Heute ist es soweit: Ab 19. Uhr geht es los mit dem 41. Open Ohr Festival und seinem Motto „Kein Land in Sicht“. Auf dem Kult-Festival mitten auf der Mainzer Zitadelle gibt es auch dieses Jahr wieder mehr als Musik. Foren zum Mitreden, Theaterstücke, Filme, Workshops, einen Poetry Slam und den Rockbuster Band Wettbewerb. Dieses Jahr dreht sich das Open Ohr rund um das Thema Flüchtlinge, dazu hatten wir bereits ausführlich hier und hier berichtet.

Eine richtig gute Nachricht für das Open Ohr gibt es von der Gewerkschaft ver.di. Zum Wochenende unterbrechen die Streikenden der städtischen Kinder-, Jugend- und Kulturzentren ihren Ausstand. Die sind nämlich für den logistischen und organisatorischen Rahmen des Open-Ohr-Festivals auf der Zitadelle verantwortlich. Ein ver.di-Sprecher sagte dazu: „Wir möchten dem einzigen noch bestehenden nichtkommerziellen, thematischen Jugendkulturfestival einen reibungslosen Ablauf ermöglichen.“ Da sagen wir mal Danke! 🙂

Freitag, 22. Mai ab 19.00 Uhr: Musik aus Mainz, Curse und ein stummer Flug zum Mars

Los geht das Ganze mit Musik aus Mainz! Das Mainzer Trio TripApLib eröffnet um 19.00 Uhr das Open Ohr auf der Hauptbühne. Mit Schlagzeug, Bass und Synthesizer machen die drei handgemachte Tanzmusik, ohne Laptop, ohne Samples. Unterstützt wird ihre Housemusik von zwei Visual Artists – es gibt also auch etwas fürs Auge.

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Die Hauptwiese (Open Ohr 2014) - Foto: gik
Die Hauptwiese beim Open Ohr 2014 – Foto: gik

Es folgt auf der Hauptbühne um 20.30 Curse, mit seinem Comeback-Album „Uns“. Curse zählt zu einem der Musiker, die seit Anfang dieses Jahrtausends die deutsche Rapp-Musik im Wesentlichen mit geprägt haben. Zwar schlägt „Uns“ ganz neue Töne an, mit gleich zwei Schlagzeugern und einer Mischung aus Synthies, Pads und Drummachines – „Uns“ wird wuchtig, schreibt das Open Ohr Team. Aber auch ein paar der alten Lieder soll es zu hören geben.

Um 22.30 Uhr stehen dann noch die Engländer von „We Have Band“ auf der Bühne und werden mit Sicherheit mit ihrem energetischen Indietronic Songs Euch tum Tanzen, Springen und Singen bringen. Die Jungs sind übrigens nur zu wenigen Konzerten in Deutschland, also verpasst das lieber nicht.

Zum Ende des ersten Tages gibt es natürlich das traditionelle Mitternachts-Kabarett, am Freitag mit Uta Köbernick mit ihren Rabenliedern. Außerdem gibt es um 23.59 Uhr am Drususstein den Film „Flug zum Mars“. Das Besondere an dem 81 Minuten langen Film ist: Es ist ein Stummfilm von 1918. In dem Film fliegt eine schwer bewaffnete Mannschaft Raumfahrer zum Mars und trifft dort auf die pazifistischen und friedliebenden Marsianer. Zu einer Zeit, wo die Welt noch in dem Schrecken des Ersten Weltkrieges gefangen war, erzählt der Film von den Schwierigkeiten bei der Verständigung zwischen den Kulturen.

Samstag, 23. Mai: Deportation Cast, eine Flucht im Container, Musik von MINE und Nneka

Bühne am Drususstein (Open Ohr 2014) - Foto: gik
Viel los am Drususstein 2014 – Foto: gik

Um 12.00 Uhr gibt es im Großem Zelt schwere Kost: Das Theaterstück Deportation Cast erzählt die Geschichte von Egzon und seiner Familie. Über die Flucht aus dem Kosovo und wie der Roma-Familie später die Abschiebung droht. Doch das Theaterstück erzählt auch von den bürokratischen Prozessen, Sachbearbeiterinnen und Piloten, und es lädt zum anschließenden Publikumsgespräch ein.

Damit wären wir mitten im Thema Flucht und Asylpolitik, das wird am Morgen um 11.30 mit dem traditionellen Eröffnungspodium eingeläutet. Auf der Bühne am Drususstein geht es dann um „Deutsche Flüchtlingspolitik – Zwischen Macht und Ohnmacht“, zu Gats ist unter anderem der profilierte EU-Außen-Politiker Elmar Brok. Um 13.00 Uhr erzählen beim Podium „Willkommen in Deutschland – meine Heimat?“ junge Flüchtlinge Auf der Mauer selbst von ihren Ängsten, Erfahrungen und Sehnsüchten.

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Selbst machen, auch immer großes Thema beim Open Ohr – Foto: gik

Um 13.00, 18.00 und 18.30 erzählt dann das Theaterstück „November und was weiter“ die Geschichte zweier Jungen aus Afghanistan, die sich mit vier anderen in einen Kühlcontainer verstecken, um von Griechenland nach Italien zu gelangen. Gespielt von einem Schauspieler und einem jungen Mann, der diese Tortur selber erlebt hat, seit Ihr dazu eingeladen, selber in den Container zu steigen, und mit Taschenlampen die Bühne zu beleuchten.

Und Ihr könnt einen Schnupperkurs in Arabisch, einen Trommelworkshop und eine Tagtraum-Traumreise machen. Die Asyl-Dialoge und die Grenzberichte widmen sich ebenfalls dem Thema Flüchtlinge. Musikalisch singen ab 17.30 Uhr Sep7ember auf dem Drususstein von Selbstfluchten. Auf der Hauptbühne singt um 19.00 Uhr die Mainzerin MINE auf Deutsch sanfte, nachdenkliche Texte, angesiedelt irgendwo zwischen Jazz und Folk.

Hauptact auf der Hauptbühne sind um 20.30 Uhr Die Höchste Eisenbahn, eine Berliner Songwriter-Group, die Disco, Indie und Pop mit poetischen und melancholischen Texten im Gepäck haben. Um 22.30 Uhr singt die Hamburgerin und gebürtige Nigerianerin Nneka mit ihrem Mix aus Raggae, Soul und Afrobeats auf englisch und nigerianisch von Afrika und ihrem Leben dort und hier. Im Kabarettzelt gibt sich um Mitternacht HG. Butzko, Wortschleuder aus dem Pott die Ehre.

Sonntag, 24. Mai: Fangen! tanzen, Poetry Slam und Nina Hagen

Open Ohr HauptwieseAm Sonntag geht es musikalisch entspannt los mit Spin of Two (10.00 Uhr, Auf der Mauer) und Acht zu Eins (10.30 Uhr, Drususstein), gefolgt von den Kanadiern von Rooftop Runners (11.30 Uhr, Auf der Mauer) und Susie Asado (12.00 Uhr, Drususstein). Ein Sonntagmorgen voller Musik. Im Kabarettzelt gibt’s um 12.00 Uhr „Wie die Deine, so die Meine“ von der Dalang-Puppencompany mit dem Thema Unterwegs-Sein. Um 13.30 folgt mit der Freiburger Band Stereo Dynamite am Drususstein gleich ein weiteres Highlight.

Um 13.30 Uhr könnt Ihr im Pavillon neben dem Festivalbüro Fangen! tanzen. Mit Hilfe des Kinderspiels Fangen könnt Ihr tanzend das Fluchtverhalten Eures Körpers erforschen. In dem Tanzworkshop mit der Performancekünstlerin und Tanzpädagogin Mareike Buchmann könnt ihr erfahren was es heißt, überstürzt davon zu rennen, vor jemanden zu fliehen, und wie Ihr Euch am Ende der Flucht fühlt.

Irie Revolte auf der Hauptbühne beim Open Ohr 2014 - Foto: gik
Irie Revolte auf der Hauptbühne beim Open Ohr 2014 – Foto: gik

Um 17.30 Uhr findet auf der Mauer der Poetry Slam statt. In diesem modernem Wettstreit zwischen Dichtern, Poeten und Literaten gibt es nur den Vortragenden und sein Textblatt – kein Bühnenbild und keine Requisiten. Von Prosa, über kleine Geschichten oder Satire ist alles erlaubt, am Ende entscheidet das Publikum, wessen Worten der Siegertitel zusteht. In den Foren geht es am Sonntag unter anderem um die Schuld der Ersten Welt (13.30 Uhr, Kleines Zelt), „Solidarität ohne Grenzen?“ (15.30 Uhr, Auf der Mauer) und die Europäische Flüchtlingspolitik (17.30 Uhr, Kleines Zelt).

Um 20.30 Uhr gibt es auf der Hauptbühne Nina Hagen. Die Mutter des Punks feiert dieses Jahr 45-jähriges Bühnenjubiläum und hat, so verspricht es die Projektgruppe, “alles im Gepäck, was sie in den letzten Jahrzehnten an Grooves, Beats und Messages zu ihrem energiegeladenen Universum zusammengebaut hat.” Na da sind wir mal gespannt! Ihr folgt um 22.30 Uhr noch die dänische Rock-Band Go Go Berlin, bevor im Kabarett-Zelt Martin Zingsheim zum Mikro greift.

Montag, 25. Mai bis 17.00 Uhr: Paradise Lost, Flüchtlingspolitik und Musik von Aziza Brahim

Um 11.00 Uhr gibt es den Fotovortrag „Paradise Lost – Flüchtlinge im Portrait“ zu sehen. Der Autor Pierre Jarawan fragte sich: Woher kommen Vorurteile gegenüber Flüchtlingen? Seine Antwort ist scheinbar simple und doch einleuchtend: Wir kennen sie nur aus der Distanz, kennen weder ihre Namen, noch ihr persönliches Schicksal, noch ihre Gesichter.

Plakat Open Ohr 2015 Flüchtlinge Am letzten Tag gibt es nochmal viele Podiumsdiskussionen rund um das Thema Flüchtlinge. Um 10.30 Uhr geht es beim Podium „Getrennt wohnen oder Gemeinsam leben?“ Auf der Mauer um die Frage nach Flüchtlingsunterkünften. Auch die Diskussion um 12.30 Uhr fragt danach, wie wir in Zukunft mit Flüchtlingen leben wollen – oder ob es eine Festung Europa weiter geben wird. Dabei sind der Politikwissenschaftler und Friedensforscher Egbert Jahn sowie Vertreter vom Arbeitskreis Asyl und Amnesty International.

Um 15.00 Uhr singt Aziza Brahim mit wunderschöner Stimme auf der Hauptbühne. Die heute in Barcelona lebende Sängerin ist in Flüchtlingslagern zwischen Algerien und der Westsahara aufgewachsen. Sie sieht sich als Sprecherin der Bevölkerungsgruppe der Sahrauis und kämpft bis heute um deren Anerkennung und Gerechtigkeit.

Den Schlusspunkt setzt um 17.30 Uhr dann Blechreiz, eine der wichtigsten Vertreter der europäischen Ska-Szene aus Berlin. Bekannt wurden sie auch durch ihre sagenhaften Liveshows, mit ihrer Musik beziehen sie aber auch klar Stellung gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung und setzen mit ihrem Song „Gewalt Regiert“ ein deutliches Zeichen gegen Rechts. Ein würdiger Schlusspunkt fürs Open Ohr 2015!

Info& auf Mainz&: Von Freitag, 22. Mai um 19.00 Uhr bis Montag, 25. Mai um 17.00 Uhr findet das Open Ohr 2015 „Kein Land in Sicht“ auf und um das Gelände der Mainzer Zitadelle statt. Das ganze Programm findet Ihr auf der Webseite des Festivals hier.

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