„Wir sind Charlie, wir sind nicht Pegida“ – ein kleines Schild mit dieser Aufschrift fasste genau zusammen, was am Montagabend in Mainz geschah. Es war die erste Anti-Pegida-Demo in Mainz, ohne dass es vorher überhaupt einen  Pegida-Versuch gegeben hatte – die Mainzer schoben dem gleich mal einen Riegel vor. Mainz zeigte (endlich) Flagge, und dieses Mal waren viele gekommen: 1.500 Demonstranten schätzte die Polizei am Abend, 2.000 können es aber auch gut gewesen sein. Friedlich, entschlossen und eher leise. Ein starkes Zeichen aus Mainz.

Menschenmenge auf der Schillerstraße nei Anti-Pegida-Demo in Mainz - Foto: gik
Es waren richtig viele: Menschenmenge auf der Schillerstraße – Foto: gik

Mainz& hatte nach eher kleinen Gedenk-Treffen an die Opfer des Attentats auf die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo irritiert gefragt: Wo sind die Mainzer? Nun: hier. Montagabend, 18.30 Uhr Hauptbahnhof. Von dort ging der Demonstrationszug zum Schillerplatz, und von dort über Ludwigstraße, Flachsmarkt und Neubrunnenplatz zurück zum Bahnhof.

„Solidarität zeigen“ mit Charlie Hebdo

„Wer seid Ihr?“ fragte der Redner in die Menge. „Wir sind Charlie!“, scholl es hundertfach zurück. Ansonsten gab es aber nur wenige „Je suis Charlie“-Schilder in der Menge, überhaupt gab es nur wenige Plakate und Transparente. Eine Europafahne wehte an einer Stelle über dem Zug – genau das richtige Zeichen an jene, die gerade die Werte unseres Europas unter Feuer genommen hatten.

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Europafahne bei Anti-Pegida-Demo in Mainz vorm  Dom - Foto: gik
Europafahne bei Anti-Pegida-Demo in Mainz vorm Dom – Foto: gik

„Das sind Tage, an denen jeder das Bedürfnis hat, seine Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen“, sagte eine nachdenklich-entschlossene Doris Ahnen, lange Ministerin für Bildung und Kultur in Rheinland-Pfalz, inzwischen Finanzministerin von der SPD. Ihre Gedanken gingen dabei an die schrecklichen Attentate von Paris mit 17 Toten, darunter die Zeichner und Macher der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Ahnens Botschaft am Montagabend: „Solidarität zeigen, das ist hier das Ziel.“

Bunte Vielfalt unserer Gesellschaft verteidigen

Viele Politiker von Stadt und Land gingen im Zug mit, zurückhaltend, schweigend, einfach ein Teil der Menge. Es war nicht der Tage der politischen Reden, aber Mainz& fand doch den einen Politiker oder anderen im Demonstrationszug. Noch nie haben wir so viele Politiker so floskelfrei reden hören wie heute – allen war zutiefst ernst, was sie sagten.

Anti-Pegida-Demo mit Bunt statt Braun Schild - Foto: gik
Anti-Pegida-Demo mit Bunt statt Braun Schild – Foto: gik

„Es ist ein ermutigendes und sehr ermutigendes Signal, dass in Mainz Menschen auf die Straße gehen gegen rechte Hetze“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) Mainz&: „Wir sehen in der bunten Vielfalt unserer Gesellschaft eine Chance, und wir wollen sie.“

Ein Zeichen gegen Spuk von Pegida setzen

„Ich will ein Zeichen setzen, dass diejenigen, die mit fremdenfeindlichen Parolen in Deutschland herumlaufen, nicht die breite Mehrheit sind“, sagte CDU-Kreischef Wolfgang Reichel: „Ich hoffe, dass der Spuk bald vorbei ist.“ Die Terrorakte von Paris, sagte Reichel noch, „das war ein Angriff auf uns alle.“ Es sei auch der Versuch, Journalisten einzuschüchtern, „dem muss entschieden Widerstand geleistet werden.“

Frauen zünden Kerzen am Institut Francais während der Anti-Pegida-Demo an - Foto: gik
Frauen zünden Kerzen am Institut Francais während der Anti-Pegida-Demo an – Foto: gik

„Wir wollen zeigen, dass wir er Meinungsmache von Pegida nicht wortlos unterordnen“, sagte Thomas Petry, Grünen-Landeschef, und seine Vorstandskollegin Katharina Binz ergänzte, Mainz setze ein Zeichen genau dagegen. „Wir lassen uns keine Angst machen, Rheinland-Pfalz lässt sich nicht einschüchtern“, sagte die Stellvertretende Ministerpräsidentin und grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke – auch sie einfach ein Gesicht in der Menge.

„Terroristen ohne Humor gehören nicht zum Islam“

Dem Zug schlossen sich Alte und Junge, Studenten und Berufstätige, Familien mit Kindern an – es war wirklich ein breiter Querschnitt durch die Mainzer Gesellschaft. Eine Gruppe leiser Herren entpuppte sich als Mitglieder des Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft. „Wir wollen keinen Terror, wir wollen Demokratie“, sagte Habil Rasulov mit Nachdruck: „Freiheit muss sein.“

Wütend mit Plakat am Institut Francais - Anti-Pegida-Demo - Foto: gik
Wütend mit Plakat am Institut Francais – Anti-Pegida-Demo – Foto: gik

Gegen Pegida demonstrierten sie am Montagabend, „wir haben Angst davor“, sagte der Journalist Sarvan Rizvanov, Mitglied im Beirat für Migration der Stadt Mainz. Die Morde in Paris, das seien „Terroristen, die keinen Humor haben“, sagte Rasulov noch, „das gehört nicht zum Islam.“

„Unsere Religion wird in den Dreck gezogen“

Viele Muslime gingen im Zug mit, Frauen mit Kopftuch, auch Samira. „Ich will ein Zeichen setzen für den Frieden, und dass wir Muslime uns von den Attentätern distanzieren“, sagte die Mutter von zwei Kindern, die seit 26 Jahren in Mainz lebt. „Man lebt schon ein bisschen in Angst“, sagte sie, und dass so ein Attentat nicht mit Religion zu rechtfertigen sei: „Unsere Religion wird dadurch in den Dreck gezogen.“

Mann mit Stift und Schild: Klaus Wilinski, Mainzer Karikaturen-Zeichner bei der Anti-Pegida-Demo - Foto: gik
Mann mit Stift und Schild: Klaus Wilinski, Mainzer Karikaturen-Zeichner bei der Anti-Pegida-Demo – Foto: gik

Organisiert worden war die Demonstration von einer Gruppe junger Mainzer, die sich mit Freunden einfach zu dem Zweck zusammengetan hatten. Am Schillerplatz  hielt David Häußer eine Rede, ein Mainzer Aktivist und Rapper. „Toleranz heißt Aushalten, Ertragen“, sagte Häußer am Schillerplatz, und dass es „eine zivilisatorische Errungenschaft“ sei, Auseinandersetzungen eben nicht „mit Raketenwerfern auszutragen.“

„WIR gegen Gewalt, Haß und Spaltung“

„Es braucht ein WIR, ein freundliches, leichtes, ein schlicht-pragmatisches WIR“, rief Häußer in die Menge, es gehe darum, den Leuten von Pegida zuzurufen, dass Gewalt, Hass und die weitere Spaltung der Gesellschaft nicht toleriert werde. Schade nur, dass die Anlage viel zu klein war, und viele den Redner nicht verstehen konnten.

Auf den Punkt gebracht: Es lebe der humorvolle Prophet... - Schild bei Anti-Pegida-Demo - Foto: gik
Auf den Punkt gebracht: Es lebe der humorvolle Prophet… – Schild bei Anti-Pegida-Demo – Foto: gik

Gut anderthalb Stunden lang zog die Demonstration durch die Innenstadt. Mainz ist (endlich) aufgewacht, die Botschaft war eine Starke: „Wir sind bunt, vielfältigen Glaubens, die Vielfalt macht den Wert unserer Gesellschaft aus“, sagte Umweltstaatssekretär Thomas Griese von den Grünen Mainz&. In einer solchen  Gesellschaft gelte es auch, andere Meinungen, andere Darstellungen und Zeichnungen auszuhalten. „Das ist ein Wert“, sagte Griese, „und dafür muss man eintreten.“

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Als Initiatorin des mini-Demo am Sonntag, freue ich mich sehr dass 1500! Mainzer und davon viele Politiker ihre Gedenken an den Opfer den Attentaten in Paris, ihre Engagement gegen Pediga, für Toleranz und ihre Solidarität mit Frankreich ausgedrückt haben!! Herzlichen Grüße! Elsa

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