Seit dem 1. Oktober 2015 gelten in Mainz neue Parkgebühren, für die Kunden in den Parkhäusern hatte das ungeahnte Folgen: Denn während die Stadt Mainz steif und fest behauptet, Parken sei jetzt in den Parkhäusern günstiger geworden, erlitt am Parkautomat so mancher Kunde einen gewaltigen Schock. Der Grund: Ab der dritten Stunde ist das Parken in Mainzer Parkhäusern jetzt so richtig teuer. 2,10 Euro muss man pro Stunde berappen und abgerechnet wird auch bloß pro Stunde. Ergebnis: zwei Stunden und eine Minute kosten auf einmal satte 6 (!) Euro. Das kritisierte nun die FDP und forderte im Stadtrat Änderungen – vergeblich: Für die „wenigen Kunden“, die das betreffe, sei eine Änderung „zu aufwändig und zu kostenintensiv.“

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Das Parkhaus City Port am Mainzer Hauptbahnhof von oben – Foto: gik

Die Neuregelung schlägt vor allem bei den Kunden zu, die gerade eben über die Grenze von zwei Stunden hinaus parken. Für die erste Stunde nämlich werden gerade 1,80 Euro fällig, für die zweite Stunde 2,10 Euro. Die ersten beiden Stunden aber werden im Halbstundentakt abgerechnet – nicht so danach: Ab der 3. Stunde werden satte 2,10 Euro fällig, und zwar pro Stunde. Doch zwei Stunden, das ist im Einkaufstrubel schnell erreicht, wer nur knapp darüber gerät, wird feste zur Kasse gebeten. Und auch wer auf einer Veranstaltung war und danach zum Automaten schlendert, kann ein böses Erwachen erleben – ist uns selbst mehrfach passiert.

Die städtische Parken in Mainz GmbH (PMG) hatte zum 1. Oktober 2015 die Parktarife mit dem Ziel geändert Parken auf der Straße teurer zu machen, um die Besucher direkt zur Fahrt ins Parkhaus zu bewegen. Doch zu funktionieren scheint das nicht – seither häufen sich bei uns und in anderen Medien die Klagen über horrende Parkgebühren. Die Stadt argumentiert hingegen, Ziel sei gewesen, „einen Tarif zu finden, der eine längere Verweildauer begünstigt.“ Damit wolle man den Interessen des Einkaufs- und Dienstleistungsstandortes Mainz entgegenkommen. Die Kunden könnten nun „zeitlich entspannt einkaufen, zum Arzt gehen und alle weiteren Erledigungen tätigen“ – schließlich zahle man ab der 5. Stunde maximal 10,- Euro als Tagestarif.

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Aber ist das realistisch? Die Erfahrung zeigt doch: Fünf Stunden braucht zur Erledigung eher keiner, wer nur eine halbe Stunde parken will, sucht weiter eher auf der Straße die schnelle Parkmöglichkeit. Damit sorgt gerade der Tarif ab der 3. Stunde für eine erhebliche Tarifanhebung – ob das im Sinne der Einkaufsstadt Mainz ist, darf bezweifelt werden.

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Parken im Parkhaus Rathaus: besonders lukrativ für die Stadt – Foto: gik

Die FDP im Mainzer Stadtrat, immerhin Mitglied der regierende Ampel-Koalition, kritisierte nun die aus ihrer Sicht „überhöhten Parkgebühren“ und forderte Stadt und PMG auf, eine Lösung für die Gebühren ab der dritten Stunde zu finden. „Viele Kunden, die zum Einkaufen in die Stadt kommen, haben für die sechs Euro für knapp über zwei Stunden Parkzeit zu Recht kein Verständnis“, sagte FDP-Fraktionschef Walter Koppius.

Die Antwort der Stadtverwaltung: Es gebe „bislang nur sehr wenige Beschwerden dazu“, trotzdem habe man das Problem diskutiert. „Eine individuelle Lösung ist für die wenigen Kunden, die es betrifft, jedoch zu aufwändig und zu kostenintensiv“, lautete das Ergebnis der Diskussion. Den Stundentarif von 2,10 Euro einfach in zwei Mal 1,05 Euro zu teilen funktioniere nicht, da die Automaten keine Fünf-Cent-Münzen akzeptierten.

Mainz&-Kommentar: Abzocke mit peinlicher Begründung zum Schaden der Einkaufsstadt Mainz

Kommentar& auf Mainz&: Was für eine alberne Begründung: Weil die Automaten keine Fünf-Cent-Münzen akzeptieren, kann die Stadt den Stundentarif von 2,10 nicht ändern? Klar doch – und wieso geht das dann bitteschön in den ersten beiden Stunden? Die Stadt muss sich wirklich nicht wundern, wenn die Kunden der Mainzer Innenstadt entnervt den Rücken kehren. 6,- Euro Parkgebühren ab 2,01 Stunden, das ist einfach nur frech. Gefühlt kostet damit Parken in Mainz schnell mal 3,- Euro pro Stunde – wer auch nur knapp über die zwei Stunden gerät, wird zur Kasse gebeten.

Wie will die Stadt damit denn Einkaufen in Mainz attraktiv machen? Seit Wochen, nein Monaten diskutiert Mainz nun über die Attraktivität der Mainzer Innenstadt in Sachen Einkaufen, und was ist die allererste permanente Reaktion der Mainz&-Leser zu dem Thema? Richtig: die hohen Parkgebühren. „Viel zu teuer“, „Abzocke“, „ich fahr‘ nicht mehr nach Mainz“ heißt es da. Aber die Stadt behauptet, es gebe „nur sehr wenige Beschwerden“. Vielleicht sollte sie sich mal in sozialen Netzwerken umsehen oder eine Videokamera an den Parkautomaten installieren – denn wer schreibt denn heute noch einen Beschwerdebrief?

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Umsätze pro Stellplatz in den Mainzer Parkhäusern – Tabelle: Stadt Mainz

Aber nein, da wird der Kopf in den Beton gesteckt und beflissentlich ignoriert, was überall zu hören ist – Hauptsache die Kasse stimmt. Der Einkaufsstadt Mainz wird so massiver Schaden zugefügt – Experten sagen einhellig: Wer Kunden in die Stadt locken will, senkt die Parkgebühren. Und warum eigentlich hat die FDP die Anhebung in erster Linie überhaupt mitgemacht? Schließlich sitzt sie in Mainz mit am Regierungstisch – und der Wirtschaftsdezernent heißt Christopher Sitte und gehört der FDP an. Zu sagen hatte er dabei offenbar nichts. Kommentar Ende.

Satte Erlössteigerung von 200 Euro pro Stellplatz in zwei Jahren

Und die Kasse stimmt: In der Antwort auf die gleiche Anfrage der FDP legte die Stadt nämlich auch offen, was sie so mit den Parkhäusern verdient. Ergebnis: Satte 1.325 Euro erzielte die Stadt pro Stellplatz in den pmg-eigenen Parkhäusern im Jahr 2015, 2013 waren das noch 1.128 Euro pro Stellplatz. Binnen zwei Jahren stieg der Erlös pro Stellplatz im Schnitt also um 200 Euro an – bei acht Parkhäusern keine geringe Summe. Wobei der Erlös von 1.325 Euro pro Stellplatz nur für die acht PMG-eigenen Parkhäuser gilt – für die sieben „angemieteten Parkhäuser und Tiefgaragen“ werden sogar 1.764 Euro pro Stellplatz erzielt.

Zu den angemieteten Parkhäusern gehören auch die lukrativen Häuser am Rathaus und am Theater, letzteres ist mit 3.605 Euro pro Stellplatz gar der Spitzenreiter. Auf Platz zwei liegt das Parkhaus Römerpassage, das die PMG managt, hier werden pro Stellplatz 3.165 Euro erzielt. Auf Platz drei kommt das Rathaus mit 2.670 Euro pro Stellplatz gefolgt von Schillerplatz (2.309 Euro/Stellplatz) und Löhrstraße (2.289 Euro/Stellplatz). Am unteren Ende der Skala liegen das Parkhaus Wallstraße mit ganzen 269 Euro pro Stellplatz, die Tiefgarage am Deutschhausplatz mit 476 Euro pro Stellplatz sowie der City Port mit 679 Euro pro Stellplatz. Insgesamt betreibt die PMG in Mainz rund 25 Parkhäuser mit etwa 9.500 Stellplätzen.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht zu allen Änderungen der Parktarife und der Argumentation der Stadt findet Ihr hier bei Mainz&. Und wir haben da einen wirklich heißen Tipp, wie Ihr Eure eigenen Parkgebühren deutlich senken könnt: Am Automaten mit EC-Karte bezahlen, das nämlich gibt einen richtig satten Rabatt von zehn (!) Prozent. Mehr über die PMG, ihre Parkhäuser und Tarife findet Ihr hier im Internet. Die gesamte Anfrage der FDP sowie die Antwort der Stadtverwaltung findet Ihr hier im Ratsinformationssystem der Stadt im Internet.

4 KOMMENTARE

  1. .. super recherchiert und informativ, vielen Dank. Was für eine Abzocke und wie unverschämt diese Vorgehensweise.
    D.Wolf-rammensee

  2. Statt einmal in die Stadt zu fahren, um für 6 Euro Parkgebühr auf der Suche nach Trainings-Leibchen für den Sport Unterricht vergeblich von einem Mainzer Innenstadt-Sportgeschäft zum nächsten zu laufen, fahre ich doch lieber einmal mit dem Auto zu Decathlon nach Wallau. Dort parke ich kostenlos direkt vor dem Eingang, finde meine gesuchten Leibchen in mehreren Ausführungen, kaufe meinem Sohn nebenan bei SpieleMax noch was für seinen anstehenden Geburtstag, und mache – weil ich eh gerade da bin – noch einen kleinen Abstecher zu Ikea. Und nach einem entspannten Einkauf habe ich auch kein Problem damit die paar Minuten wieder heim haben zu müssen…
    Mainz – mit deinen bescheuerten Zentrenkonzept und den überhöhten Parkgebühren hältst du meinst Meinung nach niemanden in der Stadt zum Einkaufen. Auch nicht auf der grünen Wiese. Im Gegenteil, die überwiegend Mehrheit kauft dort, wo sie bekommt was sie braucht: weit außerhalb der Mainzer Stadtgrenzen.

  3. Sicher sind die Parkgebühren nicht in Ordnung und es gibt Städte wo die Parkhäuser minutengenau abrechnen, das wäre bestimmt auch in Mainz umsetzbar, die Verwaltung muss es nur wollen.

    Die Parkgebühren und das Zentrenkonzept, das die Angebotsvielfalt in der Innenstadt gewährleisten soll, in einen Topf zu werfen finde ich schon etwas weit her geholt.

    Einkaufen auf der Grünen Wiese oder im Internet wird dazu führen, dass die Innenstädte bald leer sind, aber dann haben wenigstens die Touristen genug Platz um sich unsere „schöne“ leere Innenstadt anzuschauen.

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