleusern einfach vor der Tür abgeladen

Die Flüchtlinge kommen längst nicht mehr mit Flugzeug oder Bahn, viele werden von Schleusern per Auto oder Bus durch Europa gekarrt und dann vor einer Aufnahmeeinrichtung einfach abgeladen. In sogenannten Estaufnahmeeinrichtungen werden diese Menschen dann registriert und mit Essen, Trinken, einem Bett und Kleidung versorgt. Von den Erstaufnahmeeinrichtungen werden die Flüchtlinge dann auf die Länder und dort auf die Städte und Kommunen verteilt.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Stadt Mainz richtet weitere Flüchtlingsunterkunft ein
Das alte Spaz-Haus wird jetzt von Flüchtlingen bewohnt – Foto: gik

Die Verteilung regelt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, die Verteilung erfolgt nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer. Rheinland-Pfalz muss demnach 4,8 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen, Hessen 7,3 Prozent. In Hessen kamen allein in diesem Jahr bis Ende August 14.987 Menschen an, 8.403 durften bleiben, der Rest ging an andere Bundesländer.

Und die gehen zuweilen alles andere als kooperativ miteinander um: In der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen standen in der Nacht zum Dienstag 140 Flüchtlinge in Reisebussen vor der Tür, eine Nacht später 248 – unangemeldet. Mehr dazu könnt Ihr in dem Artikel „Hessen schlägt Alarm – Kinder weinten vor Hunger“ lesen, den Ihr im Premium-Bereich von Mainz& findet.

Kommunen hatten Flüchtlingsunterkünfte längst geschlossen

Das Problem in den Kommunen: Viele Städte hatten ihre Flüchtlingsunterkünfte längst geschlossen, weil die Flüchtlingszahlen seit den 1990er Jahren stark zurückgegangen waren. So musste Mainz eiligst die alte Zwerchallee reaktivieren – die komplett saniert wurde – und baute anschließend das ehemalige Spaz-Haus in der Wilhelm-Quetsch-Straße in Bretzenheim um, wogegen ein Anwohner bekanntlich klagte.

Stadt Mainz richtet weitere Flüchtlingsunterkunft ein
Spartanisch, kühl – aber alles besser als Krieg und Verfolgung – Foto: gik

Der Mann verlor vor Gericht – mit einer herrlichen Begründung des Gerichts, die Ihr hier nachlesen könnt -, die Stadt konnte erleichtert die 60 Plätze belegen. Das war Anfang Mai, und auch diese Plätze sind längst voll. Deshalb hat die Stadt nun ein Gebäude in der Mainzer Altstadt angemietet, das zu einer weiteren Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird. 80 Flüchtlinge sollen hier auf fünf Etagen untergebracht werden, und das mitten in der Stadt und im Leben.

Ziel: Menschen übers Stadtgebiet verteilen

„Wir sind froh, dass wir die Unterbringung bisher ohne Riesenunterkunft hinbekommen“, sagte Biagioni. Ziel der Stadt sei es, die Menschen übers Stadtgebiet zu verteilen,  schon allein der Integration wegen. Und wohl auch, damit die Unterkünfte nicht zu Zielen der Rechten mit braunen Parolen werden. Bislang ist davon in Mainz nichts zu sehen, und das soll auch so bleiben.

Die Stadt aber ächzt unter den Kosten für die neuen Unterkünfte, und deshalb wird hier wie in vielen anderen Städten auch der Ruf nach finanzieller Beteiligung des Bundes laut. „Wir tun das gerne“, betont Biagioni, „aber wir hätten gerne die Auslagen vom Bund erstattet.“ Der hessische Sozialminister Stephan Grüttner forderte deshalb gerade eine Nationale Asylkonferenz – mal sehen, ob das mehr war als heiße Luft…

Premium& auf Mainz&: Mehr zu den Schwierigkeiten der Flüchtlingsunterbringung, der rücksichtslosen Verschiebung von Flüchtlingen zwischen NRW und Hessen sowie den in Gießen gestrandeten Menschen könnt Ihr in dem Doppel-Artikel „Hessen schlägt Alarm – Kinder weinten vor Hunger“ lesen, den Ihr im Premium-Bereich von Mainz& findet. Im Premium-Bereich bieten wir Euch gut recherchierte und ausführliche Geschichten zu einzelnen Themen an, die deshalb kostenpflichtig sind. Wir würden uns freuen, wenn Ihr das unterstützt und so zur Finanzierung von gutem Journalismus beitragt.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein