Am 15. Oktober war der Bürgerentscheid zum Bibelturm am Gutenberg-Museum genau ein halbes Jahr her, und zu dem Anlass meldete sich die Bürgerinitiative „Mainz für Gutenberg“ zu Wort – mit einer ernüchterten Wortmeldung: „Stillstand auf der ganzen Linie und keine Anzeichen für eine Besserung“, sagten die beiden BI-Sprecher Johannes Kohl und Johannes Strugalla. Sechs Monate seien seit dem Bürgerentscheid zur Erweiterung des Gutenberg-Museums vergangen, heute sei klar: Die Befürchtungen vom Stillstand bestätigten sich. Die Verantwortung sieht die BI, die für den Bibelturm stritt, bei der Stadtspitze: Sie müsse für eine erweiterte Trägerschaft für das Museum und seine Finanzierung sorgen. Dafür übergab die BI einen Offenen Brief bei der Eröffnung der neuen Ausstellung „Ohne Zweifel Gutenberg.“

"Stillstand auf der ganzen Linie" - BI "Mainz für Gutenberg" beklagt "Wegducken und Aussitzen" und fordert erweiterte Trägerschaft für Gutenberg-Museum
Der Nachbau der Buchdruckerpresse von Johannes Gutenberg im Gutenberg-Museum. – Foto: gik

Am 15. April hatten die Mainzer mit überwältigender Mehrheit bei einem Bürgerentschied dem Erweiterungsbau auf dem Liebfrauenplatz in Form eines Bibelturms eine Absage erteilt. Dem war ein harter Wahlkampf vorangegangen, in dem die Bürgerinitiativer Gutenberg-Museum Verbesserungen für das Museum forderte, aber den Bibelturm wegen unklarer Finanzierung und wegen des Standorts auf einem der letzten grünen Plätze von Mainz ablehnte. Die BI „Mainz für Gutenberg“ dagegen sah den Bibelturm als dringend notwendigen Aufbruch für das Museum und warnte bei einem Nein der Bürger vor Stillstand und Rückschritt.

Nun, ein halbes Jahr nach dem Bürgerentscheid, sehen sich die Turm-Befürworter bestätigt: „Heute ist klar: Die Befürchtungen bestätigen sich“, klagten Strugalla und Kohl. „Eine außenliegende Fluchttreppe aus Metall, leer zu räumende Museumsbereiche und keine Aussicht auf die dringend nötige Sanierung und Erweiterung“ – so stelle sich aktuell die Situation des Museums dar. „Alle Befürchtungen bewahrheiten sich – leider“, kritisiert die BI, „was fehlt, sind Perspektiven.“

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Die Verantwortung dafür sieht die BI indes bei der Mainzer Stadtspitze um Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD): „Der Ball liegt bei der Stadtspitze. Sie muss für eine erweiterte Trägerschaft und damit für den nötigen Finanzrahmen sorgen“, betonten Strugalla und Kohl. Ohne solide Finanzierung habe das Gutenberg-Museum als „Weltmuseum der Druckkunst“ keine Zukunft, dafür müssten Land, Bund und EU gewonnen werden.

"Stillstand auf der ganzen Linie" - BI "Mainz für Gutenberg" beklagt "Wegducken und Aussitzen" und fordert erweiterte Trägerschaft für Gutenberg-Museum
Rekonstruktion einer koreanischen Druckwerkstatt, derzeit das Highlight der neuen Sonderausstellung „Ohne Zweifel Gutenberg?“ – Foto Gutenberg-Museum

Am 20. September übergab die BI dazu auch einen Offenen Brief an Ebling, den rheinland-pfälzischen Kulturminister Konrad Wolf (SPD) sowie an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). „Um seinem Anspruch als Weltmuseum der Druckkunst gerecht zu werden, sind eine inhaltliche Erneuerung und eine bauliche Modernisierung und Erweiterung dringend erforderlich“, heißt es darin. Nur damit könne das Museum angemessen sammeln, bewahren, präsentieren und forschen. Bei einer Aufgabe dieser Dimension brauche die Stadt Mainz Unterstützung in Form einer erweiterten Trägerschaft. „Wir wünschen uns Ihre persönliche Unterstützung für dieses Anliegen“, appelliert der Brief.

Tatsächlich ist in Sachen Gutenberg-Museum seit dem  15. April wenig bis nichts geschehen. Anfang Oktober begann die Stadt mit der Errichtung des Not-Treppenhauses an der hinteren Fassade des Gutenberg-Museums. Die BI Gutenberg-Museum stellte Konzepte für Fundraising sowie dafür, Gutenberg zu einer Mainz-Marke zu machen vor, auf Resonanz stieß sie nicht. Mitte Juni tagte zudem ein Runder Tisch, zu dem die BI Gutenberg-Museum die Stadtspitze geladen hatte. Auch die Arbeitswerkstatt der Stadt soll bereits mindestens zwei Mal getagt haben – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Arbeitswerkstatt sollte die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer Modernisierung und Erneuerung des Museums ausloten, Ergebnisse wurden bisher nicht bekannt.

Die BI „Mainz für Gutenberg“ erklärte, die Arbeitswerkstatt sei „als offener Informationsprozess gut, ihre Ergebnisse ohne neu geregelte Trägerschaft für das Museum aber nur ein Trostpflaster.“ Dabei dürfe es aber nicht bleiben: „Wir lassen nicht zu, dass das Gutenberg-Museum und seine dringend nötige Ertüchtigung in Vergessenheit geraten“, betonten Strugalla und Koch: „Wegducken und Aussitzen sind für uns keine Option.“

Info& auf Mainz&: Im Gutenberg-Museum wurde Anfang Oktober eine große Ausstellung zum Jubiläumsjahr 550 Jahre Gutenberg eröffnet. „Ohne Zweifel Gutenberg“ kombiniert die Erfindung des Mainzer Buchdruckers mit dem koreanischen Buchdruck-Erfinder Bi Sheng aus dem 11. Jahrhundert und stellt die Frage: Was genau wurde da eigentlich wann und wo erfunden? Erstmals wird dabei mit experimenteller Archäologie die Rekonstruktion einer alten koreanischen Druckwertsatt gezeigt. Die Ausstellung sei „eine nachhaltige Verbesserung der Dauerausstellung des Gutenberg-Museums, schwärmte die Gutenberg-Stiftung – mehr zur Ausstellung und den Baumaßnahmen im Gutenberg-Museum findet Ihr hier. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. April 2019 zu sehen, Infos dazu hier.

 

1 KOMMENTAR

  1. Das war doch zu erwarten. Schon während der Kampagne gegen den Bibelturm wurde von der Stadt klar gesagt, das mit dem vorhandenen Geld entweder der Bibelturm gebaut wird oder dann die notwendigen Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Für miehr ist kein Geld da. Leider ist es immer so, dass es mehr Gegner gegen etwas gibt als Leute die konstruktive Vorschläge zur Lösung von Problemen haben. Alles was jetzt gefordert wird ist schon früher gefordert worden und konnte nicht erreicht werden. Solange wir keine Konzeption haben für den grundlegenden Umbau oder Neubau des Gutenberg Museum mit einer verbreiterten Aufgabenstellung (Beteiligung von Forschung/wissenschaftlichen Instituten) können wir auch für eine neue Trägerschaft nicht überzeugend werben. Die Aufgabe des Ggutenbergmuseums muss ein Institut sein, das in die Zukunft weist und nicht nur wie ein Kutschenmuseum um die Vergangenheit kreist.

    Nur so wird es interessant für neue Träger. Johannes Gerster, ein vehementer Gegner des Bibelturms, hat doch gesagt, dass es zum Lachen sei, wenn mann keine neue Trägerschaft erreichen könne. Er wird wissen wies geht. Nicht zum Lachen wär es, aber zum Weinen.

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