Wir hatten ja versucht, mit dem Baumgutachter der Stadt Wiesbaden, Roland Dengler, persönlich über seine Gutachten zum Gesundheitszustand der Lesselallee auf der Maaraue zu reden: dabei hörten wir, Dengler bräuchte erst einmal eine schriftliche Genehmigung der Stadt Wiesbaden. Woraufhin wir die Stadt Wiesbaden angefunkt hatten – nun kam die Antwort: Am morgigen Donnerstag, auf der öffentlichen Bürgerinformation „besteht für Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen an Herrn Dengler zu richten.“

Stadt Wiesbaden: Kein Interview für Mainz& mit Gutachter Dengler
Nicht nur die Bäume sind in Sachen Lesselallee unter Gittern… – Foto: gik

Damit hat die Stadt Wiesbaden – genauer gesagt: das Ordnungsdezernat – ein Interview mit Dengler weiter nicht freigegeben. Stattdessen wird Mainz& auf eine öffentliche Veranstaltung verwiesen, die ja in erster Linie der Information der Bürger diesen soll. Damit wird die Presse die Möglichkeit zu einer oder zwei Fragen haben, aber es ist schon absehbar, dass man auf die Antwort keine weiterführende Frage wird stellen können. Wir hören ja schon förmlich die Ansage: „Liebe Frau Kirschstein, das ist hier eine Information für die Bürger!“

Faktisch hat die Stadt Wiesbaden damit ein Interview Dengler durch die Presse – und damit die Gelegenheit zu kritischen Nachfragen  – unterbunden. Zudem schweigt sich die Stadtverwaltung zu der Frage, wer eine solche Regelung mit Herrn Dengler getroffen hat, aus – auf diese Frage bekam Mainz& keine Antwort.

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Bewegung gibt es allerdings bei der Bitte des Ortsbeirats, je einen Vertreter der Fraktionen auf die Begehung mit Dengler am Donnerstagnachmittag in der Lesselallee mitzunehmen. Nachdem es am Dienstag geheißen hatte: Nein, wurde diese Entscheidung am Mittwoch widerrufen.

Ortsbeirat darf mit zur Begehung

„Als Mitglieder städtischer Gremien, können die vom Ortsbeirat Kostheim gewünschten Fraktionsvertreter an dem Termin teilnehmen“, teilte am Nachmittag der persönliche Referent von Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU), Thomas Kroppen, schriftlich mit.

Ansonsten pocht das Ordnungsdezernat ausdrücklich darauf, dass die Begehung der Kastanienallee mit Gutachter Dengler ein nicht-öffentlicher Termin ist. „Die Ortsbegehung ist –wie vom Umweltausschuss beschlossen- nicht öffentlich und dient der Information der Ausschussmitglieder“, hieß es in dem Schreiben an Mainz&: „Die Teilnahme externer Personen ist in einem nicht öffentlichen Termin nicht gestattet.“

Zur Erinnerung: Die Stadt Wiesbaden beruft sich Gutachten Denglers, nach denen die 100 Jahre alte Kastanienallee angeblich krank und nicht mehr sicher ist. Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) hatte daraufhin die Allee am 27. März durch einen Hunderte Meter langen Bauzaun absperren lassen, weil angeblich Astbruch droht. Die kranke Allee soll nun im Herbst komplett gefällt und durch Flatterulmen ersetzt werden. An der ernsthaften Erkrkankung der Bäume gibt es erhebliche Zweifel, wir Ihr unter anderem hier nachlesen könnt.

Stadt Wiesbaden: Kein Interview für Mainz& mit Gutachter Dengler
Astbruch? Nicht in der Lesselallee – Foto: privat

Keine öffentliche Diskussion mit Dengler

Seltsam ist auch: Ein Gutachter der Grünen, der erfahrene Baumprofessor Ulrich Weihs, durfte seine Expertise zu den Bäumen völlig öffentlich in der Sitzung des Umweltausschusses darlegen, und antwortete auch auf Fragen. Dengler hingegen erschien zu dem gleichen Termin nicht, sagte auch nicht ab – und bisher wurden seine Aussagen unwidersprochen von Seiten der Stadt Wiesbaden dargestellt.

Marion Mück-Raab (parteilos), die für den Arbeitskreis Umwelt und Frieden (AUF) im Ortsbeirat Mainz-Kostheim sitzt, hatte Ordnungsdezernent Franz am Dienstag vorgeworfen, Dengler von kritischen Fragen abschirmen zu wollen – und das war, bevor Mainz& den Artikel über die seltsame Regelung in Sachen Dengler veröffentlichte.

Mainz& hatte am Mittwochmorgen von der schriftlichen Aussagegenehmigung für Dengler berichtet, was Ihr hier nachlesen könnt. Auch übrigens die Aussagen eines weiteren Baumgutachters, Marko Wäldchen, der eine solche Praxis für seine Berufstätigkeit zurückwies – und sich generell für den Erhalt alter Alleen als wichtige Biotope und Klimabewahrer ausspricht.

AUF: Verdacht auf „Gefälligkeitsgutachten“ durch Dengler

„Der AUF (Arbeitskreis Umwelt und Frieden) AKK ist befremdet über Presseberichte, denen zufolge der städtische Gutachter Roland Dengler ohne Einverständnis der Stadt nicht mit Journalisten über die Lesselallee sprechen darf“, teilte Mück-Raab in einer Pressemitteilung mit. „Der Verdacht, dass die Stadt Gefälligkeitsgutachten bestellt und bezahlt, verdichtet sich immer mehr“, sagte Mück-Raab weiter. Der AUF AKK fordere deshalb den Magistrat auf, „umgehend aufzuklären, inwieweit von Seiten der Verwaltung versucht wurde oder wird, auf einen unabhängigen Sachverständigen Druck auszuüben.“

Nach Informationen des AUF sei ein solches Vorgehen keineswegs üblich. Nach der Sachverständigen-Ordnung sei ein Sachverständiger vielmehr „schon aufgrund seiner eidlichen Verpflichtung nicht weisungsgebunden, sondern zur Objektivität verpflichtet und darf sich selbstverständlich auch gegenüber Dritten frei äußern.“ Schließlich habe ein Gutachter ja aufgrund seiner besonderen Stellung unparteiisch zu sein und müsse seine Gutachten „nach bestem Wissen und Gewissen anfertigen.“ So hatten wir das bisher auch verstanden….

Die Begehung der Lesselallee am morgigen Donnerstag hat damit einiges an Sprengstoff zu bieten…

Info& auf Mainz&: Die Begehung der Lesselallee duch den Umweltausschuss der Stadt Wiesbaden findet am Donnerstag, dem 31. Juli ab 16.00 Uhr statt. Um 19.00 Uhr findet eine Bürgerinformation im Bürgerhaus Kostheim statt, mit Ordnungsdezernent Oliver Franz und Gutachter Roland Dengler. Gegner der Fällpläne rufen ab 15.00 Uhr zu Protesten am Baumzaun auf, und laden zu einer Demonstration durch den Ort ein.

 

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