Dass Studenten gerne studieren, sollte ja eigentlich ein Gemeinplatz sein, trotzdem ist diese, heute getroffene Aussage eine Wichtige: 73 Prozent der Studierenden gaben nämlich beim neuesten Studierendensurvey an, gerne zu studieren – und das heißt dann vor allem: Sie sind mit dem Studium zufrieden. Selbstverständlich ist das nicht, haben die Hochschulen in Deutschland die grundlegende Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge hinter sich. Und da zeigt sich auch: Immer weniger Studierende engagieren sich Politik, nur noch ein Drittel gibt an, politisch interessiert zu sein.

Erstsemester an der Uni Mainz im WS 2014 - Foto: gik
Erstsemester an der Uni Mainz im WS 2014 – Foto: gik

Viel wichtiger ist es stattdessen, gute Abschlussnoten zu erzielen, die Mehrheit der Studierenden hat also die gesellschaftliche Orientierung hin zum allgemeinen Leistungsdruck verinnerlicht… Die Studierenden, heißt es denn auch, verbänden mit der akademischen Qualifizierung „immer stärker auch die Hoffnung auf einen sicheren, interessanten Arbeitsplatz sowie die Aussicht auf ein hohes Einkommen im späteren Berufsleben.“

Gute Noten wichtiger als Schnelligkeit

Gute Noten sind übrigens auch wichtiger als ein schneller Abschluss, gut so 😉 Denn seit der Bologna-Reform mit der Umstellung auf straffe Studienpläne wenden Studierende im Schnitt 33 Wochenstunden für ihr Studium auf – das ist wirklich enorm, schließlich müssen die Stunden ja alle vor- und nachbereitet werden. Damit kommen Studierende heutzutage offenbar auf mindestens eine 50-Stunden-Woche…

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Dazu passt, dass die Studierenden in der Befragung angaben, sie sähen sich zunehmend hohen Leistungsanforderungen gegenüber. Immerhin attestierte eine Mehrheit offenbar zugleich eine verbesserte Gliederung des Studiums.Wir sagen das so vorsichtig, weil wir Euch leider die genauen Zahlen nicht liefern können. Wir suchen nämlich noch den Download-Link 😉

Bologna-Ziele erfolgreich umgesetzt?

So sind denn aus unserer Sicht auch Aussagen wie diese mit Vorsicht zu genießen: „Die Ziele der Bologna-Reform wie Qualitätskontrolle der Lehre, Internationalisierung sowie Modularisierung der Studiengänge sind aus Sicht der Mehrheit überwiegend umgesetzt“, heißt es in der Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Zudem wünschten sich die Befragten vor allem einen stärkeren Praxisbezug ihres Studiums..

Eingang zu Universität in Mainz - Foto: gik
Tor zur Mainzer Uni, Tor zur Karriere? – Foto: gik

Die Qualität der Lehre und des Lehrangebots bewerten die Studierenden mit großer Mehrheit positiv: Etwa 67 Prozent der Befragten finden Aufbau und Struktur ihres Studiengangs positiv, 2001 waren dies nur 54 Prozent. Auch die Lehrveranstaltungen werden heute von 65 Prozent der Studierenden positiv bewertet, 2001 lag dieser Wert bei 46 Prozent.

Barometer für Hochschulpolitik

Der Studierendensurvey ist übrigens eine seit Beginn der 1980er Jahre alle drei Jahre durchgeführte Studierendenbefragung. Für die Zahlen für den jetzt veröffentlichten Survey wurden im Wintersemester 2012/2013 rund 26.000 Fragebögen verschickt, davon kamen 4.884 zurück. 14 Universitäten und 11 Fachhochschulen wirkten außerdem mit, die Uni Mainz oder die FH in Mainz waren nicht darunter. Schade 😉

Der Studierendensurvey sei „ein wichtiges Barometer dafür“, wie die Hochschulpolitik bei den Studierenden ankomme, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Gleichzeitig gebe der Survey wichtige Hinweise für notwendige Verbesserungen.

Nur noch ein Drittel denkt politisch

Studimesse am Erstsemestertag Sommer 2014 - Foto: gik
Außerfachliches Engagement? Keine Zeit… – Foto: gik

Der Survey offenbart nämlich auch eine erschreckende Entwicklung: Das allgemeine politische Interesse bei den Studierenden geht nämlich stark zurück. Stuften 2001 noch 45 Prozent ihr politisches Interesse als sehr stark ein, taten dies 2013 nur noch 32 Prozent. Auch studentische Politik an der eigenen Hochschule interessiert nur ein Drittel der Studierenden. „Dieser Befund ist sehr bedauerlich“, sagte die Ministerin – und verfehlt damit in hohem Grade die Ursache dafür.

Mainz& hatte nämlich am Erstsemestertag der Uni Mainz vergangene Woche auch ein bisschen mit AStA-Vertretern geplaudert. Und diese klagten einhellig, die Studierenden engagierten sich deutlich weniger in Fachschaft und AStA – weil sie schlicht keine Zeit mehr haben. Wer durchs Studium gehetzt wird, wer 33 Semesterwochenstunden absolvieren und vielleicht nebenher noch arbeiten muss – woher soll da die Zeit kommen fürs politische Engagement? Und diese Weichen sind von der Politik gestellt worden…

Rücklauf der Fragebögen noch nie so gering

Wir wollen ja nicht die Zeiten zurück, wo Studierende schon mal satte acht Jahre an der Uni verbracht haben 😉 Aber wir hatten wenigstens noch Zeit für Dinge nebenher: Reisen, Arbeiten, Studentenvertretung – und die Chance, Erfahrungen zu machen, die über den Tellerrand hinaus gehen. Das wünschen wir auch Euch da draußen, die Ihr gerade studiert!

Übrigens war der Rücklauf der Fragebögen bei einem Studierendensurvey noch nie so gering wie bei diesem Mal. Nur 18,6 Prozent der Fragebögen kamen zurück, das ist historischer Tiefststand seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1982. Vielleicht gibt das den Machern ja auch mal zu denken…

Info& auf Mainz&: Wir haben dann doch noch den Download-Link für den kompletten 12. Studierendensurvey gefunden – auf dieser Seite des Bundesbildungsministeriums findet Ihr ganz rechts den Link zum pdf-File. Weitere Kurzergebnisse zum Survey findet Ihr auf der Seite der Uni Konstanz, deren AG Hochschulforschung das Projekt betreut.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein